Caesarea

Aus dem Sand geborgen

Oft sehen Spaziergänger in Caesarea Mosaiksteinchen, den Teil einer Säule oder sogar einer Statue einfach am Strand liegen. Die Stadt an der nördlichen Küste ist so etwas wie ein überdimensionales Freilichtmuseum mit einer jahrtausendealten bewegten Geschichte, die Massen von steinernen Zeugen hinterlassen hat. »Caesarea bringt bis heute jeden Tag neue und faszinierende Entdeckungen zum Vorschein«, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Edmond-de-Rothschild-Stiftung in Israel, Guy Swersky, bei der Eröffnung der Anlage mit den umfassenden Ausgrabungen. Jetzt wird neues Leben in die alten Gemäuer gebracht.

»Der beträchtliche Betrag von 150 Millionen Schekel, der für Restaurierung, Er­halt und den Zugang zur alten Stadt in­vestiert wurde, macht das Projekt zum größten in Israel – und vielleicht sogar in der ganzen Welt«, meint Swersky. Die Promenade, die Mauer- und Wallanlagen sowie der Kreuzrittermarkt sind aufwendig restauriert worden und ab sofort nicht mehr nur tagsüber, sondern auch abends für Besucher zugänglich. Sie laden zum Spaziergang ein, der Geschichtsstunde und Romantik in einem ist.

Goldmünzen Besondere Veranstaltungen im Kontext der Geschichte wie Ritterspiele oder Ausstellungen sind geplant. Und auch dem Markt wird wieder Leben eingehaucht. Demnächst werden Waren wie vor Hunderten von Jahren angeboten, als hier die Kreuzfahrer Handel für Goldmünzen trieben: Öle und Wein, Früchte und handgefertigtes Brot, gebacken wie in alter Zeit, lassen das historische Erlebnis zum kulinarischen Genuss werden. 100 Millionen Schekel (umgerechnet et­wa 24 Millionen Euro) hat die Caesarea-Entwicklungsgesellschaft in das jüngste Projekt zur Rekonstruktion der Mauern, Wallanlagen und Türme sowie des Kreuzrittermarktes gesteckt.

Jetzt wurden die wiederaufgebauten antiken Stätten in einer Zeremonie der Öffentlichkeit vorgestellt. Zur Feier des Tages war sogar die Baronin Ariane de Rothschild, Präsidentin der Edmond-de-Rothschild-Stiftung, angereist. »Die Promenade von Caesarea ist nicht nur Touristenattraktion, sondern auch wichtiges Element des sozialen und wirtschaftlichen Einflusses in Caesarea, Or Akiva, Jisser al-Zarka und den umliegenden Gemeinden, den die Edmond-de-Rothschild-Stiftung hinterlässt«, machte sie deutlich. »In den vergangenen zehn Jahren haben wir mehr als 150 Millionen Schekel in touristische und archäologische Ausgrabungen investiert, die zuvor vom Sand verdeckte Rui­nen waren.«

Kreuzritter Zwölf Monate lang wurden die archäo­logischen Schätze ausgegraben und rekonstruiert, um die neue Tourismusattraktion zu schaffen. Das Projekt der Stiftung durch die Caesarea-Entwicklungs­gesellschaft wurde in Zusammenarbeit mit der Antikenbehörde und der Natur- und Parkbehörde durchgeführt. »Die Anlage ist so gestaltet, dass Besucher die restaurierte Promenade entlangspazieren und die Illustrationen anschauen können. So haben sie einen echten Blick in die glorreiche Vergangenheit dieser Stadt, die Religionen und Kulturen vereinte und verschiedene Herrscher und Eroberer kannte«, erklärte Michael Karsenti, Chef der Caesarea-Entwicklungsgesellschaft, am Abend der Eröffnung.

Doch man soll nicht nur anschauen, sondern richtig nacherleben: Auf der Tour entlang der Befestigungsanlagen – den Mauern, dem Graben und dem Kreuzrittermarkt – können die Besucher in jahrhundertealte Geschichte eintauchen, zurück ins Mittelalter und die Kreuzritterzeit. Man darf rekonstruierte Teile der Mauer anfassen, durch Schießscharten spä­hen und in einen streng geheimen Gang der alten Ritter klettern. Dieser wurde von den Kreuzfahrern genutzt, um aus den Stadtmauern zu gelangen, Nahrung und Munition heranzuschaffen, ohne dass der Schutzwall durchbrochen wurde.

