Israel hat als weltweit erstes Land die ostafrikanische Republik Somaliland als unabhängigen Staat anerkannt. Somaliland, eine muslimische Region im Norden Somalias mit nur wenigen Millionen Einwohnern, ist seit mehr als drei Jahrzehnten praktisch unabhängig.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und der Präsident der Region am Horn von Afrika, Abdirahman Mohamed Abdullahi, unterzeichneten eine entsprechende Erklärung. Israels Vorgehen wurde von mehreren regionalen Mächten verurteilt.
Die Anerkennung erfolge »im Geiste der Abraham-Abkommen«, hieß es in einer Mitteilung des Büros von Netanjahu. Diese Abkommen hatte US-Präsident Donald Trump 2020 während seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht. In der Folge normalisierten die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und der Sudan ihre Beziehungen zu Israel. Netanjahu lud laut der Mitteilung den Präsidenten von Somaliland zu einem offiziellen Besuch nach Israel ein.
Worum geht es Israel?
Nach Informationen des israelischen Senders »Channel 12« hatten vor Monaten geheime Kontakte zwischen Israel und Somaliland begonnen. Israel habe damals im Krieg im Gazastreifen nach Ländern gesucht, die bereit wären, palästinensische Bewohner des umkämpften Küstenstreifens aufzunehmen. Netanjahus Verbündeter Trump hatte zuvor die Idee einer Umsiedelung der Bewohner ins Spiel gebracht, was aber auf internationale Kritik gestoßen war.
Ein anderer zentraler Grund für Israels Beziehungen zu Somaliland sei die Nähe dieser Region zum Jemen, schrieb die »Times of Israel«. Der Zugang zum Territorium und Luftraum Somalilands würde es Israel erleichtern, Angriffe gegen die vom Iran unterstützte terroristische Huthi-Miliz im Jemen durchzuführen und sie zu überwachen. Die Miliz hatte nach dem Beginn des Gaza-Kriegs Ziele in Israel und vor allem Handelsschiffe mit mutmaßlichem Bezug zu Israel angegriffen.
Andere Staaten wie der große Nachbar Äthiopien oder auch die Vereinigten Arabischen Emirate unterhalten ebenfalls Beziehungen zu Somaliland, haben das Gebiet aber nicht offiziell als unabhängigen Staat anerkannt.
Die Regierung Somalias verurteilte Israels Anerkennung der abtrünnigen Region und sprach von einem »vorsätzlichen« und »rechtswidrigen« Angriff auf die Souveränität des Landes. Die Region Somaliland sei ein »integraler, untrennbarer« Teil des Hoheitsgebiets Somalias.
Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Aboul Gheit, verurteilte Israels Vorgehen in einer Stellungnahme ebenfalls. Es handele sich um einen »klaren Verstoß gegen die Regeln des Völkerrechts« und Missachtung des Prinzips der territorialen Einheit und staatlichen Souveränität.
»Diplomatischer Meilenstein«
Somalilands Außenminister Abdirahman Dahir Adam hat die Anerkennung seines Landes durch Israel ungeachtet der Kritik anderer regionaler Staaten begrüßt. »Diese Anerkennung ist nicht nur ein diplomatischer Meilenstein, sondern auch ein Moment großer historischer Gerechtigkeit und moralischer Klarheit«, sagte er dem israelischen Sender »Kan«. Er stellte klar, Somaliland habe sich im Gegenzug nicht dazu bereit erklärt, Menschen aus dem Gazastreifen aufzunehmen.
Die Zusammenarbeit mit Israel werde sich auf Diplomatie, Handel, Technologie, Landwirtschaft, Wassermanagement, Gesundheit und Sicherheit konzentrieren. »Somaliland strebt eine Partnerschaft an, die transparent, friedlich und für beide Länder vorteilhaft ist«, sagte der Außenminister weiter. Die Anerkennung Somalilands durch Israel stärke die Sicht der ostafrikanischen Republik als »stabilen, demokratischen und verantwortungsbewussten Staat in einer fragilen Region«. dpa/ja