Gaza-Hilfe

Israel: Weitere 180 Lkw in Gazastreifen eingefahren

Lastwagen mit humanitärer Hilfe fahren über die Grenze zu Rafah in den Gazastreifen ein. Foto: picture alliance / Anadolu

Nach israelischen Angaben haben den zweiten Tag in Folge Transporte mit Hilfsgütern für die notleidende Bevölkerung den Gazastreifen erreicht. 180 Lastwagen seien in den abgeriegelten Küstenstreifen eingefahren und warteten auf ihre Abholung und die Verteilung der Güter, teilte die israelische Militärbehörde Cogat auf X mit. Am Vortag seien 120 Lastwagenladungen in den Gazastreifen gelangt. Sie seien von UN- und anderen Organisationen übernommen worden. 

Die Lieferungen trafen auf eine ausgehungerte und verzweifelte Bevölkerung. Eine beträchtliche Menge an Lebensmitteln sei in das Gebiet gebracht worden, aber »viel davon wurde geplündert«, sagte der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher der britischen BBC. Es sei ein Beginn gewesen und zugleich »nur ein Tropfen in einem Ozean«. Die nächsten paar Tage seien entscheidend.

Die israelische Regierung betont, dass es im Gazastreifen keine Hungersnot gebe. Die Lage sei angespannt, aber es seien genug Hilfsgüter vorhanden. Das Problem bestehe in der zu langsamen Verteilung durch die Vereinten Nationen.

UN-Organisationen warnen vor drohender Hungerkatastrophe

Israel hatte am Sonntag erstmals seit Monaten die Einfuhr von Hilfslieferungen in größerem Stil zugelassen, darunter auch Lieferungen per Flugzeug.

Nach israelischen Angaben sind den zweiten Tag in Folge Hilfsgüter aus der Luft über dem Gazastreifen abgeworfen worden. Die Lieferungen umfassten 20 Paletten mit Lebensmitteln, die an Fallschirmen von jordanischen und emiratischen Flugzeugen über dem abgeriegelten Küstenstreifen abgeworfen wurden, wie eine Sprecherin der israelischen Cogat-Behörde auf Anfrage bestätigte. 

Der Abwurf von Hilfsgütern aus der Luft sei Teil einer »Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung der humanitären Hilfe« im Gazastreifen, hieß es zudem in einer Mitteilung des Militärs. Die Armee - unter der Leitung der für Palästinenserangelegenheiten zuständigen Cogat-Behörde - arbeite mit Jordanien und den Emiraten zusammen.

Israels Kehrtwende folgte auf zunehmenden internationalen Druck

Seit März dieses Jahres ließ Israel nur noch wenige Hilfslieferungen in den Gazastreifen. Zuletzt führte dies zu einem dramatischen Mangel an Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Gütern. UN-Organisationen sprachen von einer drohenden Hungerkatastrophe. Das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium registrierte bis zum Montag 134 Menschen, die an Unterernährung gestorben sein sollen, unter ihnen 88 Kinder. Die Zahlen ließen sich nicht unabhängig überprüfen. 

Es gehört jedoch zur Propagandastrategie der Terroristen, auch Falschnachrichten über die humanitäre Situation im Gazastreifen zu verbreiten. So sind im Internet einige Bilder von ausgemergelten Kindern zu sehen. Die Aufnahmen haben jedoch mit dem Krieg gegen die Hamas gar nichts oder nur bedingt etwas zu tun.

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Die vorläufige Kehrtwende Israels im Umgang mit der humanitären Hilfe für den Gazastreifen erfolgte vor dem Hintergrund wachsender Kritik aus dem Ausland an den als unerträglich empfundenen Zuständen. Das Militär verhängte in Teilen des Gazastreifens während des Tages Feuerpausen und richtete sichere Korridore für den Transport ein. Zudem dürfen arabische Nachbarstaaten Hilfsgüter per Flugzeug abwerfen. Auch die israelische Armee ließ Hilfe per Fallschirm hinab. Die neue Regelung gelte bis auf Widerruf, hatte das Militär mitgeteilt.

Der jüdische Staat führt im Gazastreifen einen Krieg gegen die islamistische Hamas. Ausgelöst hatte diesen der Überfall der Hamas und anderer palästinensischer Terrororganisationen am 7. Oktober 2023. Bei dem beispiellosen Massaker töteten die Aggressoren mehr als 1.200 Menschen und verschleppten weitere 250 als Geiseln in den Gazastreifen.

Die Zahl der Toten im Gazastreifen seit Beginn des Kriegs liegt dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium zufolge bei fast 60.000, unterscheidet aber nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten. Sie lässt sich nicht unabhängig prüfen. dpa/ja

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