Jom Haschoa

Gedenken in Yad Vashem

»Unsere absolute Pflicht ist es, die Welt daran zu erinnern, was geschah«: Staatspräsident Rivlin beim Gedenken am Sonntagabend Foto: Flash 90

Israel gedenkt am Jom Haschoa der sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden. Um zehn Uhr schrillten von Nord nach Süd zwei Minuten lang die Sirenen: Autos und Maschinen standen still, Menschen senkten den Kopf und hielten inne – egal, wo sie gerade waren.

Seit Sonntagabend werden in Hunderten Zeremonien – von Schulen über Synagogen bis zur Knesset – die Namen der Getöteten verlesen, um sie unter dem Motto »Jeder Mensch hat einen Namen« der Anonymität zu entreißen.

Jerusalem Die zentrale Gedenkfeier »Identitäten wiedergeben – das Schicksal der Einzelnen während des Holocaust« fand am Abend in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem statt.

Neben Ester Miron, die die Todeslager Auschwitz und Mauthausen überlebt hatte, sprachen dort auch Regierungschef Benjamin Netanjahu und Staatspräsident Reuven Rivlin. Einen Tag zuvor hatte Rivlin in seiner Residenz die Holocaust-Überlebende Miriam Eshel im Rahmen der sozialen Initiative »Erinnern im Wohnzimmer« empfangen. Dabei erzählen Überlebende ihre Geschichte vor einem kleinen Publikum im privaten Rahmen. »Ich bin tief bewegt«, sagte die 87-Jährige, »dass ich nach einer solchen Katastrophe hier und heute in der Residenz des Präsidenten sein darf.«

Eshel hatte in der Schoa ihre gesamte Familie verloren, die Eltern und acht Geschwister. »Die Ehre ist ganz die meine«, merkte Rivlin an. »Der Holocaust hat das ganze Volk Israels berührt. Er berührt uns als Individuen und ist in unserer kollektiven Erinnerung verankert. Unsere absolute Pflicht ist es, die Welt daran zu erinnern, was geschah, und zu sagen: Nie wieder!«

vergangenheit In Yad Vashem sprach er von der mörderischen Singularität des Holocausts, warnte vor Vergleichen und betonte die Bedeutung des Erinnerns – auch an heroische Taten inmitten des Schreckens. »Die Schoa ist permanent in unser Fleisch eingebrannt. Jeder von uns hat eine Nummer auf dem Arm. Dennoch ist die Schoa nicht die Linse, durch die wir unsere Vergangenheit und unsere Zukunft betrachten sollten«, betonte der Präsident.

Das Holocaust-Gedenken beruhe auf drei Säulen: die Pflicht, sich zu verteidigen, das gemeinsame jüdische Schicksal und der Glaube daran, dass alle Menschen nach Gottes Abbild geschaffen sind.

Zum Abschluss erinnerte Rivlin an den kleinen Pepicek. »Er war das jüngste Opfer, das Auschwitz am 27. Januar 1945 lebend verließ. Seine Mutter, sein Vater, seine ältere Schwester und seine Zwillingsschwester wurden ermordet. Er war acht Monate lang dort gewesen. Die Nazis hatten eine Nummer auf seinen Arm tätowiert: A2459. Als sich die Lagertore öffneten, wusste er nicht, wohin. Er war vier Jahre und acht Monate alt. Stellen Sie es sich vor: ein kleines Kind im Kindergartenalter.«

identität Der Präsident erzählte weiter: »Pepicek legte sich in den Schnee und schlief ein, denn er wusste nicht, wohin er gehen sollte. Ein Jude fand ihn und adoptierte ihn. Später fand Pepicek seine wahre Identität heraus: Peter Josef Grünfeld Kleinmann. Er heiratete, hatte Kinder und Enkel und machte Alija nach Israel. Und er wurde ein Zeuge. Sein ganzes Leben widmete er dem Gedenken an den Holocaust. Das war seine Rache und seine Vision. Im vergangenen Monat ist Pepicek, der kleine Junge aus Auschwitz-Birkenau, gestorben. Seine Zeitzeugenberichte hatte er stets mit den Worten beendet: ›Ich habe Alija nach Israel gemacht, und von hier werde ich nie wieder weggehen.‹«

Und so sagte auch Rivlin am Sonntagabend in Jerusalem: »Wir sind in unser Land zurückgekommen. Und von hier werden wir nie wieder weggehen.«

Israel

Außenminister Sa’ar weist Kabinettskollegen Ben-Gvir zurecht

Der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir hat ein Video in den sozialen Medien gepostet, das die Demütigung von Gaza-Aktivisten zeigt. Das sorgt nun für Protest

 20.05.2026 Aktualisiert

Nachrichten

Koexistenz, Botschaft, Todesstrafe

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  20.05.2026

Israel

Negev-Wüste erhält internationalen Status als Weinregion

Das Gebiet trägt nun die geschützte geografische Wein-Herkunftsbezeichnung »Negev«. Der Weg zu dieser Anerkennung dauerte Jahre

 20.05.2026

Luftfahrt

Fluggesellschaften meiden Israel weiterhin

Welche Airlines wollen den Flughafen Ben Gurion wann wieder anfliegen? Ein Überblick

 20.05.2026

Gaza

Hamas ruft zu Entführungen israelischer Soldaten auf

Als Rechtfertigung für den Aufruf dient der Hamas-Führung ein neues Gesetz der Knesset, das die Todesstrafe für verurteilte Terroristen vorsieht, die Israelis ermordet haben

 20.05.2026

Jerusalem

Israel stellt sich auf neue Angriffe gegen den Iran ein

Eine lange Sitzung des Sicherheitskabinetts und kurzfristige Terminabsagen hochrangiger Politiker könnten Hinweise sein, dass eine Wiederaufnahme der Angriffe bevorsteht

 20.05.2026

Tel Aviv

Israel stoppt Gaza-Flottille: Mehr als 400 Aktivisten festgesetzt

Mehr als 50 Boote mit insgesamt 428 Aktivisten aus über 40 Ländern werden nach Aschdod gebracht

 20.05.2026

Nachruf

Holocaust-Überlebender und Journalistenlegende: Raul Teitelbaum gestorben

»Ich war der ranghöchste Kommunist in der israelischen Armee«, sagte der Verstorbene einst

 20.05.2026

Jerusalem

Abstimmung über Auflösung der Knesset geplant

Sollte eine Parlamentsauflösung beschlossen werden, müssten innerhalb von fünf Monaten Wahlen stattfinden

 20.05.2026