Pandemie

Hoffnung auf Hilfe bei Long Covid

Millionen Menschen leiden unter langwierigen Folgen einer Coronainfektion. Foto: Flash90

Die ganze Welt hofft, dass das Schlimmste in Sachen Coronavirus hinter uns liegt. Für viele Menschen aber sind die Folgen der Pandemie noch lange nicht vorüber. Sie leiden unter dem sogenanntem Long Covid. Diese Langzeit-Symptome nach einer Infektion mit dem Virus sind für Betroffene oft extrem belastend und schränken ihr Leben ein. Forscher der Universität Tel Aviv (TAU) geben jetzt jedoch Hoffnung auf Genesung.

VERBESSERUNG Sie setzten Patienten mit derartigen Symptomen einer intensiven Behandlung mit hyperbarer Sauerstofftherapie (HBO) aus und stellten eine signifikante Verbesserung der kognitiven, neurologischen und psychiatrischen Funktionen fest. Die Behandlungen wurden von MRT-Bildern des Gehirns begleitet, die Schäden durch Covid-19 identifizierten.

Es sei die weltweit erste Studie dieser Art, gibt die TAU an. Und bahnbrechend darüber hinaus, denn das Ergebnis sei »sehr vielversprechend und hoffnungsvoll«. Long Covid, das bis zu 30 Prozent der mit dem Virus infizierten Patienten betrifft, ist gekennzeichnet durch eine Reihe von schwächenden kognitiven Symptomen. Dazu gehören Konzentrationsschwierigkeiten, Gehirnnebel, Vergesslichkeit sowie Probleme, sich an Wörter oder Gedanken zu erinnern. Diese dauern länger als drei Monate an, manchmal bis zu zwei Jahre. Bis heute wurde keine wirksame Therapie vorgeschlagen, was viele Millionen von Betroffenen hoffnungslos zurücklässt.

»Heute verstehen wir, dass bei einigen Patienten das Virus ins Gehirn eindringt und chronische Verletzungen auslöst.«

Professor Shai Efrati

Die Studie wurde vom Sagol Center for Hyperbaric Medicine and Research in Kooperation mit dem Shamir Krankenhaus durchgeführt. Professor Shai Efrati und Shani Itskovich Zilberman vom Sagol Center leiteten die Untersuchung unter der Mitarbeit der Datenwissenschaftlerin Merav Catalogna und Amir Hadanny. Die Ergebnisse wurden in »Scientific Reports« veröffentlicht.

ÜBERDRUCK Bei der medizinischen Behandlungsmethode von HBO wird 100 Prozent reiner Sauerstoff unter Zuhilfenahme von Überdruck am gesamten Körper über definierte Zeiträume und Intervalle verabreicht. Durch die Kombination von 100 Prozent Sauerstoff bei gleichzeitiger Anwendung von Überdruck ist es möglich, sogenannte Sauerstoffpartialdrücke im Blut und Gewebe zu erreichen.

Professor Efrati erklärt: »Heute verstehen wir, dass bei einigen Patienten das Covid-19-Virus in das Gehirn durch die Lamina cribrosa eindringt, den Teil des Schädels, der sich direkt über unserer Nase befindet, und eine chronische Hirnverletzung auslöst. Diese entsteht hauptsächlich in Gehirnregionen im Frontallappen, verantwortlich für kognitive Funktion, mentalen Status und Schmerzinterpretation. Dadurch erleben betroffene Patienten einen langfristigen kognitiven Rückgang, mit Symptomen wie Gehirnnebel, Konzentrationsverlust und geistiger Erschöpfung.«

WELT Durch den Schaden am Frontallappen können Patienten zudem an Stimmungsstörungen, Depressionen und Angstzuständen leiden. Diese klinischen Symptome, die bei Patienten auf der ganzen Welt festgestellt wurden, sind von der Weltgesundheitsorganisation im Oktober 2021 als »Long Covid« bestätigt worden.

Die Studie aus Israel umfasste 73 Patienten mit kognitiven Symptomen nach Covid-19 wie Konzentrationsschwäche, Hirnnebel und Vergesslichkeit, die länger als drei Monate anhielten. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt: 37 Patienten erhielten eine HBO-Behandlung, während 36 Patienten als Kontrollgruppe fungierten, die einer Placebo-Behandlung ausgesetzt war.

»Bei dieser Regeneration werden neue Neuronen und Blutgefäße gebildet.«

Dr. Shani Itskovich Zilberman

Das Protokoll der Behandlung bestand aus täglichen Sitzungen innerhalb eines Zeitraums von zwei Monaten. Dabei atmeten Patienten in einer sogenannten HBO-Kammer mit Überdruck 90 Minuten lang 100 Prozent Sauerstoff durch Masken ein. Die Kontrollgruppe atmete normale Luft. Darüber hinaus unterzogen sich alle Teilnehmer einem computergestützten kognitiven Test sowie MRTs.

Die Wissenschaftler fanden im Anschluss heraus, dass Patienten, die mit HBO behandelt wurden, über eine »signifikante Verbesserung der Beschwerden« berichteten, während die Symptome in der Kontrollgruppe weitgehend unverändert blieben. Am meisten hätten sich die globalen kognitiven Funktionen, Aufmerksamkeit und Exekutive gezeigt. Weitere Vorteile waren eine schnellere Informationsverarbeitung, verbesserter mentaler Zustand, mehr Energie, bessere Schlafqualität und weniger Körperschmerzen.

VERÄNDERUNGEN Alle klinischen Befunde waren übereinstimmend mit den Gehirnbildern, die auf signifikante Veränderungen in den Teilen des Gehirns hinwiesen, die durch das Covid-19-Virus sichtbar beschädigt wurden. »Wir wissen, dass HBO Hirnschäden durch einen Prozess repariert«, erklärt Itskovich Zilberman. »Bei dieser Regeneration werden neue Neuronen und Blutgefäße gebildet. Wir sind sicher, dass die wohltuende Wirkung auf eine erneute Neuroplastizität und gesteigerte Gehirndurchblutung in Regionen zurückzuführen ist, die mit kognitiven und emotionalen Rollen verbunden sind.«

»Mit unserer Studie wird zum ersten Mal überhaupt eine wirksame Behandlung für das schwächende Long Covid vorgestellt«, resümiert Professor Efrati. »Sie zeigt auch die sehr reale biologische Schädigung des Gehirngewebes durch das Covid-19-Virus. Und wie das Reparieren der Schäden die Symptome reduziert – was schließlich zur Genesung führt.«

Kfar Aza

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