Gaza

Einigung auf Feuerpause auf der Kippe

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Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verlangt vor weiteren Verhandlungen über eine Feuerpause und die Freilassung weiterer Geiseln ein Einlenken der Hamas. Erst müsse die palästinensische Terrororganisation wie gefordert eine Liste mit den Namen der noch lebenden Geiseln in ihrer Gewalt vorlegen, sagte der Regierungschef am Sonntagabend in einer Ansprache in Tel Aviv.

Am selben Tag waren Delegationen der Hamas und der Vermittlerstaaten USA und Katar in Kairo zu einer weiteren Gesprächsrunde eingetroffen. Israel dagegen hat vorerst keine Delegation entsandt. Dass derweil Benny Gantz, Minister in Israels Kriegskabinett, ohne Netanjahus Zustimmung zu Gesprächen nach Washington reiste, sorgte laut israelischen Medien intern für scharfe Kritik.

Gantz drängt auf ein Abkommen und hat erklärt, die Freilassung der Geiseln sei dringlicher und wichtiger als die von Netanjahu zum Ziel erklärte Zerschlagung der Hamas.

Wahnhafte Forderungen

Es sei zu früh zu sagen, ob es in den nächsten Tagen ein Konzept für einen Deal geben werde, sagte Netanjahu. »Wir unternehmen große Anstrengungen, um erfolgreich zu sein, aber eines ist Ihnen klar - wir werden vor den wahnhaften Forderungen der Hamas nicht kapitulieren«, bekräftigte der auch innenpolitisch unter Druck stehende Regierungschef.

Er will zunächst auch wissen, ob die Hamas der im letzten Vorschlag der Vermittler genannten Zahl an palästinensischen Häftlingen zustimmt, die im Austausch gegen Geiseln freizulassen wären. Er habe noch keine Antwort auf seine Fragen bekommen, sagte Netanjahu und wies »den internationalen Druck zurück, den Krieg zu beenden«, bevor Israel alle seine Ziele erreicht habe.

In Medienberichten hatte es zuletzt geheißen, 40 Geiseln könnten gegen 400 Palästinenser in israelischen Gefängnissen ausgetauscht werden.

Unruhen zum Ramadan

Örtlichen Medienberichten zufolge gibt es in israelischen Kreisen Zweifel, ob ein Abkommen über eine Geisel-Freilassung und eine Feuerpause noch vor dem für Muslime heiligen Fastenmonat Ramadan, der um den 10. März beginnt, zustande kommt. Der Anführer der Hamas im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, versuche absichtlich, die Verhandlungen zu sabotieren, um während des Ramadan Unruhen im gesamten Nahen Osten zu provozieren, zitierte die israelische Nachrichtenseite »Ynet« einen ranghohen israelischen Beamten am Sonntagabend.

»Sinwar zieht es vor, die Spannungen im Nahen Osten zu verschärfen und während des Ramadans Blutvergießen und Chaos im Gazastreifen zu verursachen, anstatt die Alternative einer sechswöchigen Waffenruhe und humanitärer Hilfe zu wählen, die das Leiden der lokalen Bevölkerung im Gazastreifen erheblich lindern würde«, sagte der Beamte.

Israels Verteidigungsminister Joav Galant hatte erst kürzlich gesagt, die Hamas wolle den Krieg vom Gazastreifen ins Westjordanland tragen. »Das Ziel der Hamas ist es, Judäa und Samaria anzuzünden, und wenn möglich auch noch den Tempelberg«.

Vorübergehende Feuerpause

Laut Nachrichtenportal »Axios« vom Sonntag drängt US-Präsident Joe Biden Ägypten und Katar dazu, die Hamas noch vor dem Ramadan zu einer vorübergehenden Feuerpause zu bewegen. Die drei Vermittlerstaaten seien sich einig, dass ein Zustandekommen einer Einigung derzeit an der Hamas hänge.

Die Hamas fordert einen umfassenden Waffenstillstand, obwohl sie es war, die alle Waffenruhen mit Israel brach. Zuletzt passierte dies im November, nachdem 105 Geiseln gegen mehr als doppelt so viele palästinensische Häftlinge ausgetauscht worden waren. Am 7. Oktober brachen die Terroristen mit ihren Massakern in Israel ebenfalls eine Waffenruhe.

