Mode

»Ich designe für alle«

Rinat Brodach Foto: David Scott Holloway

Frau Brodach, Sie sind eine der Teilnehmerinnen in der Amazon-Prime-Show »Making the Cut«. Weshalb haben Sie sich entschlossen mitzumachen?
Ich habe vor eineinhalb Jahren einen Anruf bekommen, zu einem Vorsprechen zu kommen, und, ehrlich gesagt, war ich damals nicht in der besten wirtschaftlichen Lage. Also habe ich geschaut, was so möglich ist, und war offen, auch in diese Richtung etwas zu machen. Und voilà, es hat geklappt.

Für wen designen Sie?
Ich habe ursprünglich mit Damenmode begonnen, aber nach ein paar Jahren habe ich einmal tief in mich hineingehört und mich daraufhin entschlossen, meine Mode »genderfluid«, also nicht geschlechterspezifisch zu machen. Ich mag dieses Schubladendenken nicht, dass Kleidung ausschließlich für Männer oder ausschließlich für Frauen kreiert werden kann. Ich designe für alle. Egal in welcher Größe, welcher Farbe, für welches Geschlecht. Ich habe Kunden, die Mitte 20 sind, und Kunden, die in ihren 60-ern sind. Die Person, die meine Designs trägt, soll einfach strahlen.

https://www.instagram.com/p/B-pAf55pzDN/

Sie sind jetzt in New York, aber eigentlich aus der Nähe von Tel Aviv. Hat Sie eine Stadt modisch beeinflusst?
Ich komme aus Gan Yavne und habe Israel 2005 verlassen, um zu studieren. Ich wollte immer Modedesignerin werden und lasse mich von meiner Umwelt inspirieren, von den Dingen, die in der Welt passieren, aber am meisten von Menschen. Ich zähle nicht zu den Designern, die von Schmetterlingen und Prinzessinen inspiriert wird. Ich gehe gern an die dunklen Orte, um von dort dann das Licht hervorzubringen.

Wie blicken Sie auf Israel nach so langer Zeit im Ausland?
Ich liebe mein Land, und ich bin sehr glücklich, dass ich dort aufgewachsen bin. Ich weiß aber auch, dass ich als Künstlerin und als Designerin nur bis zu einem bestimmten Punkt Erfolg haben kann, weil die Möglichkeiten doch begrenzt sind. Viele Musiker gehen aus diesem Grund auch oft nach Europa oder in die USA. Die europäischen und amerikanischen Kunden sind auch eher bereit, für ihre Kleidung etwas mehr Geld auszugeben, als es die israelischen Kunden machen würden.

Was nehmen Sie aus »Making the Cut« für sich selbst mit?
Ich habe meine Comfort-Zone verlassen. Wir fühlen uns in diesem Bereich sehr wohl, und ich wollte da raus, wollte wachsen. Natürlich weiß ich, dass ich damit öffentlich werde, vielleicht auch verletzbar, aber ich wollte mich herausfordern. Zum Beispiel, dass ich mit Farben arbeite. Das war neu für mich.

Wir leben in einer außergewöhnlichen Zeit. Viele Künstler geben Konzerte aus dem Wohnzimmer. Wäre das auch etwas für Sie: live zu designen?
Also, wenn ich mit meiner Familie über Facetime spreche, dann kann es schon mal vorkommen, dass ich nebenbei etwas entwerfe, aber ich könnte mir das nicht für ein größeres Publikum vorstellen. Ich liebe die Zeit, in der ich nähe. Es ist wie eine Meditation für mich, ich denke währenddessen viel nach, ordne meine Gedanken. Das ist etwas sehr Intimes. Wenn es um eine Diskussion gehen würde, dann wäre das etwas anderes.

Wie werden Sie denn dieses Jahr Pessach feiern?
Da der Großteil meiner Familie in Israel ist und wir in verschiedenen Zeitzonen leben, werde ich morgens bestimmt etwas Facetime mit meiner Familie machen, vielleicht ein paar Lieder singen. Und abends bin ich zu einer Zoom-Konferenz mit meiner Wahlfamilie, meinen Freunden in New York, verabredet. Wir werden vier Gläser Wein trinken, ein paar Songs singen. Pessach in diesen Zeiten – das wird ziemlich bizarr.

Mit der Modedesignerin sprach Katrin Richter.

Israel

»Hab viel Spaß in der Hölle, du Hurensohn!«

Die ehemalige deutsch-israelische Geisel Rom Braslavski reagiert auf die Tötung ihres Peinigers. Ein Moment, der für ihn mehr als Rache ist

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nahost

Hat ein Tadschike für den Iran Ziele in Israel ausgespäht?

Über ein Jobangebot kam ein Tadschike laut Israels Geheimdienst mit einem iranischen Agenten in Kontakt. Er soll für Teheran Orte in Israel ausspioniert und weitere Spione angeworben haben

 02.07.2026

Interview

»Klimaanlagen sind Pflicht«

Keren Agay-Shay erklärt, warum extrem heiße Sommer mehr sind als ein Wetterphänomen – und welche Maßnahmen Leben retten können

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nachrichten

Umwelt, Anerkennung, Bücher

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  02.07.2026

1000 Tage

Tausende Stimmen gegen das Vergessen

Die Hebräische Universität und Edut 710 schaffen ein KI-gestütztes Archiv, das die Zeugnisse des 7. Oktober bewahrt

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

5800 Juden wollen in diesem Sommer Alija machen

Das Interesse, nach Israel überzusiedeln, ist ungebrochen groß: Im Juli und August werden zahlreiche Neubürger erwartet, vor allem aus Frankreich und den USA

 02.07.2026

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Sensationsfund in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  02.07.2026

Zeitgeschichte

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

von Ralf Balke  02.07.2026

1000 Tage 7. Oktober

Israelis gedenken der Hamas-Massaker mit Protesten

Den ganzen Tag über werden landesweit Demonstrationen erwartet

 02.07.2026