Terror

»Als wären wir bei ihr«

Lital Valenci (r.), Mutter zweier Kinder, wurde das Herz von Lucy Dee implantiert. Deren Töchter Keren (M.) und Tali Dee (l.) konnten es hören. Foto: Flash90

Sie schlichen in Frauenkleidern in die Altstadt von Nablus: die Mitglieder der israelischen Anti-Terror-Einheit Yamam, die die Mörder der Dees festnehmen sollten. Bei der Aktion in der vergangenen Woche wurden zwei Palästinenser erschossen, die beschuldigt wurden, drei Mitglieder der Familie Dee – Lucy, Rina und Maia – ermordet zu haben.

Die 48-jährige Lucy Dee und ihre Töchter Maia (20) und Rina (16) waren am 7. April während der Fahrt durch das Jordantal auf dem Weg zu einem Ausflug an den Kinneret aus nächster Nähe von palästinensischen Terroristen erschossen worden. Maia und Rina wurden noch am Tatort für tot erklärt, ihre Mutter war lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus gebracht worden und starb drei Tage darauf.

In einer gemeinsamen Erklärung des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, der israelischen Polizei und der Armee (IDF) hieß es, dass Truppen in die Altstadt von Nablus eingedrungen seien, um die zwei Männer zu verhaften. Die Anti-Terror-Einheit der Polizei, Yamam, habe das Haus umstellt, in dem sich die Terroristen vermutlich versteckt hielten. Die Armee bestätigte, dass Drohnen während der Aktion eingesetzt wurden.

Spezialkräfte Dabei sei es zu einem Schusswechsel gekommen, bei dem die beiden Terroristen und ein weiterer Schütze, der angeblich das Versteck zur Verfügung gestellt habe, von den Spezialkräften getötet wurden. Soldaten hätten auch Sturmgewehre beschlagnahmt, gab die IDF an. Das Gesundheitsministerium der Palästinensischen Autonomiebehörde bestätigte, dass bei dem Vorfall drei Männer getötet wurden. Die Hamas erklärte, die drei Männer gehörten zu ihrer Organisation.

Die Familie findet selbst in der unvorstellbaren Tragödie auch Stärkung.

Premierminister Benjamin Netanjahu veröffentlichte eine Erklärung, in der er die Aktion lobte. »Unsere Botschaft an diejenigen, die uns schaden, und an diejenigen, die versuchen, uns zu schaden, lautet: Ob es einen Tag, eine Woche oder einen Monat dauert – seid sicher, dass wir euch finden.«
Ein ranghoher IDF-Offizier erklärte vor Journalisten, die Operation am Donnerstag sei mit »Präzision und Professionalität« durchgeführt worden und habe zu einer schnellen Razzia ohne Verletzte geführt, obwohl der tödliche Anschlag schon fast einen Monat zurückliegt.

»Wir halten dies für sehr wichtig, denn die Zeit, die vom Moment des Anschlags bis zur Ergreifung der Täter vergeht, ist das, was den Terrorismus vereitelt, und deshalb ist Zeit wichtig«, sagte der Beamte. Er betonte, man wolle der anderen Seite deutlich machen, »dass es nirgendwo eine Zufluchtsstätte gibt. Sogar Orte, die sie anscheinend für sicher halten, sind es nicht«.

tragödie Die Dees haben die israelische und die britische Staatsbürgerschaft und leben in der Siedlung Efrat im Westjor­danland, südlich von Jerusalem. Der Vater der Familie, Rabbi Leo Dee, dankte im Radio Kan den israelischen Streitkräften. Wären die Terroristen lebend gefangen genommen worden, hätten er und seine Tochter Tali sie gern gefragt, warum sie das getan hätten und was ihre Vision für eine bessere Welt für ihre Kinder sei. »Da sie tot sind, habe ich den Schin Bet gefragt, ob es möglich sei, ihren Angehörigen diese Fragen zu stellen.«

Die Familie findet selbst in der unvorstellbaren Tragödie auch Stärkung. Rabbi Dee sagte, ihm helfe die Tatsache, dass die Organe seiner Frau Lucy mehreren Patienten transplantiert wurden, die er im Beilinson-Krankenhaus in Petach Tikwa kennengelernt hatte. »Das war ein großer Trost.«

Fünf Menschen wurden mit lebensrettenden Organen von Lucy Dee versorgt.

