Geiseldrama

Auf der Suche nach dem rosa Elefanten

Kfir war neun Monate alt, als er entführt wurde.

Ein Bild steht für das ganze Grauen des Geiseldramas: das Poster von Kfir Bibas. Darauf zu sehen ist der israelische Junge mit dem roten Haar, gerade einmal neun Monate alt, ein entzückendes zahnloses Babylächeln im Gesicht, in der Hand einen rosafarbenen Spielzeugelefanten. Kfir wurde mit seinen Eltern Yarden und Shiri und seinem vierjährigen Bruder Ariel von Terroristen aus dem Kibbuz Nir Oz im Süden Israels entführt.

Insgesamt wurden am 7. Oktober 2023 während des Massakers der Hamas 251 Israelis nach Gaza verschleppt. Die beiden kleinen Kleinkinder Kfir und Ariel sind zum traurigen Symbol dafür geworden. Am Samstag gab es eine zweite Runde des derzeitigen Waffenstillstands- und Geiseldeals für ein Ende des Krieges in Gaza und die Befreiung aller entführten Menschen.

Die Familie Bibas drückte ihre Verzweiflung aus, als sie am Freitag erfuhr, dass Shiri und die Kinder wieder nicht auf der Freilassungsliste standen. Am Samstagmittag waren die vier jungen Soldatinnen der israelischen Armee, Daniella Gilboa, Naama Levy, Liri Elbag und Karina Ariev, aus der Geiselhaft freigekommen.

Große Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Bibas-Familie

In einer herzzerreißenden Botschaft schrieben die Angehörigen der Bibas-Familie: »Obwohl wir darauf vorbereitet waren, dass es nicht so sein würde, hofften wir doch, Shiri und die Kinder auf der Liste zu sehen, die eigentlich eine Zivilistenliste hätte sein sollen.« Sie äußerten darüber hinaus Bedenken hinsichtlich der Sicherheit ihrer Liebsten und fragten, warum ihre Verwandten trotz großer Angst um ihr Leben nicht unter jenen waren, die zurückgeführt wurden. »Danke, liebe Unterstützer, dass Sie nicht aufgeben, dass Sie weiterhin beten, hoffen und Antworten verlangen«, richteten sie ihre Worte an die israelische Öffentlichkeit.

Auch die israelische Armee äußerte sich zur Bibas-Familie: Sprecher Daniel Hagari sagte am Samstag: »Die Hamas ist ihrer Verpflichtung nicht nachgekommen, der Freilassung israelischer Zivilistinnen als Geiseln Priorität einzuräumen«, bemerkte er. »Wir bleiben unserer Entschlossenheit treu, [eine weitere Zivilistin] Arbel Yehud sowie Shiri Bibas und ihre beiden kleinen Kinder Kfir und Ariel nach Hause zu bringen, deren Wohlergehen uns äußerste Sorgen bereitet.«

Am 18. Januar ist Kfir zwei Jahre alt geworden – als Geisel im Gazastreifen. Einige Wochen zuvor hatte seine Familie dazu aufgerufen, Puppen zu nähen, die seinem Elefanten ähneln, um an das traurige Schicksal des Babys und seiner Familie zu erinnern. Seitdem ist der rosa Elefant ein Symbol für den Kampf um ihre Befreiung geworden.

»Ich habe so ein Gefühl, dass, wenn wir nur den Elefanten finden, vielleicht auch Kfir gefunden wird. Ein wenig ist es, als würde man ihn dann fühlen können. Halten und fühlen.«

Mehr als ein Jahr lang versuchten die Großeltern und Tante, das Lieblingsspielzeug von Kfir zu finden. Großvater Eli Bibas suchte auch im Haus seines Sohnes Yarden und dessen Frau Shiri im Kibbutz. »Ich hoffe, er ist da«, sagte Eli in einem Film des israelischen Senders Channel 12. »Wir suchen den Elefanten, damit wir ihn ihm geben können, wenn er zurückkommt.«

»Ich habe so ein Gefühl, dass, wenn wir nur den Elefanten finden, vielleicht auch Kfir gefunden wird. Ein wenig ist es, als würde man ihn dann fühlen können. Halten und fühlen«, so Eli Bibas unter Tränen. Inständig hofft er auf ein Happy End. Doch er weiß, dass jede Nachricht von offizieller Stelle über das Schicksal seiner Liebsten auch eine sein kann, die er niemals erhalten will. »Ich hoffe immer noch, dass es dieses Mal ein Ende hat und dass sie nach Hause kommen.«

Im November 2023 hatte die Hamas behauptet, dass Shiri und die Kinder bei Angriffen der israelischen Armee in Gaza getötet worden seien. In Israel sprach man zwar von Psychoterror, aber die Angst um ihr Leben nahm stark zu. Zumal sie im ersten Waffenstillstands- und Geiselbefreiungsabkommen, das alle Kinder und Mütter umfasste, nicht freigelassen worden waren. Dennoch haben die Angehörigen nicht aufgehört, weiter zu hoffen. Wie Pnina Bibas, die Oma der beiden Jungen: »Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder.«

Ein ganz kleines Wunder ist geschehen

Ein ganz kleines Wunder geschah vor etwa drei Wochen. Nachdem die Familie den Elefanten vergebens gesucht hatte, bekam sie plötzlich einen Anruf von Kfirs Kindergärtnerin, ungefähr zur selben Zeit, als klar wurde, dass ein neuer Geiseldeal umgesetzt werden würde. Bei Renovierungsarbeiten im Kindergarten habe man das Plüschtier gefunden.

Auch Shiris Schwester, Dana Silberman-Sitton, spricht in dem israelischen Fernsehfilm. »Diese Elefantenpuppe wird für immer eine Erinnerung an eine andere Welt sein. Eine, in der Kfir ein kleines Baby war und glücklich. So, wie es für ein Baby sein sollte.« Sie streicht über das rosa Kuschelfell. »Das ist tatsächlich unser Elefant. Jetzt fehlen nur noch Kfir, Ariel, Shiri und Yarden.«

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