Einspruch!

Aufeinander einlassen

Einspruch!

Aufeinander einlassen

Sabine Brandes plädiert nach den Wahlen in Israel für eine Regierung, die das gespaltene Land wieder einen kann

von Sabine Brandes  18.09.2019 13:02 Uhr

Der Riss, der sich durch Israels Gesellschaft zieht, ist breit und tief. So tief, dass er die Werte, auf denen Israel aufgebaut ist, langsam, aber sicher zu zerstören droht. Und er geht mittendurch. Das haben die Wahlen in diesem Jahr nicht einmal, sondern gleich zweimal gezeigt.

Abgrund Die unterschiedlichen Lager teilen die Menschen im Land akkurat in zwei Hälften. Auf der einen Seite die Rechtsgerichteten und Religiösen, auf der anderen die Mitte-Links-Gruppen und Säkularen. Zwischen ihnen verläuft ein Abgrund, gefüllt mit Hassreden, Verunglimpfungen und Totschlagargumenten. Übertritte und Grenzgänger gibt es zwar hier und da, aber diese Ausnahmen bestätigen immer nur die Regel.

Die Messer, die zum Teilen gezückt wurden, sind mit jedem Wahlgang schärfer geworden. Wer am besten wetzte, der schnitt am besten ab. Davon ausgenommen sind dieses Mal lediglich die arabischen Israelis, die sich bei der letzten Abstimmung zumindest vordergründig einigermaßen einig gaben und sogar für mehr Wahlbeteiligung sorgten.

Kampagnen Es ist Zeit, dass die Messer eingepackt werden. Viel zu viel ist durch die feindseligen Kampagnen bereits zerschnitten worden. Unter anderem der früher viel beschworene Zusammenhalt der Israelis, die sich oft nicht nur als ein Volk, ein Land, sondern auch als eine große Familie bezeichneten.

Mag sein, dass es riesige Mengen an Kitt braucht, um den großen Riss zu füllen. Und Zeit, damit er trocknet, stabil ist und Belastungen aushält. Außerdem müsste es ein Klebstoff sein, der äußerst flexibel und beweglich ist. Starre bricht zu schnell.

Eine große Koalition mit Vertretern beider Lager, die sich aufeinander einlassen, aufeinander zugehen und miteinander arbeiten, könnte der richtige Klebstoff sein, den das Land dringend braucht. Der Name »Einheitsregierung« ist dafür wie gemacht. Denn Israel muss in erster Linie wieder eines werden: geeint.

redaktion@juedische-allgemeine.de

Brüssel

900 Millionen Euro Herzenswärme

Knapp eine Milliarde Euro soll für den Wiederaufbau in den Gazastreifen gehen. Dass die Mittel am Ende tatsächlich nur in die zivile Infrastruktur fließen, ist zweifelhaft

von Michael Thaidigsmann  13.07.2026

Essay

Wann endet ein Flüchtlingsstatus?

Der Flüchtlingsstatus ist kein Dauerzustand. Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  13.07.2026

Paris

Isolation Israels ist »historisches moralisches Versagen«

»Es ist ein dunkler Moment für Juden auf der ganzen Welt«, sagt der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy. »Wir müssen stolz, stark und weise sein.«

 13.07.2026

Brüssel

Bundesregierung bremst in EU-Debatte um Israel-Sanktionen

Produkte aus israelischen Siedlungen beschränken? Etliche EU-Staaten sind dafür. In Brüssel bahnt sich allerdings ein juristischer Streit an

 13.07.2026

Jerusalem

Netanjahu: Siedlergewalt geht von »150 jugendlichen Straftätern« aus

Der Ministerpräsident verurteilt Selbstjustiz im Westjordanland, betont aber auch, dass »99 Prozent« der Siedler gesetzestreue Bürger seien

 13.07.2026

Jerusalem

Knesset-Ausschuss billigt Gesetz zur Aussetzung von Einberufung für Haredim

Nach dem Gesetzentwurf würden zehntausende Haredim, die bereits als Wehrdienstverweigerer gelten, bis mindestens Ende November vor einer Festnahme geschützt

 13.07.2026

Gaza

Enthülltes Sinwar-Dokument: Hamas-Chef hielt israelischen Atomschlag für möglich

Der damalige Hamas-Anführer Yahya Sinwar rechnete bereits mehr als ein Jahr vor dem Terrorüberfall vom 7. Oktober 2023 mit einer extremen militärischen Reaktion Israels

 13.07.2026

Brüssel

EU: Außenminister beraten über mögliche Israel-Sanktionen

Bei ihrem letzten regulären Treffen vor der Sommerpause beraten die Außenminister der EU-Staaten über Strafmaßnahmen wegen Israels Siedlungspolitik. Zudem geht es auch um Russland und den Iran

 12.07.2026

Jerusalem

Wahl in Israel am 27. Oktober erwartet

Der Termin für die Wahl der Knesset steht Berichten zufolge fest

 12.07.2026