Nahost

Israel rechnet diese Woche eher nicht mit US-Schlag gegen Iran

Ein Kampfjet landet auf der USS Abraham Lincoln., einem Flugzeugträger, der in Reichweite des Iran stationiert ist. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Israelische Sicherheitskreise gehen derzeit nicht davon aus, dass die USA noch in dieser Woche militärisch gegen den Iran vorgehen. Zwar sei die Lage angespannt und politisch besonders sensibel, doch in Jerusalem spreche die aktuelle Einschätzung eher von einem Zeitfenster von Wochen als von Tagen. Das berichtet die »Jerusalem Post« unter Berufung auf israelische Regierungs- und Verteidigungsvertreter.

Ob diese Aussagen das Regime in Teheran lediglich in Sicherheit wiegen sollen, um den Überraschungseffekt eines Angriffs zu verstärken, ist unklar.

Dem Zeitungsbericht zufolge verfolgt Israel die militärischen und diplomatischen Schritte Washingtons sehr genau. Das Verhältnis zu den USA werde weiterhin als strategisch und eng beschrieben, zugleich verweisen israelische Stellen jedoch auf erhebliche Unsicherheiten, die eine eigene Planung erschweren. Dazu zählten Unterschiede bei Geheimdienstinformationen bei der Bewertung iranischer Absichten.

Praktisches Problem

Sollte sich die US-Regierung letztlich für einen militärischen Schritt entscheiden, rechnen israelische Verantwortliche damit, nur sehr kurzfristig informiert zu werden. Genau darin liege ein praktisches Problem: Die Vorbereitung auf eine regionale Eskalation erfordere Zeit – für die israelische Luftwaffe, die Raketenabwehr, den Zivilschutz und die diplomatische Abstimmung mit Partnerstaaten.

Lesen Sie auch

Erschwerend komme hinzu, dass zentrale Informationen in Washington verblieben. In solchen Fällen müsse Israel eigene Lücken in Analyse und Planung schließen, teilweise gestützt auf indirekte Hinweise und mit begrenzter Planungssicherheit, hieß es weiter.

Neben der Frage eines möglichen Angriffs steht für Israel vor allem die Richtung der US-iranischen Diplomatie im Fokus. Besondere Sorge bereitet in Jerusalem die Möglichkeit eines Teilabkommens, das zwar das iranische Atomprogramm einschränkt, das Raketenprogramm Teherans jedoch außen vor lässt. Genau dieses Szenario gilt aus israelischer Sicht als hochproblematisch.

Wachsende Bedrohung

Ballistische Raketen werden in Israel als unmittelbare und wachsende Bedrohung eingeschätzt. Sie stärkten Irans Abschreckung bereits unabhängig von einer möglichen nuklearen Bewaffnung. Das Thema sei in Gesprächen zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump wiederholt angesprochen worden, heißt es aus israelischen Regierungskreisen.

Nach israelischen Einschätzungen zeigt sich Teheran zwar gesprächsbereit bei Fragen der Sanktionserleichterung und begrenzter Kontrollmechanismen, lehnt aber jede Verhandlung über sein Raketenarsenal ab. Raketen gelten im Iran als Gegengewicht zur militärischen Überlegenheit der USA und Israels.

Damit stehe Washington vor einer schwierigen Entscheidung: Entweder auf ein umfassenderes Abkommen drängen – mit dem Risiko eines Scheiterns der Gespräche – oder sich mit einer engeren Vereinbarung zufriedengeben, die Raketen und Irans regionale Stellvertreter unberücksichtigt lässt.

Ideologische Standhaftigkeit

Israelische Stellen verweisen zudem auf Spannungen innerhalb der iranischen Führung. Während Revolutionsführer Ali Chamenei demnach auf ideologische Standhaftigkeit setze und jeden Eindruck von Nachgiebigkeit vermeiden wolle, gebe es zugleich politische und wirtschaftliche Kräfte, die auf Entlastung durch Sanktionserleichterungen drängten. Die letztliche Entscheidung liege jedoch bei Chamenei, der klare rote Linien ziehe, so »The Jerusalem Post«.

Unabhängig vom eingeschlagenen Weg sehen israelische Sicherheitskreise erhebliche Risiken. Ein militärisches Vorgehen könnte zu einer schmerzhaften iranischen Reaktion führen, bei der Teheran zugleich versuche, einen offenen regionalen Krieg zu vermeiden. Ein diplomatisches Abkommen ohne Raketenregelung hingegen würde dem Iran ermöglichen, Reichweite, Präzision und Einsatzfähigkeit seiner Systeme weiter auszubauen – bei gleichzeitig geringerem wirtschaftlichen Druck.

Vor diesem Hintergrund hat Israel nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen seine Bemühungen verstärkt, Einfluss auf die Entscheidungsfindung in Washington zu nehmen. Dazu wurden aktualisierte Geheimdienstinformationen über Irans Raketenfähigkeiten vorgelegt. Ziel sei es, sicherzustellen, dass das Raketenprogramm bei jeder US-Entscheidung – militärisch oder diplomatisch – eine zentrale Rolle spiele. im

Krieg gegen Iran

Hoffnung auf Verhandlungen

Raketenalarm in Tel Aviv, Angriffe auf Teheran: Trotz neuer Vermittlungsversuche und Forderungen an den Iran bleibt eine schnelle Waffenruhe wohl unwahrscheinlich

 25.03.2026

Nachrichten

Flüge, Preis, Kritik

Meldungen aus Israel

von Sabine Brandes  25.03.2026

Krieg

Iran beschießt Israel erneut mit Raketen

Bislang gibt es keine Berichte über Opfer

 25.03.2026

Israel

Regierung stimmt Bau einer permanenten US-Botschaft in Jerusalem zu

Ein Grundstück im sogenannten Allenby-Komplex wird für das Vorhaben bereitgestellt

 25.03.2026

Nachrichten

Vermisst, Einmischung, Deal

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  24.03.2026

Israel

Lex Haredim auf Eis

Zustimmung zum Kriegshaushalt erkauft

von Sabine Brandes  24.03.2026

Libanon

Israel will Gebiet bis Litani-Fluss kontrollieren

Der israelische Verteidigungsminister will die Pufferzone zwischen Israel und der Hisbollah vergrößern

 24.03.2026

Tel Aviv

NGO warnt vor Begnadigung Netanjahus

Die Organisation Movement for Quality Government fordert Kulturminister Eliyahu auf, von einer Begnadigungsempfehlung an Staatspräsident Isaac Herzog abzusehen

 24.03.2026

Nahost

Libanon weist iranischen Botschafter aus

Die Lage zwischen der Hisbollah und Israel spitzt sich immer weiter zu. Die Regierung in Beirut trifft nun weitere Maßnahmen, um den iranischen Einfluss einzudämmen

 24.03.2026