Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski
Viktoria Ladyshenski im Betsaal der Kieler Gemeinde Foto: Heike Linde-Lembke

Angesichts des wachsenden Antisemitismus in der Gesellschaft warnt die Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein vor einer Ausreise zahlreicher Juden aus Deutschland. »Wir packen unsere Koffer«, sagte Viktoria Ladyshenski in Kiel. »Das ist das Problem.«

Dabei sei Rechtsextremismus nur eine von zahlreichen Bedrohungen für Jüdinnen und Juden im Land – vor allem Judenhass durch Linksextremismus und Islamismus bereiteten ihr Sorgen.

Mehr Solidarität mit den Jüdinnen und Juden

»Diese Gefahr muss genauso behandelt werden wie Rechtsradikalismus«, erklärte Ladyshenski. »Und das tut sie nicht in der Gesellschaft.« Sie kritisierte, dass oftmals zahlreiche Menschen gegen Rechtsextremismus auf die Straße gingen, gegen Islamismus aber nicht. Sie wünschte sich mehr Solidarität mit den Jüdinnen und Juden in Deutschland. Dabei betonte sie: »Die AfD ist derzeit nicht die größte Gefahr für die jüdische Gemeinschaft.«

Lesen Sie auch

Mit Blick auf das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD mit deutlichem Abstand die meisten Stimmen holte, ergänzte Michael Saitner, Geschäftsführer des Paritätischen im nördlichsten Bundesland: »Man darf aber nicht unterschätzen, dass die AfD in ihrer Strukturiertheit kurz davor steht, an entscheidenden Machtpositionen zu sein.«

Die Partei werde voraussichtlich auch nach der Wahl im April in Schleswig-Holstein wieder im Landtag vertreten sein. »Sie hat einen ganz anderen Zugang zu Machtpositionen und wird diesen Zugang nutzen, auch um jüdisches Leben zu bekämpfen«, warnte Saitner.

AfD derzeit nicht im Landtag

In Schleswig-Holstein wird am 18. April 2027 ein neuer Landtag gewählt, wie auch im Saarland und in Nordrhein-Westfalen. Im nördlichsten Bundesland regiert seit 2022 eine schwarz-grüne Koalition unter Ministerpräsident Daniel Günther (CDU).

Die AfD ist im Landtag seit der letzten Wahl nicht vertreten. Sie erreichte 2022 lediglich 4,4 Prozent. 2017 schaffte es mit 5,9 Prozent ins Parlament. In den letzten Umfragen lag sie zwischen 15 und 18 Prozent. ja/dpa

7. Oktober

»Wir erinnern nicht schweigend«

Melody Sucharewitz über ihren Kampf gegen das Vergessen des 7. Oktober bei der Gedenkveranstaltung auf dem Bebelplatz in Berlin. Ihre Rede im Wortlaut

von Melody Sucharewicz  08.10.2026

Frankfurt

Jüdische Gemeinde Frankfurt erhöht Druck auf Hessischen Rundfunk

Im Streit um das in der NS-Zeit enteignete Grundstück der örtlichen B’nai-B’rith-Loge stehen nun auch personelle Konsequenzen im Raum

 25.09.2026

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026