Abraham-Abkommen

»Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten«

Israels neuer Außenminister Yair Lapid Foto: Flash 90

Er hat zwei Galabiyas im Gepäck, das luftige Gewand, das Männer in der Golfregion tragen. »Auch bei uns ist es heiß, da sind die gerade richtig«, meint Oron Zachar und schmunzelt. Nach einem fünftägigen Aufenthalt zur Messe »Arab Health 2021« ist er aus Dubai nach Tel Aviv zurückgekehrt, seine Heimatstadt. Noch vor wenigen Monaten wäre eine derartige Reise für einen jüdischen Israeli nicht denkbar gewesen.

FREUND Doch der Nahe Osten organisiert sich neu. Einige arabische Nationen und Israel sind jetzt Freund statt Feind. Zachar, der Geschäftsführer einer Start-up-Firma für medizinische Geräte, hat das persönlich erlebt. »Die Interaktionen reichten von professionell bis freundschaftlich.« Angst habe er nirgendwo verspürt. Weder auf der Messe noch im Hotel oder bei einem Bummel über den Altstadt-Basar. »Ich habe mit Emiratis, Libanesen, Jemeniten und Pakistanis geplaudert. So als sei es schon immer unsere Realität gewesen.«

Am Dienstag wird der neue Außenminister Yair Lapid von der Zentrumspartei Jesch Atid zu einer offiziellen Visite in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) reisen. Es wird der erste Besuch eines israelischen Ministers in der Golfregion sein, nachdem die »Abraham-Abkommen« am 15. September 2020 zwischen Israel und VAE sowie Bahrain unterzeichnet wurden. Zuvor hatten die Nationen Israel nicht offiziell anerkannt, Inhabern israelischer Pässe war die Einreise verboten.

»Die Früchte daraus werden vom gesamten Nahen Osten geerntet.«

Außenminister Yair Lapid

Lapid ist von seinem Amtskollegen, dem emiratischen Außenminister Abdullah bin Zayed, eingeladen. Bei dem zweitägigen historischen Besuch wird er die Botschaft seines Landes in der Hauptstadt Abu Dhabi und ein Konsulat in Dubai eröffnen. »Die Verbindung zwischen unseren Nationen ist eine bedeutende. Die Früchte daraus werden nicht nur von den Bürgern der beiden Länder geerntet, sondern vom gesamten Nahen Osten«, betonte Lapid.

NORMALISIERUNG Nach der Unterzeichnung hatten die drei Nationen versichert, sie wollen einen »warmen Frieden« schaffen. Marokko und der Sudan folgten und beschlossen ebenfalls eine Normalisierung der Beziehung zu Israel.

In den vergangenen Monaten explodierten Wirtschafts- und Wissenschaftskooperationen zwischen Israel und VAE förmlich. Ein Beispiel ist die Flugverbindung zwischen Tel Aviv und Dubai. »Die wird zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beitragen«, so Geschäftsführer Ghaith Al Ghaith. »Wir schaffen dadurch weitere Möglichkeiten für gemeinsame Interessen und Werte.«

»Wir leben alle im Nahen Osten, da ist es doch sinnvoll, gemeinsam daran zu arbeiten, dass unsere Region eine bessere wird.«

Unternehmer Oron Zachar

Die nächsten Kriege werden um Wasser geführt, heißt es immer wieder. Doch hier wird der Frieden dadurch besiegelt. Israel und VAE bauen ein gemeinsames Wasser-Forschungsinstitut in Abu Dhabi auf. Die Einrichtung arbeitet mit dem Moshe-Mirilashvili-Institut für angewandte Wasserstudien der Universität Tel Aviv zusammen. Sie ist Teil einer Kooperation zwischen dem israelischen Unternehmen Watergen und der emiratischen Firma Baynunah.

»Die Tel Aviv Universität setzt sich für herausragende Forschung und internationale Kooperation ein«, betonte die stellvertretende Direktorin, Milette Shamir. »Das Institut wird Wege eröffnen, mit den Emiraten weiter zu kooperieren, etwa beim Austausch von Fakultätsmitgliedern und Studenten.«

IRAN Zachar ist begeistert über die neuen Beziehungen. »Wir leben alle im Nahen Osten, da ist es doch sinnvoll, gemeinsam daran zu arbeiten, dass unsere Region eine bessere wird.« Sogar iranische Firmenvertreter hätten am Messestand seines Unternehmens vorbeigeschaut, erzählt er. »Dann sagten die freundlichen Leute aus Teheran etwas niedergeschlagen: Produkte made in Israel können wir bei uns leider nicht verkaufen.‘«

Doch der Unternehmer ist sicher: »Auch das wird sich in der Zukunft verändern. Kooperation und Fortschritt zwischen den Ländern in Nahost sind nicht mehr aufzuhalten«.

Umfrage

Netanjahus Lager liegt knapp vorn

Mit wie vielen Sitzen könnten der Likud und die ihn unterstützenden Parteien rechnen, wenn die Wahl heute stattfände?

 17.09.2026

Berlin

Berliner Linke nennen Hamas-Massaker »Widerstand«

In einer Sitzung wurde die Forderung nach einer »vollen politischen und materiellen Unterstützung des palästinensischen Widerstands in all seinen Formen« erhoben. Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs

 17.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  16.09.2026

Diplomatie

Vance: US-Nahostpolitik darf nicht Israel untergeordnet sein

Der US-Vizepräsident betont strategische Partnerschaft mit Israel, pocht aber auf eine Außenpolitik, die sich an den Interessen der USA orientiert

von Sabine Brandes  16.09.2026

Tel Aviv

Israelischer Diplomat glaubt an neuen Beitritt zu Abraham-Abkommen

Israels Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten erklärt, dass in den nächsten vier bis sechs Monaten ein weiteres Land seine Beziehungen zu Israel normalisieren könnte

 16.09.2026

Gaza

Israel tötet mehrere hochrangige Hamas-Kommandeure

Israel geht gegen ranghohe Terroristen vor, darunter auch ein Mitglied des Islamischen Dschihad, das an den Massakern vom 7. Oktober beteiligt war

 16.09.2026

Sicherheit

Warnung ignoriert?

Vor dem 7. Oktober soll Mohammed bin Zayed, der Emir von Abu Dhabi, Netanjahu informiert haben

von Sabine Brandes  15.09.2026

Israel

Wie Quentin Tarantino Israelis den Kinobesuch vermiest

Berichte über Quentin Tarantinos Kinobesuche gehen in Israel viral. Eine Frau hätte ihn beinahe angebrüllt

von Sophie Albers Ben Chamo  15.09.2026

Tel Aviv

IDF-Chef prüft rechtliche Schritte gegen Film »Naza«

Generalstabschef Eyal Zamir bezeichnet bisher bekannt gewordene Teile der Doku als »Ritualmordlegenden, bewusste Verzerrungen der Realität und falsche Anschuldigungen gegen IDF-Soldaten«

 15.09.2026