Verhandlungen

Eltern der letzten Geisel fordern Ultimatum an Hamas

Angehörige, Freunde und Unterstützer der letzten Geisel Ran Gvili auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv Foto: Flash 90

Sie sind verzweifelt. Während die Gespräche zum Übergang der Waffenruhe im Gazastreifen in die zweite Phase an Fahrt gewinnen, sorgen sich die Eltern der letzten Geisel in Gaza. Für die Familie des toten Polizisten Ran Gvili fühlt es sich ohne seine Rückkehr nicht wie Fortschritt, sondern wie ein Verlassenwerden an. Sie haben Angst, dass ihr Sohn »in Gaza zurückbleiben wird«.

»Es darf nicht länger hinausgezögert werden«, sagte Ziv Tzioni, Gvilis Onkel, am Sonntag in einem Interview mit der israelischen Nachrichtenseite Ynet. Angesichts der zunehmenden diplomatischen Bemühungen fordere die Familie von Premierminister Benjamin Netanjahu ein klares Ultimatum an die Hamas: »Die sterblichen Überreste des 24-Jährigen müssen innerhalb weniger Tage zurückgeführt werden, andernfalls würden die Gespräche nicht fortgesetzt.«

Sehr belastend für die Familie von Ran Gvili

»Es ist ein sehr schwieriges, schmerzhaftes und beunruhigendes Gefühl«, sagte Tzioni. »Das alles ist sehr belastend für uns. Die Rahmenbedingungen werden zwar geschaffen, aber der eigentliche Prozess hat noch nicht begonnen. Steve Witkoff sagte, die Rückkehr von Rani sei die Voraussetzung für den Übergang in Phase zwei. Das beruhigt uns etwas – aber es ist nur eine erste Bedingung. Ich hoffe sehr, dass sie sich daran halten.«

Laut der Familie besteht die Befürchtung, dass die Rückführung der letzten Geisel weiter in den Hintergrund rücken wird, sobald die Vorbereitungen konkreter werden. »Wenn wir jetzt weitermachen, verschieben wir Ranis Heimkehr noch mehr«, warnte sein Onkel. »Die Hamas soll abrüsten, um Fortschritte zu erzielen, und dazu ist sie nicht bereit. Das ist eine Bewährungsprobe.«

Talik Gvili, die Mutter von Ran, kehrte kürzlich von einer Reise in die USA zurück, wo sie sich mit Beamten und Vertretern der an den Verhandlungen beteiligten Organisationen traf. »Sie kam ermutigt zurück«, so Tzioni. »Sie war zuversichtlicher, denn die Situation sah besser aus, als es den Anschein hatte.« Dennoch betont die Familie, dass Ermutigung allein nicht ausreiche.

Onkel von Ran Gvili: »Die Hamas weiß genau, wo er ist, und hält ihn als Druckmittel fest.«

Sie fordern Netanjahu und das Kabinett auf, eine Frist zu setzen. »Genau das fordern wir«, sagte Tzioni. »Ein Ultimatum von vier bis sieben Tagen, um Rani zurückzubringen. Die Hamas weiß genau, wo er ist, und hält ihn als Druckmittel fest.« Mehr als 830 Tage sind mittlerweile seit seiner Entführung am 7. Oktober 2023 vergangen.

Auf die Frage nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, einen »Gaza-Exekutivrat« mit Vertretern aus der Türkei und Katar vorzuschlagen, äußerte Tzioni tiefe Bedenken, räumte aber Israels begrenzten Einfluss ein. »Letztendlich wird Frieden mit Feinden geschlossen«, sagte er. »Aus unserer Sicht heißt es: ›Bringt Rani einfach zurück.‹«

Unterdessen sendet die Hamas widersprüchliche Signale bezüglich der Suche nach Gvilis Leiche. Der Hamas-Funktionär Taher al-Nunu erklärte, die Organisation sei entschlossen, die letzte Leiche zu übergeben und arbeite daran, die Hindernisse zu überwinden. Andere palästinensische Quellen berichten jedoch, die Suche vor Ort sei vor etwa einer Woche eingestellt und nicht wieder aufgenommen worden.

