Jahrzehnte nach den Schrecken von Auschwitz und nach einem langen Leben in den USA hat Charlotte Roth nun ihren Traum verwirklicht: Mit 96 Jahren erhielt die Holocaust-Überlebende offiziell die israelische Staatsbürgerschaft. In Netanya, wo die meisten ihrer Angehörigen leben, wurde sie von fünf Generationen der Familie empfangen, als sie zum ersten Mal ihren israelischen Ausweis entgegennahm. »Ynet« berichtete.
»Ich bin überglücklich«, sagte sie der Publikation zufolge. Hier bin ich bei meiner Familie und an einem Ort, der uns gehört.»
Die Entscheidung für die Aliyah fiel nach einem Besuch in Israel, als ihr bewusst wurde, wie anstrengend die häufigen Reisen zwischen den USA und Israel im Alter geworden waren. «Ich möchte so lange wie möglich bei den Kleinen sein», erklärte sie. Unterstützt wurde sie von einer Enkelin, die sie durch den bürokratischen Prozess begleitete. Die Übergabe ihres Ausweises in Tel Aviv markierte den emotionalen Höhepunkt ihres Umzugs: «Es war überwältigend», berichtete Roth.
Enkel, Urenkel und Ururenkel
Roths Tochter Helen Weiser, die selbst schon in den 1990er Jahren nach Israel gezogen war, beschrieb die Situation «Ynet» zufolge als besonders bewegend für die ganze Familie. Die Enkel und Urenkel hätten immer wieder betont, wie schön es sei, dass ihre Großmutter nach all den Gesprächen und Planungen endlich nach Israel gekommen sei. Roth und ihr 1999 verstorbener Ehemann Chaim zogen vier Kinder auf und haben mittlerweile eine noch weitaus größere Familie mit neun Enkeln, 26 Urenkeln und 11 Ururenkeln. Die meisten von ihnen in Israel.
Geboren als Ilanka Lea Schwartz in der damaligen Tschechoslowakei, erlebte Roth als Jugendliche die Deportation ins Ghetto und später nach Auschwitz-Birkenau, wo sie von ihrer Mutter und ihren Geschwistern getrennt wurde. Sie sah sie nie wieder. Dank ihrer Nähfähigkeiten überlebte sie die Zwangsarbeit und den Lageralltag sowie einen Todesmarsch. Nach dem Krieg kehrte sie zurück in ihre Heimatstadt, nur um festzustellen, dass fast alle Familienangehörigen ermordet worden waren. Ihr Vater nahm sich später das Leben.
Im Alter von 17 Jahren kam Roth in ein Displaced-Persons-Lager in Deutschland, wo sie ihren späteren Ehemann kennenlernte, einen ehemaligen Partisanen. Gemeinsam emigrierten sie in die USA und ließen sich in Cleveland nieder. Seit 1988 besuchte sie Israel regelmäßig, und mit jedem weiteren Familienmitglied, das dorthin zog, verlagerten sich ihre Lebensschwerpunkte. Heute dienen mehrere ihrer Nachkommen bei den israelischen Streitkräften.
Nazis und Terroristen
Auf die Frage, warum sie sich in einem Land mit ständiger Sicherheitsbedrohung niederlasse, antwortete Roth mit charakteristischer Entschlossenheit: «Wenn die Nazis mich nicht töten konnten, werden es diese Terroristen auch nicht können.» Sie habe keine Angst, in Israel zu leben. Ein Mitgründer der Organisation Nefesh B’Nefesh, die ihren Umzug unterstützte, nannte Roths Aliyah ein historisches Ereignis und ein Zeichen für die Widerstandskraft des jüdischen Volkes.
Zum Abschluss zeigte Roth ihre verblassende Tätowierung aus Auschwitz: Die Nummer 25941, mit einem vorangestellten «A» für Arbeit, erinnere an eine Zeit, in der sie keinen Namen hatte. Heute hält sie stolz einen israelischen Ausweis in Händen – und fasst ihr Leben in einem einzigen Satz zusammen: «Ich habe gewonnen.» im