Der nun diskutierte Vermittlervorschlag sieht nach US-Angaben lediglich eine sechswöchige Feuerpause vor. Ein namentlich nicht genannter israelischer Beamter wurde von »Axios« mit den Worten zitiert, er schätze die Chancen für eine Einigung auf 50 zu 50.

Gantz trifft Harris

Unterdessen traf das Mitglied im israelischen Kriegskabinett, Benny Gantz, am Sonntag in Washington ein, wo er an diesem Montag US-Vizepräsidentin Kamala Harris und den nationalen Sicherheitsberater Jake Sullivan treffen will. Gantz hatte im Januar gesagt: »Die dringendste Angelegenheit ist die Rückführung der Geiseln, sie ist wichtiger als alle Elemente des Kampfes.«

Am Dienstag will der israelische Politiker laut Medienberichten mit US-Außenminister Antony Blinken zusammentreffen. Am selben Tag wird »Axios« zufolge auch Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani in Washington erwartet.

US-Vizepräsidentin Harris bezeichnete die Bedingungen für die Menschen in dem seit nunmehr rund fünf Monaten umkämpften Gazastreifen als unmenschlich und sprach von einer humanitären Katastrophe. »Unser Herz bricht (…) für all die unschuldigen Menschen in Gaza, die unter dem leiden, was eindeutig eine humanitäre Katastrophe ist«, sagte Harris am Sonntag in Selma im US-Bundesstaat Alabama.

Prominenter Terrorist getötet

»Die Menschen in Gaza hungern, die Bedingungen sind unmenschlich.« Harris forderte Israels Regierung auf, deutlich mehr Hilfe in das abgeriegelte Küstengebiet zu lassen und neue Grenzübergänge zu öffnen.

Derweil liegt die Verantwortung für das Leid in Gaza bei der Hamas-Terrorführung, die ihre eigene Bevölkerung in diese Lage brachte. Israels Absicht ist es, Die Hamas zu zerschlagen, um seine Bevölkerung zu schützen. Auch die mehr als 100 weiterhin von der Terrorgruppe gehaltenen Geiseln sollen befreit werden. Die israelischen Streitkräfte versuchen, Opfer unter Zivilisten in Gaza so gut es geht zu vermeiden, auch indem sie die Menschen vor Angriffen gegen den Terror warnen und Evakuierungen planen.

Derweil setzt das israelische Militär den Kampf gegen die Hamas fort und tötete nach eigenen Angaben nun ein für die Rekrutierung von Terroristen zuständiges prominentes Mitglied der Islamisten. Wie die Armee am Sonntagabend bekannt gab, sei Mahmoud Muhammad Abd Khad auch an der Beschaffung von Geldern für den Terrorismus und zur Unterstützung der militärischen Aktivitäten der Hamas beteiligt gewesen.

Schlag gegen Hisbollah

Zuvor hatte die Armee mitgeteilt, dass im nördlichen Gaza »mehr als 100 Terroristen« getötet worden seien. Zudem seien 35 Einrichtungen der Hamas und des Islamischen Dschihad, darunter Waffenlager und Produktionsanlagen, zerstört worden. »Dutzende Terroristen« seien festgenommen worden.

Unterdessen griff das israelische Militär im Süden Libanons erneut Stellungen der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz an. Kampfflugzeuge hätten eine Militäranlage der wie die Hamas aus Teheran finanzierte Terrorgruppe in der Gegend von Aita asch-Schab und terroristische Infrastruktur in der Gegend des libanesischen Grenzortes Kfarkela getroffen, teilte die Armee am Sonntagabend mit.

Im Laufe des Tages habe es eine Reihe von Raketenabschüssen aus dem Libanon in Richtung Nordisrael gegeben. Israels Verteidigungsminister Galant kündigte kürzlich an, den militärischen Druck auf die Terrororganisation Hisbollah zu erhöhen, bis sie sich von der Grenze zu Israel zurückgezogen habe. dpa/ja

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