Kriminalität

Israel geht gegen kriminelle arabische Clans vor

(Archivfoto) Foto: Flash 90

In einer groß angelegten landesweiten Operation hat die israelische Polizei innerhalb von 24 Stunden mehrere koordinierte Einsätze gegen organisierte Kriminalität durchgeführt. Im Fokus standen kriminelle Familiennetzwerke - die sogenannten »Unterweltclans«, die vor allem in arabisch-israelischen Städten durch Gewalt, illegale Bauprojekte und die Kontrolle öffentlicher Räume an Einfluss gewonnen haben.

Einer der zentralen Einsätze fand in Umm al-Fahm statt. Rund hundert Polizisten stürmten dort ein Wohngebiet des Hariri-Clans. Ziel der Razzia waren vor allem Festnahmen und Beweissicherungen. In einem der Häuser wurde zudem eine Abrissverfügung sofort vollstreckt – innerhalb weniger Minuten wurde das Gebäude teilweise zerstört, während die Durchsuchungen weiterliefen.

Der israelische Polizeichef Yaakov Shabtai war während der Aktion vor Ort. Die Hariri-Familie habe »Angst und Schrecken verbreitet«, sagte er im Anschluss. Ein großer Teil der Mitglieder sitze bereits im Gefängnis, für den Rest gebe es ebenfalls »Platz hinter Gittern«. Der Staat werde konsequent gegen alle vorgehen, die die öffentliche Ordnung untergrüben.

Behörden wollen Infrastruktur der Kriminellen schwächen

Die Operation in Umm al-Fahm war Teil eines größeren Einsatzpakets unter dem Namen »Operation Step 6«. Parallel ging die Polizei im Süden Israels gegen weitere kriminelle Netzwerke vor, unter anderem in Rahat, Ar’ara und Tarabin. Dabei wurden zahlreiche Waffen sichergestellt, die mutmaßlich von kriminellen Gruppen genutzt wurden. Die Behörden sprechen von dem Versuch, die operative Infrastruktur der Clans gezielt zu schwächen.

In mehreren Fällen richteten sich die Einsätze nicht nur gegen Personen, sondern auch gegen die sichtbaren Strukturen der Macht. So wurden in Jaljulia rund 60 Überwachungskameras entfernt, die laut Polizei von kriminellen Organisationen im öffentlichen Raum installiert worden waren. Diese Systeme dienten offenbar dazu, »Bewegungen von Rivalen, Anwohnern und Sicherheitskräften zu überwachen und Einflusszonen abzusichern«, heißt es in dem Bericht der Sicherheitskräfte.

Auch in Ramla, im Stadtteil Juarish, setzten die Behörden Abrissverfügungen gegen mehrere illegal errichtete Gebäude um. Diese Bauten sollen nach Angaben der Ermittler von Kriminellen genutzt worden sein, nachdem diese sich schrittweise öffentliche Flächen angeeignet hatten. Der Abriss gilt dabei nicht nur als rechtliche Maßnahme, sondern auch als Signal, dass territoriale Kontrolle durch kriminelle Gruppen nicht geduldet wird.

Inlandsgeheimdienst Schin Bet: »Sieben lokale Behörden in arabischen Gemeinden sind in den Händen krimineller Banden sind, vor allem die der Abu-Latif- und Hariri-Clans.«

Die jüngsten Einsätze stehen im Zusammenhang mit einer anhaltenden Entwicklung: Sicherheitsbehörden warnen seit Jahren vor einer Zunahme organisierter Kriminalität in Teilen der arabisch-israelischen Gesellschaft. Im Zentrum stehen demnach Schutzgelderpressung, Waffenschmuggel und wiederkehrende Gewaltkonflikte zwischen rivalisierenden kriminellen Clans, die in manchen Regionen faktisch eigene Machtbereiche etabliert haben.

Gleichzeitig spielt auch das komplexe soziale und politische Umfeld in einigen der betroffenen Städte eine Rolle. In Umm al-Fahm etwa gilt der frühere Bürgermeister und islamische Prediger Scheich Raed Salah als einflussreiche Figur. Der langjährige Anführer der nördlichen Strömung der Islamischen Bewegung in Israel ist seit Jahrzehnten eine polarisierende Persönlichkeit im Spannungsfeld zwischen Staat, Religion und lokaler Identität.

Während er von Unterstützern als wichtige religiöse Stimme gesehen wird, betrachten ihn israelische Sicherheitsbehörden kritisch und werfen ihm wiederholt Aufwiegelung sowie die Nähe zu radikalen Kreisen vor. Salah wurde bereits mehrfach festgenommen.

Sein Einfluss reicht weit über religiöse Fragen hinaus, die Predigten und öffentlichen Auftritte mobilisieren regelmäßig viele Zuhörer und prägen das gesellschaftliche Klima in Teilen der Stadt. Sicherheitskreise sehen in solchen religiös-politischen Netzwerken einen Faktor, der die ohnehin angespannte Lage in einigen Regionen zusätzlich komplex macht – insbesondere dort, wo staatliche Institutionen, lokale Machtstrukturen und kriminelle Organisationen aufeinandertreffen.

Verdeckte Ermittlungen führten zu Verhaftungen

Bereits zuvor hatten verdeckte Ermittlungen zu umfangreichen Festnahmen geführt. Laut einem Bericht der Zeitung Haaretz wurden im Dezember des vergangenen Jahres 23 Mitglieder arabisch-israelischer Verbrecherfamilien nach einer Undercover-Operation festgenommen. Die Ermittlungen sollen tief in die Strukturen der Organisationen vorgedrungen sein.

Der Inlandsgeheimdienst sagte damals, dass »sieben lokale Behörden in arabischen Gemeinden in den Händen krimineller Banden sind, vor allem die der Abu-Latif- und Hariri-Clans«.

Sicherheitskreise werten die aktuelle Welle koordinierter Razzien als Versuch, den Druck auf diese Organisationen deutlich zu erhöhen und ihre Handlungsfähigkeit stark einzuschränken. Ob dies nachhaltig gelingt, bleibt offen – viele der Netzwerke gelten als flexibel, lokal verankert und in der Lage, sich nach Polizeieinsätzen rasch neu zu organisieren.

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