Hannover

Recht auf den eigenen Friedhof

Im Judentum gilt ein Grab für alle Ewigkeit. Foto: Uwe Steinert

Seit dem 23. Juli ist es amtlich. Die liberale Jüdische Gemeinde Hannover kann durch die Erlangung des Körperschaftsrechts nun auch endlich einen eigenen Friedhof besitzen. Ingrid Wettberg, Vorsitzende der Gemeinde, hält das schon seit Langem für dringend notwendig. Es beginnt schon bei der Tatsache, dass die städtische Friedhofsordnung eine Neubelegung der Gräber nach 20 Jahren vorsieht. Im Judentum jedoch gilt ein Grab für alle Ewigkeit. Und das ist mit dem neuen Status der Gemeinde jetzt gegeben.

Finanzierung Seit elf Jahren betreibt die liberale Hannoveraner Gemeinde das Gelände am Laher Friedhof, jetzt kann sie es kaufen. »Wir haben dafür regelmäßig etwas Geld zurückgelegt, sodass wir das Gelände auch finanzieren können«, sagt Wettberg. Wie viel es kosten wird, weiß sie allerdings noch nicht. Gerade sei sie dabei, ein entsprechendes Schreiben an das Friedhofsamt zu verfassen. Zwei Jahre hat die Gemeinde darauf gewartet.

Das Wachsen der liberalen Gemeinde von 79 Mitgliedern Mitte der 90er-Jahre auf jetzt weit über 700 machte auch einen größeren Friedhof notwendig. Zunächst suchten Liberale und die Jüdische Gemeinde Hannover, die dem Zentralrat der Juden angegliedert ist, gemeinsam. Bald jedoch glaubten die liberalen Gemeindemitglieder bei der anderen Hannoveraner Gemeinde Desinteresse an einem solchen Friedhof zu entdecken, und suchten allein weiter. Am Laher Friedhof wurden sie fündig. Wettberg findet das Gelände »wunderschön«.

Hohe Lorbeerhecken umgeben das 1600 Quadratmeter große Areal, das zwar in einem anderen Stadtteil als das Gemeindezentrum liegt, aber gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Inzwischen hat die Gemeinde schon zwei Bäume gepflanzt, riesige Ahornbäume spenden Schatten, Bänke zum Ausruhen und Gedenken hat die Gemeinde ebenfalls aufgestellt. »Es ist ein geschützter abgeschlossener Raum«, sagt Wettberg, die das Betreiben des Friedhofs auch als große Verpflichtung und Verantwortung sieht. »Das ist etwas für die Ewigkeit«, ist sie sich bewusst.

Celle 29 Mitglieder hat die Gemeinde hier schon beerdigt. Hinzu kommen zwei nichtjüdische Familienangehörige sowie ein Mitglied der Celler Gemeinde, die ebenfalls hier bestatten darf. Noch ist viel Platz, aber der werde auch gebraucht, sagt Wettberg, sind doch viele Gemeindemitglieder schon hochbetagt zugewandert.

Der Körperschaftsstatus verleiht auch der Gemeinde selbst Dauer, wird er doch nach eingehender Prüfung durch sämtliche Landesministerien auf Finanzen und Mitgliederzahlen nur ausgestellt, wenn die Gemeinschaft eine Gewähr auf Dauer bietet. Sie wurde 1995 gegründet, als erste liberale Gemeinde in Niedersachsen übernimmt sie nun auch die Rechte und Pflichten einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.

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