Gaza

Bitteres Eingeständnis

»Das hätte nicht passieren dürfen«: Herzi Halevi bei seinem Statement Foto: picture alliance / empics

Israel übernimmt Verantwortung und versucht sich in Schadensbegrenzung. Nach der tragischen Tötung von sieben Mitarbeitern der humanitären Organisation »World Central Kitchen« (WCK) am Montag durch die israelische Armee (IDF) im Gazastreifen entschuldigten sich Stabschef Herzi Halevi und Präsident Isaac Herzog am Dienstag öffentlich und sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus.

Zuvor hatte Premierminister Benjamin Netanjahu in einer Videobotschaft erklärt, dass Israel für den tödlichen Angriff verantwortlich sei. Er nannte es einen »tragischen Fall eines unabsichtlichen Treffers unserer Streitkräfte gegen unschuldige Menschen im Gazastreifen«. Man prüfe den Vorfall und werde alles tun, damit er sich nicht wiederhole, aber, so Netanjahu: »So etwas geschieht im Krieg.«

Der Gründer von World Central Kitchen, der mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Chefkoch José Andrés, schrieb in der israelischen Tageszeitung »Yedioth Ahronoth«: »Die Luftangriffe auf unseren Konvoi waren nicht nur ein unglücklicher Fehler im Nebel des Krieges.« Es habe sich um einen direkten Angriff auf deutlich gekennzeichnete Fahrzeuge gehandelt, deren Bewegungen der IDF bekannt gewesen seien. Man habe in Gaza mehr als 43 Millionen Mahlzeiten serviert und warme Speisen in 68 Gemeinschaftsküchen zubereitet, in die Palästinenser kommen, um zu essen. Nach dem Angriff hat die WCK ihre Arbeit in Gaza vorerst eingestellt.

»Israelis wissen, dass Nahrung keine Kriegswaffe ist«

»Wir kennen Israelis. Die Israelis wissen tief in ihrem Herzen, dass Nahrung keine Kriegswaffe ist«, schrieb Andrés weiter. »Israel ist besser als die Art und Weise, wie dieser Krieg geführt wird. Es ist besser, als der Zivilbevölkerung Lebensmittel und Medikamente vorzuenthalten. Es ist besser, als Helfer zu töten, die ihre Bewegungen mit der IDF koordinieren.« Der lange Weg zum Frieden müsse »heute beginnen«.

José Andrés zeigte sich zutiefst betroffen über den Tod seiner Mitarbeiter.

Auf X (früher Twitter) zeigte sich Andrés zutiefst betroffen über den Tod seiner Mitarbeiter. »Das sind Menschen … Engel. Sie sind nicht gesichtslos … Sie sind nicht namenlos.« Die israelische Regierung müsse dieses wahllose Töten stoppen, fügte er hinzu. Andrés hatte WCK, das seinen Sitz in den USA hat, als Reaktion auf das Erdbeben 2010 in Haiti gegründet. Bei den Opfern handelt es sich um: John Chapman (57), James Henderson (33) und James Kirby (47), alle aus Großbritannien, sowie Saifeddin Issam Ayad Abutaha (25) aus den Palästinensischen Gebieten, Lalzawmi (Zomi) Frankcom (43) aus Australien, Damian Soból (35) aus Polen und Jacob Flickinger (33), einen US-kanadischen Doppelstaatsbürger.

Sie saßen in drei Fahrzeugen, zwei gepanzerten SUVs und einem normalen Pkw, als sie sich auf dem Rückweg in Richtung ägyptische Grenze befanden, nachdem sie Hilfsgüter in einem Lagerhaus in der Innenstadt von Deir al-Balah abgeladen hatten, gab WCK an und hob hervor, dass die Mitarbeiter ihre Fahrten zuvor mit der IDF koordiniert hatten. Die als Hilfskonvoi gekennzeichneten Wagen seien von israelischen Drohnen beschossen worden.

