Gaza-Krieg

33 Geiseln gegen 1904 Häftlinge

Bilder der entführten Familie Bibas hängen an einer Wand vor der Knesset. Foto: Flash 90

Nach dem israelischen Sicherheitskabinett hat in der Nacht zu Samstag auch die gesamte Regierung die Vereinbarung mit der Terrororganisation Hamas über eine Waffenruhe und die Freilassung weiterer Geiseln gebilligt. Während der zwischen Israel und der Hamas vereinbarten Waffenruhe sollen insgesamt 1904 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen und Lagern entlassen werden. Das teilte die Regierung in Jerusalem mit. Im Gegenzug muss die Hamas während der sechswöchigen Waffenruhe, die am Sonntagmorgen beginnen soll, 33 von insgesamt 98 israelischen Geiseln freilassen. 

Die Waffenruhe soll nach Angaben des Vermittlers Katar am Sonntag um 7.30 Uhr MEZ in Kraft treten. Zuvor hatte es geheißen, die Feuerpause solle um 11.15 Uhr MEZ beginnen. Laut der israelischen Nachrichtenseite »Ynet« ist die Freilassung der ersten Geiseln unverändert um 15.00 Uhr MEZ geplant.

Austausch von etwa 57 Palästinensern pro israelischer Geisel 

Im Laufe der zunächst nur auf sechs Wochen angelegten Waffenruhe soll Israel insgesamt 1904 Palästinenser freilassen, wie die Regierung in Jerusalem mitteilte. Das wären etwa 57 Palästinenser für jede der im selben Zeitraum auszutauschenden 33 israelischen Geiseln. 

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Bei den Palästinensern handelt es sich nach Regierungsangaben um 1167 festgenommene Bewohner des Gazastreifens, die nicht an dem Massaker der Hamas und anderer Extremisten aus dem Küstenstreifen vom 7. Oktober 2023 in Israel mit 1200 Toten und mehr als 250 Verschleppten beteiligt waren, teilte die Regierung weiter mit. Hier dürften vor allem Hamas-Terroristen freikommen, die während der vergangenen mehr als 15-monatigen Kämpfe gefangen genommen wurden.

Auch zu langen Haftstrafen verurteilte Mörder sollen frei kommen

Die anderen 737 freizulassenden Palästinenser sind Häftlinge, die wegen leichterer Delikte wie Steinwürfe im Westjordanland oder illegalem Grenzübertritt sowie auch illegalen Waffenbesitzes oder anderer Gesetzesverstöße inhaftiert oder verurteilt wurden. 

Darunter sind aber auch Häftlinge, die wegen schwerer Straftaten wie etwa Mord einsitzen, wie die Zeitung »Jerusalem Post« berichtete.

Das israelische Justizministerium veröffentlichte eine Liste mit insgesamt 22 Häftlingen, denen schwere Angriffe auf Israelis vorgeworfen werden. 

  • Sacharia Subaidi. Er war während der zweiten Intifada ab 2000 Befehlshaber des militärischen Arms der Fatah-Bewegung, der Al-Aksa-Brigaden, in Dschenin im nördlichen Westjordanland. Dabei wurden von 2000 bis 2005 rund 3500 Palästinenser getötet, mehr als 1000 Israelis wurden bei Anschlägen von Palästinensern getötet.
  • Mahmud Atallah, der eine lebenslange Haftstrafe plus 15 Jahre für die Ermordung einer Palästinenserin verbüßt, die der Kollaboration mit Israel beschuldigt wurde.
  • Wael Kassem und Wisam Abbasi, die an Bombenanschlägen in Israel mit Dutzenden Toten beteiligt gewesen sein sollen.

Nicht freigelassen werden soll hingegen der prominenteste palästinensische Häftling in Israel, Marwan Barghuti aus der Führungsebene der Fatah-Bewegung. Er war 2004 wegen fünffachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Was außer dem Austausch Geiseln gegen Häftlinge geplant ist

Der Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und Gaza soll wieder öffnen und die Einfuhr humanitärer Hilfe für die Palästinenser deutlich aufgestockt werden. Allerdings ist offen, wann der seit Mai geschlossene Übergang wieder geöffnet werden könnte.

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Israels Militär soll aus dicht besiedelten Gebieten des Gazastreifens abziehen. Die in den Süden des abgeriegelten Küstenstreifens geflohenen Einwohner sollen sich wieder frei bewegen und unter internationaler Aufsicht in ihre Wohngebiete im Norden Gazas zurückkehren dürfen.

Die Details der zweiten und dritten Phase des Abkommens über ein dauerhaftes Ende des Krieges und einen kompletten Abzug Israels aus dem Gazastreifen wollen die Konfliktparteien während der ersten Phase klären. dpa/ja

Kommentar

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