»Luminale«

Synagoge im Lichtschleier

Die Westend-Synagoge in Bewegung Foto: Rafael Herlich

Nur der Löwe im Dachfirst bewahrt seine stolze Haltung, aber sonst ist Bewegung in die steinerne Fassade der Frankfurter Westend-Synagoge gekommen. Linien zucken über den glatten Sandstein, dunkle und helle Streifen wechseln einander in immer neuen Ausrichtungen und Winkeln ab – als würde das Gebäude zittern.

Zum ersten Mal nimmt die Jüdische Gemeinde an der Frankfurter »Luminale« teil, der seit 2002 alle zwei Jahre stattfindenden »Biennale für Lichtkunst und Stadtgestaltung«. »Wir gehören zur Stadtgesellschaft dazu, und das machen wir mit dieser Aktion deutlich«, erklärt Marc Grünbaum, Kulturreferent der Gemeinde. »Denn wir möchten Präsenz zeigen, die Synagoge und das jüdische Leben in dieser Stadt sichtbar machen.«

Installation Florian Schunck und Felix Dölker, die Schöpfer dieser Installation, nennen sie eine »Verhüllung«. Normalerweise, sagt Florian Schunck, soll die Ausleuchtung eine Gebäudearchitektur deutlicher hervortreten lassen. »Wir machen das Gegenteil: Mit den Lichtbahnen und -linien verwirren oder verschleiern wir eher die Konturen, um die Aufmerksamkeit der Passanten und Nachbarn in diesem Wohnviertel auf die Synagoge als Teil des städtebaulichen Konzepts zu lenken.«

Als Vorbild für diese Unkenntlichmachung dienten dem Designer-Duo »Erlkönige«, Prototypen neu entwickelter Fahrzeuge. Die Störbilder und Tarnmuster, die über die Fassaden des Gotteshauses mäandern, sollen bereits aus der Ferne Neugier und den Wunsch wecken, sich dem Gebäude zu nähern.

Frieden So gelangen die Passanten an das Tor zum Innenhof der Synagoge und erblicken dort den in sanftem Gelb ausgeleuchteten Brunnen und Säulengang ringsum – ein Bild des Friedens im Gegensatz zur dramatischen Bewegung auf der Fassade. Gleichzeitig ist ein dunkles Grollen zu hören, in das die Künstler unter anderem auch die Gesänge während des Purimfestes verwebt haben.

Die interaktive Installation beleuchtet zudem die »Geschichte der Gemeinde und des Gebäudes« und erzählt von der »Notwendigkeit der Tarnung und der Anpassung und über den Wiederaufbau und das Zusammenwachsen« der jüdischen Gemeinschaft, wie es in einer Pressemitteilung der Frankfurter Gemeinde heißt.

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