Bittere Ironie, »dass Rani als Letzter zurückblieb«

Die Angst der Familie wurde am vergangenen Wochenende in Tel Aviv öffentlich zum Ausdruck gebracht. Angesichts von Berichten, dass Phase zwei auch ohne Gvilis Rückkehr fortgesetzt werden könnte, versammelten sich Menschen auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv zu einer Kabbalat-Schabbat-Mahnwache. Zu ihnen gesellten sich Familienangehörige anderer Geiseln, Bewohner von Gemeinden nahe Gaza, Unterstützer, Vertreter der Kibbuzbewegung sowie die ehemalige Geisel Agam Berger und ihre Familie.

Rans Vater, Itzik Gvili, sprach zu der Menge und sinnierte über die bittere Ironie, dass sein Sohn als Letzter zurückgeblieben war. »Es ist kein Zufall, dass Rani der Letzte ist«, sagte er. »Vor fast zwei Jahren, als wir hörten, dass er als Geisel genommen worden war, scherzten wir noch und sagten, er würde ihnen sagen, sie sollen erst alle anderen freilassen. Und am Ende ist es tatsächlich so gekommen.«

»Aber«, fügte er hinzu, es sei kein Zufall gewesen. »Rani lag es immer am Herzen, Menschen zusammenzubringen, Freunde und Schwächere gleichermaßen. Beim Militär, in der Schule, bei der Polizei, er war wie ein Magnet.«

Während der Mahnwache spielte Agam Berger das Lied »Habaita« auf der Geige. Anschließend sprach sie leise zu den Anwesenden. »Ich bin hier, um mein Versprechen zu halten, Ran nach Hause zu bringen – nach Hause, in sein Land, zu seiner Familie«, sagte sie. »Ein Jahr ist seit meiner Heimkehr vergangen, aber wir werden erst dann wirklich zu Hause sein, wenn Ran zurückkehrt.«

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 10.09.2026

Skandal

Hasswelle gegen Ex-Soldaten bringt Adidas in Bedrängnis

Shalev Biton wurde wegen seiner Teilnahme an einer Adidas-Kampagne zur Zielscheibe israelfeindlicher Aktivisten. Nun entschuldigt sich der Sportartikelhersteller

von Sabine Brandes  10.09.2026

Syrien

Grossi: Von Israel zerstörter Reaktor hätte atomwaffenfähiges Material produzieren können

2007 zerstörte Israel den Atomreaktor Deir ez-Zor. 19 Jahre später bestätigt Atom-Aufseher Rafael Grossi, dass die Anlage atomwaffenfähiges Material hätte produzieren können

 10.09.2026

Jerusalem

Israels Nationalbibliothek errichtet Abteilung für Terrorgedenken

Der Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 gilt als traumatisches Ereignis in der israelischen Gesellschaft. Mit einer umfassenden Materialiensammlung will die Nationalbibliothek es im kulturellen Gedächtnis verankern

von Burkhard Jürgens  10.09.2026

Diplomatie

Herzog wirbt für Dreiertreffen mit Zypern und Libanon

Derzeit gibt es zwar Gespräche zwischen Vertretern Israels und dem Libanon - aber auf Botschafterebene. Ein Traum von Israels Präsident Herzog geht weiter

 10.09.2026

Taglit

Emotionales Bootcamp mit Lior Raz

Israels Superstar kam kurz vor dem Start der fünften »Fauda«-Staffel nach Berlin, um sich für »Birthright« starkzumachen. Und für einen optimistischeren jüdischen Staat

von Sophie Albers Ben Chamo  10.09.2026

Westjordanland

Das System der Gewalt

Wie extremistische Siedler und politische Kräfte das Gebiet destabilisieren – und warum Ex-General Gadi Shamni vor einer Eskalation warnt

von Sabine Brandes  10.09.2026

Meinung

Wahlkampf in Israel: Schluss mit der Schlammschlacht!

Niemand erwartet, dass Politiker einander mit Samthandschuhen anfassen. Aber eine Wahl in einer Demokratie ist keine Realityshow voller Gekreische

von Sabine Brandes  10.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  10.09.2026