Politik

Blau-Weiß soll Regierung bilden

Benny Gantz von Blau-Weiß will den jetzigen Premier Benjamin Netanjahu ersetzen. Foto: Flash 90

Benny Gantz von Blau-Weiß ist mit der Regierungsbildung in Israel beauftragt. Präsident Reuven Rivlin übertrug ihm am Sonntagabend das Mandat. Zuvor hatte die Mehrzahl der 120 Abgeordneten den Vorsitzenden der Zentrumsunion als zukünftigen Premierminister vorgeschlagen.

Sowohl Gantz‘ Verbündete, das Linksbündnis Emet aus Arbeitspartei und Meretz, als auch Avigdor Liebermans Israel Beiteinu und die komplette Vereinte Arabische Liste unterstützen den Vorsitzenden von Blau-Weiß.

Bündnis Orly Levy-Abekasis von Gescher verweigerte ihm ihre Stimme, obwohl sie es mit einem Mandat lediglich im Bündnis mit Emet über die parlamentarische Hürde geschafft hatte. Dennoch vereint Gantz 61 Abgeordnete auf sich, eine knappe Mehrheit in der Knesset.

Es wäre nicht das erste Mal, dass in Israel eine Regierung ohne Mehrheit an der Macht ist.

Damit wird der in den kommenden Tagen wahrscheinlich damit beginnen, eine Minderheitenregierung mit Unterstützung der arabischen Partei von außen zu bilden. Es wäre nicht das erste Mal, dass in Israel eine Regierung ohne Mehrheit an der Macht ist.

Yitzhak Rabins zweite Regierung bestand mehr als zwei Jahre lang mit lediglich 56 Abgeordneten. Entsprechend des Grundgesetzes ist das erlaubt, denn es besagt, dass »eine Regierung mehr Unterstützer als Opponenten haben muss«, aber nicht, dass sie über 61 Sitze verfügen muss.

Sicherheitsanliegen Jedoch wird eine derartige Regierung mit Unterstützung der arabischen Parteien von Kritikern als problematisch angesehen, vor allem in Sicherheitsanliegen. Lieberman hatte arabische Parlamentarier mehrfach als »Terrorunterstützer« bezeichnet.

Am Sonntagnachmittag hatte Rivlin Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Gantz zu einer Dringlichkeitsbesprechung geladen, um die Möglichkeit einer Einheitsregierung zu diskutieren.

Auch Netanjahu hatte Gantz eine große Koalition nahegelegt, um die Gesundheitskrise durch das Coronavirus besser in den Griff zu bekommen. Netanjahu hatte dabei als Erster auf dem Sessel des Premiers Platz nehmen wollen. Die sogenannte Notfall-Regierung hätte für sechs Monate bestehen sollen oder gleich für vier Jahre, mit einer Rotation des Regierungschefs nach zwei Jahren.

Gerichtssystem Doch Blau-Weiß lehnte das Angebot ab, da Netanjahu dadurch ihrer Meinung nach lediglich auf eine vierte Wahl zusteuern wolle. »Jemand, der die Einheit will, verschiebt nicht den Prozess um ein Uhr nachts«, twitterten Gantz dazu. »Wenn Sie es ernst meinen, können wir reden.«

Damit bezog er sich auf die Entscheidung von Interim-Justizminister Amir Ohana, das Gerichtssystem einzufrieren und den Beginn des Korruptionsprozesses gegen Netanjahu um mehr als zwei Monate zu verschieben. Er soll nun statt am 17. März am 24. Mai anfangen.

Lieberman pflichtete dem bei: »Netanjahu will in sechs oder acht Monaten neue Wahlen auf den Flügeln eines Corona-Sieges herbeiführen. Zusammengefasst ist das Meer dasselbe Meer, die Araber sind dieselben Araber, und Bibi ist derselbe Bibi.«

Blau-Weiß und Israel Beiteinu wollen Knessetsprecher Edelstein ersetzen.

Am Sonntagabend beantragte Blau-Weiß bei dem juristischen Berater der Knesset eine dringende Bewertung, ob der jetzige Knessetsprecher Yuli Edelstein (Likud) die Befugnis hat, eine Debatte zu verhindern, die über seine Ablösung entscheidet. Blau-Weiß und Israel Beiteinu wollen Edelstein ersetzen.

Stillstand Seit Dezember 2018 herrscht in Israel politischer Stillstand durch die Patt-Situation der größten Parteien. Bei der vergangenen Wahl im Februar, der dritten innerhalb eines Jahres, hatte der Likud von Ministerpräsident Netanjahu 36 Mandate geholt, Blau-Weiß 33.

Der rechts-religiöse Block hatte es jedoch lediglich auf 58 Mandate in der Knesset gebracht. Am Montag soll die Knesset eingeschworen werden, wegen des Coronavirus allerdings in kleinen Gruppen. Das Gesundheitsministerium hatte Versammlungen von mehr als zehn Menschen untersagt.

Westjordanland

Zwei israelische Soldaten sterben bei Terroranschlag

Ron Yonatan Roytman (23) und Yuval Shai Svilem (20) erlagen ihren Verletzungen. Drei weitere IDF-Soldaten wurden in dem Feuergefecht verletzt

 23.10.2026

Terroranschlag bei Hebron

Netanjahu kündigt größte Militäraktion im Westjordanland seit 1967 an

»Die gesamte terroristische Infrastruktur wird aufgespürt und zerstört«, erklärt der Ministerpräsident am Anschlagsort im Westjordanland

 23.10.2026 Aktualisiert

Westjordanland

Terroranschlag nahe Hebron: Was bislang bekannt ist

Bei dem Angriff starben zwei israelische Soldaten, drei wurden verletzt. Die Angreifer konnten getötet werden

 23.10.2026 Aktualisiert

Demokratie

Auf der Zielgeraden

Am 27. Oktober werden die Parteien anhand von Buchstaben auf den Wahlzetteln gewählt. Politische Notizen und Personalien

von Sabine Brandes  23.10.2026

Zeitungsinterview

Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«

»Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie«, so der WJC-Präsident. »Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik«

 23.10.2026

Westjordanland

Israel macht Hamas für Anschlag bei Hebron verantwortlich

Drei Menschen wurden bei dem Angriff auf einen Kontrollposten im Westjordanland verletzt, zwei getötet. Die Terroristen sollen der Hamas angehört haben

 23.10.2026 Aktualisiert

Tel Aviv

Angehörige der Opfer des 7. Oktober wollen Wähler an Schicksale erinnern

Zu den Teilnehmern gehört Jochewed Lifschitz, die zusammen mit ihrem Mann Oded nach Gaza verschleppt worden war. Die Hamas ermordete ihn in Geiselhaft

 23.10.2026

Jerusalem

Zehntausende Israelis reisen für die Parlamentswahl aus dem Ausland an

Die Initiative Fly&Vote spielt eine große Rolle. Sie musste sich gegen eine Klage des Likud wehren

 23.10.2026

Westjordanland

Nach Terroranschlag: Israel bereitet Abriegelung des Westjordanlandes vor

An einem IDF-Kontrollpunkt bei Hebron schossen zwei 27-jährige Palästinenser auf Menschen. Bei dem Anschlag wurden mehrere Menschen verletzt. Die beiden Attentäter wurden von Soldaten erschossen

 23.10.2026 Aktualisiert