Insgesamt fünf Menschen wurden mit lebensrettenden Organen von Lucy Dee versorgt. Ein 25-jähriger Mann erhielt eine Lebertransplantation, während zwei Männer im Alter von 39 und 58 Jahren jeweils eine Niere bekamen. Einer von beiden ist ein arabischer Israeli. Rabbi Dee und seine drei verbleibenden Kinder trafen bei einer emotionalen Zusammenkunft vier der fünf Organempfänger.

wunder Dabei dankte Leo Dee den Ärzten für ihre »bemerkenswerte Arbeit bei der Rettung von Leben« und erklärte: »Der Allmächtige hat ein Wunder für uns getan, dass wir nach unserer Tragödie ein Wunder für andere vollbringen konnten.« Einer der Empfänger, Moti Elkebats, berichtete, er habe bereits mehr als sieben Jahre auf eine Nierentransplantation gewartet.

Als er sich bei der Familie Dee bedankte, teilte er mit, dass er sich jetzt großartig fühle und die Transplantation ihm ein neues Leben beschere. In Erinnerung an Lucy, Rina und Maia spendete Elkebats eine Gedenktafel für eine Synagoge, »in der ich für ihre Seelen bete«.

»Kannst du ihr Herz schlagen hören?«, fragte Lital Valenci die überlebenden Töchter von Lucy Dee, Tali und Keren. Die beiden Mädchen hatten ein Stethoskop von Krankenhausärzten geschenkt bekommen, um den Herzschlag in der Brust der 51-jährigen Frau hören zu können, die das Organ ihrer Mutter erhalten hatte. »Ja«, antwortete Keren, als ihr Tränen über die Wangen liefen.

Niemand könne verstehen, was es bedeute, zwei Schwestern und die Mutter auf einmal zu verlieren. Aber ihr Herz schlagen zu hören, tue gut, sagte Tali, das Stethoskop in den Ohren: »Es ist so, als wären wir bei ihr.«

Die iranische Atomanlage Fordo vor den amerikanischen Angriffen

Iranisches Atomprogramm

Fordo: Der Mossad war da

Yossi Cohen leitete den israelischen Auslandsgeheimdienst von 2015 bis 2021. Unter seiner Ära hätten israelische Spione die iranische Atomanlage Fordo mehrmals in Augenschein genommen

 12.08.2026

Israel

Tel Aviv bekommt offiziell einen »Geiselplatz«

Der Platz vor dem Kunstmuseum der israelischen Metropole wurde zum Sammelort für alle, die ihre Solidarität mit den Geiseln in Gaza ausdrücken wollten. An diese dramatische Zeit soll nun seine offizielle Umbenennung erinnern

von Andrea Krogmann  12.08.2026

Kommentar

UNRWA: Fakten statt Tabus

Warum Kritik am Palästinenserhilfswerk auf Schweigen und Ablehnung stößt

von Duki Dror  12.08.2026

Tel Aviv/Gaza/Brüssel

Israel verlängert zwei EU-Missionen in Palästinensergebieten

Die EU hilft bei der Ausbildung palästinensischer Polizisten und der Überwachung des Rafah-Grenzübergangs. Beide EU-Missionen können nun aus Sicht Israels bis 2027 weitergehen

von Cindy Riechau  12.08.2026

Eskalation

Israelisches Ministerium droht mit Schließung heiliger Stätten

Kein Geld, kein Service: Weil ein Haushaltsstopp auch den Betrieb heiliger Stätten betrifft, droht das zuständige Religionsministerium in Israel mit Schließungen - wenige Wochen vor den höchsten Feiertagen

 12.08.2026

Nahost

Abbas zu Gesprächen mit Erdoğan in Ankara

Der Palästinenserpräsident will sich zwei Tage in der Türkei aufhalten. Israels Finanzminister Smotrich fordert Netanjahu auf, Abbas die Rückkehr zu verweigern

 12.08.2026

UNO

Kein Rückzug aus Siedlungen

»Wir werden nirgendwo hingehen. Die jüdischen Gemeinden werden in Judäa und Samaria bleiben«, sagt Israels UNO-Botschafter Danny Danon

 12.08.2026

Jerusalem/Caracas

Israel und Venezuela nähern sich nach 17 Jahren wieder an

Beide Staaten verständigen sich auf die Wiederaufnahme konsularischer Kontakte und die Einrichtung eines offiziellen Koordinierungskanals

 12.08.2026

Westjordanland

Israels Armee verurteilt illegale Siedlerposten innerhalb palästinensischer Dörfer

Die IDF bezeichneten die jüngsten Vorgänge in dem Gebiet als »illegal, verwerflich und inakzeptabel«. Aber tun sie etwas dagegen?

 12.08.2026