US-Präsident Joe Biden sagt, er sei »empört und untröstlich« über den Tod der humanitären Helfer. Er bekräftigte die Forderung der USA, dass Israel eine »gründliche Untersuchung darüber durchführt, warum die Fahrzeuge der Helfer von Luftangriffen getroffen wurden«. Dies müsse schnell erfolgen, und die Ergebnisse müssen veröffentlicht werden. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin rief seinen israelischen Amtskollegen Yoav Gallant an und erklärte, dass diese Tragödie die zum Ausdruck gebrachte Besorgnis über eine mögliche israelische Militäroperation in Rafah bestärkt habe. Er hob die Notwendigkeit hervor, die Evakuierung palästinensischer Zivilisten und den Fluss humanitärer Hilfe sicherzustellen.

Die Sicherheit der humanitären Helfer gewährleisten

Währenddessen berichtete die Zeitung »Haaretz«, eine Quelle im Geheimdienst habe ihr mitgeteilt, »das Südkommando der IDF weiß genau, was die Ursache des Angriffs war: In Gaza tut jeder, was er will«. Während es die Vorschriften der Armee erfordern, dass Angriffe auf sensible Ziele die endgültige Genehmigung der Divisionskommandeure oder ihrer Vorgesetzten erfordern, »macht jeder Kommandant seine eigenen Regeln«, schrieb Haaretz. Es sei nicht klar, ob die Angriffe auf den Konvoi jemals eine endgültige Genehmigung erhalten hätten.

Auch Israels führende nichtstaatliche humanitäre Hilfsgruppe, IsraAid, äußerte sich: »Wir sind schockiert und am Boden zerstört über den Tod von Mitgliedern des World-Central-Kitchen-Teams in Gaza.« IsraAid »fordert alle Parteien auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Sicherheit der humanitären Helfer und der Gemeinschaften, denen sie dienen, zu gewährleisten«.

Der Angriff war nicht der erste gegen Helfer im Gazastreifen seit Ausbruch des Krieges am 7. Oktober 2023. Allerdings scheint es, als könnte dieser Vorfall zu einem größeren Bewusstsein der Bedrohung für die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen führen. Während die Wut in der Welt wuchs, gab Stabschef Halevi in der Nacht zum Mittwoch in einem Video eine persönliche Erklärung ab: »Es hätte nicht passieren dürfen.« Er entschuldigte sich für den tödlichen Angriff und führte aus, dass dieser auf eine »falsche Identifizierung« zurückzuführen sei.

»Dieser Vorfall war ein schwerer Fehler. Es tut uns leid.«

Stabschef Herzi Halevi

Er lobte die Arbeit von WCK ausdrücklich, die fast zwei Millionen Mahlzeiten an evakuierte Bewohner aus dem Süden und Norden Israels geliefert hatte. »Die IDF arbeitet eng mit World Central Kitchen zusammen und schätzt die wichtige Arbeit, die sie leisten, sehr«, so Halevi. Die US-Hilfsorganisation ist zu einem Favoriten der israelischen Armee geworden, besonders nachdem bekannt geworden war, dass Mitarbeiter von UNRWA sich an den Massakern des 7. Oktober beteiligt hatten und Hamas-Mitglieder sind. Die IDF versucht seitdem, die Organisation der Vereinten Nationen aus den humanitären Bemühungen auszuschließen.

Halevi bestätigte, dass die IDF nach dem Vorfall eine neue Kommandozentrale für humanitäre Hilfe einrichte, »um die Art und Weise zu verbessern, wie wir die Verteilung der Hilfsgüter in Gaza koordinieren«. Warum dies erst sechs Monate nach Kriegsbeginn geschehe, ließ er jedoch offen. Außerdem wolle man »weiterhin Sofortmaßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass mehr zum Schutz der humanitären Helfer getan wird«.

»Ein unabhängiges Gremium wird den Vorfall untersuchen und seine Ergebnisse in den kommenden Tagen präsentieren«, sagte Halevi und fügte hinzu, dass die IDF ihre Schlussfolgerungen unverzüglich umsetzen und sie der WCK sowie anderen relevanten internationalen Organisationen mitteilen werde. »Dieser Vorfall war ein schwerer Fehler. Israel befindet sich im Krieg mit der Hamas, nicht mit der Bevölkerung von Gaza. Es tut uns leid, dass den Mitgliedern von WCK unbeabsichtigt Schaden zugefügt wurde.«

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