Porträt

Konstanz – Die Gemeinde mit Potenzial

Foto: picture alliance/dpa

Im mittelalterlichen Konstanz waren Juden einst sehr willkommen. In der Zeit von 1200 bis etwa 1450 erhielten sie Bürgerrechte und nahmen am täglichen Leben der Stadt Konstanz teil. Viele Juden lebten in der Münzgasse, wo bis heute noch die Spuren einer Mikwe zu sehen sind. In der Altstadt stand ebenfalls die Synagoge.

Trotz eines längeren Friedens war die jüdische Gemeinde immer wieder Ziel von Verfolgungen und Vertreibung gewesen. Erst 1863 wurde eine neue Gemeinde gegründet. Sie wuchs schnell an, 1895 stellte sie mit ihren 528 Mitgliedern zweieinhalb Prozent der damaligen Stadtbevölkerung, und so konnte 1882/1883 eine neue Synagoge errichtet werden.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Synagoge bereits am 1. November 1936 in Brand gesteckt, und der Toraschrein, die Orgel und vier Fächer im Synagogengestühl, in denen die Gebetsmäntel und -bücher aufbewahrt wurden, verbrannten. Nachdem die Synagoge 1937 durch den Architekten Fritz Nathan instandgesetzt worden war, wurde sie beim Novemberpogrom 1938 von SS-Männern in Brand gesteckt. Die Feuerwehr durfte den Brand nicht löschen. Danach wurde die Synagoge von der SS-Verfügungstruppe Germania aus Radolfzell gesprengt. Gegenüber der ehemaligen Synagoge steht heute ein Mahnmal für die 108 deportierten und ermordeten Konstanzer Juden.

Am Ort der zerstörten Synagoge errichtete Sigmund Nissenbaum, Geschäftsmann und Gründer der damaligen Gemeinde, in den 60er-Jahren ein Wohn- und Bürohaus, das auch einen Gebetsraum enthielt.

Eine Erweiterung des kleinen Gebetsraumes zur Nissenbaum-Synagoge folgte 1999. Im Gebäude befinden sich heute eine Mikwe, das Büro und die Dr.-Erich-Bloch-und-Lebenheim-Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde e.V. (IKG e.V.). Inzwischen hat sie einen eigenen Katalog im Südwestdeutschen Bibliotheksverbund (SWB).

Die Gemeinde bietet ihren Mitgliedern ein breites Angebot an Lernmöglichkeiten in Tora und Tradition, führt Gottesdienste am Schabbat und an Feiertagen durch und erstellt ein Programm für Kinder, Studierende und Senioren. Die Hochschulgruppe Morasha Konstanz an der Universität ist an die Gemeinde angeschlossen und vertritt die Studierenden und Young Professionals in Konstanz. Morasha Konstanz ist an Morasha Germany angegliedert und Teil des Bundes jüdischer Studenten Badens (BJSB).

Durch das wachsende jüdische Leben in Konstanz nach der Einwanderung der Juden aus der ehemaligen Sowjetunion in den 90er-Jahren ging am 9. November 2016 ein langjähriger Traum für die Synagogengemeinde Konstanz in Erfüllung: der Spatenstich zum Bau der neuen öffentlichen Synagoge und der Mikwe in Konstanz, ein Haus für alle Jüdinnen und Juden in Konstanz und ein Ort der Begegnung für alle Einwohner der Bodenseeregion. Die Fertigstellung der Synagoge ist für das Frühjahr 2019 angesetzt.

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