Luxus Die Mauerpromenade beginnt am südlichen Tor der Kreuzritterstadt und führt bis zum Aussichtsturm, von dem aus man einen Überblick über das antike römische Vergnügungsviertel hat: das Theater, das Hippodrom, das Badehaus und den monumentalen Korallenpalast. Im zweiten Stock des Viertels waren im Altertum die Wohnhäuser der Bewohner untergebracht. Die liebten den Luxus: In einigen sind noch die prachtvollen Mosaik­böden und Marmorsäulen zu bestaunen.

Abschließend versprach die Baronin: »Wir machen weiter!« Denn die Rothschild-Familie sei fest entschlossen, als ein zentraler Partner des Staates einen Beitrag zur Entwicklung Israels im Allgemeinen und der Gegend um Caesarea im Besonderen zu leisten. »Wir glauben, dass solche Investitionen Entwicklung, Beschäftigung, Tourismus und Bildung fördern.«
»Mehr als zwei Jahrtausende sind vergangen, seit Herodes die Hafenstadt von Caesarea baute, doch sogar heute blüht sie noch«, verkündete Schaul Goldstein, Leiter der Natur- und Parkbehörde. Jährlich Hunderttausende von Besuchern aus dem In- und Ausland machten sie zu einer der beliebtesten Stätten im ganzen Land. »Und wir haben das große Privileg, gemeinsam mit unseren Partnern mit dem Erhalt und den bedeutenden Ausgrabungen weiterzumachen, um die Schönheit und den Glanz der alten Stadt auf ein Neues hervorzuheben.«

Boykott?

Weitere Firma verweigert Jerusalemer Seilbahn-Projekt

Die israelische Regierung will per Seilbahn einen direkten Zugang zur hochsymbolischen Klagemauer in Jerusalem schaffen. Aber immer mehr ausländische Partner ziehen sich zurück

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Wahlkampf

Netanjahu stellt sich hinter religiöse Wehrdienstverweigerer

Um an der Macht zu bleiben, braucht Israels Ministerpräsident die Unterstützung der ultraorthodoxen Juden. Wenige Tage vor der Wahl übt er den Schulterschluss mit Religiösen, die sich der Wehrpflicht entziehen

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

Linken-Fraktion vorerst ohne Einigung im Streit um Emde

Eine Abgeordnete, die in ihrer Israel-Kritik immer wieder nachlegt, und eine Fraktionsspitze, die ein Problem mit ihr hat: Im Berliner Koalitionspoker bleibt der Streit um Vanessa Emde ungelöst

 20.10.2026

Hamas

Emiratische Blase in Gaza

Israel erlaubt den VAE Infrastrukturarbeiten nahe Rafah. Den Wiederaufbau der Enklave knüpft Netanjahu an die Entwaffnung der Terrororganisation

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Wehrdienst oder Gefängnis: Armee stellt Chabad-Studenten vor die Wahl

Am Ben-Gurion-Flughafen wurden Dutzende Männer aus der Chabad-Lubawitsch-Bewegung festgenommen, als sie aus New York zurückkehrten

 20.10.2026

Tel Aviv

Gloria Gaynor tritt in Israel auf

Nur wenige ausländische Musiker kommen derzeit nach Israel. Die »Queen of Disco« ist eine von ihnen. Was für ein Verhältnis hat sie zum jüdischen Staat?

 20.10.2026

Dubai

»Fly Dubai«-Kapitän schildert Axt-Angriff: »So wollte ich nicht sterben«

»Beim ersten Schlag dachte ich, dass etwas auf meinen Kopf gefallen wäre«, sagt Smit Machchhar drei Wochen nach dem Anfriff

 20.10.2026

Knessetwahl

Gantz zieht die Reißleine

Nach dem Absturz seiner Partei verzichtet der Ex-Generalstabschef auf eine Kandidatur – und wirbt erneut für eine große Einheitsregierung.

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Israels Armee verhängt Urlaubsstopp vor der Wahl

Die Hintergründe

 20.10.2026