Rüstung

Ein Iron Dome »Made in Germany«?

Abschuss einer Iron-Dome-Rakete in Israel Foto: copyright (c) Flash90 2022

»Ohne unsere Luftabwehr, vor allem ohne den Iron Dome, hätten wir heute in Tel Aviv, in Haifa, in Jerusalem einen gewaltigen Blutzoll zu betrauern«, erklärt Yuval Steinitz im Gespräch mit der »Bild«-Zeitung. »Unsere Wirtschaft wäre zusammengebrochen«, so der Vorsitzende von Rafael Advanced Defense Systems weiter. Sein Unternehmen produziert den Iron Dome, jenes Abwehrsystem, das seit Jahren großen Anteil daran hat, dass feindliche Raketen in Israel wie auch im aktuellen Krieg mit dem Iran und der Hisbollah nur vergleichsweise geringen Schaden anrichten konnten.

Von diesem Know-how könne auch Deutschland profitieren, das sich seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 schlagartig mit neuen Herausforderungen für seine Sicherheit konfrontiert sieht. »Wenn Iran und andere Länder den europäischen Kontinent so leicht bedrohen und einschüchtern können, und Europa steht ohne jede Verteidigung da – dann wird Europa erpressbar«, warnt Steinitz. Ein System wie der Iron Dome könne da guten Schutz leisten.

Für eine Großstadt wie Berlin würde »nur ein Iron-Dome-Kontrollzentrum und zehn oder 20 Abschuss-Batterien« reichen, um die deutsche Hauptstadt »effektiv« zu verteidigen, und zwar »nicht nur gegen ein paar anfliegende Raketen oder Drohnen, sondern gegen Tausende Raketen … zur gleichen Zeit.«

Steinitz machte zudem den Vorschlag, den Iron Dome nicht einfach nur zu liefern, sondern in Deutschland auch herzustellen. »Wir wären glücklich, wenn wir mehr Technik, mehr Know-how nach Deutschland exportieren könnten und damit auch Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen.«

Rafael produziert über Tochterunternehmen Raketen für Bundeswehr

Neuland wäre das keinesfalls für Rafael. Seit vielen Jahren besitzen die Israelis bereits das Rüstungsunternehmen Dynamit Nobel Defence GmbH mit Sitz im nordrhein-westfälischen Burbach. Dieses produziert auch für die Bundeswehr Panzerabwehrraketen. Und Luftabwehrsysteme aus Israel wären ebenfalls kein Novum in Deutschland, schließlich erwarb man bereits das Abwehrsystem Arrow, ein erstes von drei Arrow-Systemen steht seit Dezember 2025 in Holzdorf an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Iron Dome kam erstmals 2014 zum Einsatz

Der Iron Dome ist ein zentraler Baustein von Israels mehrstufigem Schutzschild. Es ist quasi das unterste Level, zuständig für die Abwehr von Kurz- und manchen Mittelstreckenraketen. Unter dem Eindruck der schweren Hisbollah-Angriffe auf den Norden des Landes im Libanonkrieg von 2006 vom damaligen Verteidigungsminister Amir Peretz in Auftrag gegeben, kam der Iron Dome erstmals im Konflikt mit der Hamas im Jahr 2014 zum Einsatz. Mit einer Trefferquote von über 90 Prozent überzeugte es sofort.

Lesen Sie auch

Seither wurde es ständig weiterentwickelt und hat bereits Tausende feindlicher Raketen erfolgreich vom Himmel geholt, auch jetzt bei den Angriffen des Iran und der Hisbollah. Israel verfügt über ein hochgradig synchronisiertes Luftverteidigungssystem. David’s Sling, ein gemeinsam mit den USA entwickelten System, fängt Raketen mit größerer Reichweite sowie Marschflugkörpern ab, während das Arrow System als oberste Ebene zur Bekämpfung von ballistischen Raketen sogar außerhalb der Atmosphäre dient.

Nahost

Friedensgespräche im Raketenhagel

Während die Regierungen von Israel und dem Libanon verhandeln wollen, fliegen weiter Hisbollah-Geschosse auf den Norden

von Sabine Brandes  12.04.2026

Kommentar

Empathie für alle?

Dunja Hayali hat zu mehr Mitgefühl mit Betroffenen von Kriegen aufgerufen. Zurecht. Was in den deutschen Medien jedoch kaum vorkommt: das Leid der Israelis, die unter dem ständigen Beschuss der Hisbollah stehen

von Jenny Havemann  10.04.2026

Jerusalem

Israeli soll für Iran Anschlag auf Naftali Bennett geplant haben

Ein 22-jähriger Israeli soll für den iranischen Geheimdienst einen Anschlag auf Ex-Premier Naftali Bennett geplant und Sprengstoff hergestellt haben. Die Polizei ermittelt gegen mehrere Verdächtige

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Iran-Krieg

Israel vermeldet insgesamt 31 Kriegstote und 7500 Verletzte

Nach der Waffenruhe zieht Israel eine erste Bilanz des Krieges mit dem Iran – die IDF spricht von einer erfolgreichen Kampagne

 10.04.2026

Iran-Krieg

Hält die Waffenruhe?

In Pakistan wollen die USA und der Iran ab heute über eine dauerhafte Friedenslösung beraten. Doch vorab gibt es bereits Streit über wichtige Punkte

 10.04.2026 Aktualisiert

Iran-Krieg

Europa darf Israel nicht im Stich lassen

Während die USA und Israel der Bedrohung durch das Mullah-Regime militärisch begegneten, standen die Europäer an der Seitenlinie und übten Kritik. Die nun herrschende Feuerpause gibt ihnen Gelegenheit, ihre Haltung zu überdenken

von Rafael Seligmann  10.04.2026

Modschtaba Chamenei

Wo ist der neue Ayatollah?

Der »Oberste Führer« des Iran ist seit seiner Wahl nicht öffentlich aufgetreten. Ist er noch am Leben?

von Sabine Brandes  07.04.2026

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert