Bibliotheks-Woche

Kinder lieben Millie

Gespannte Zuhörer: Die Zweit- und Drittklässler sind von Millies Reiseerlebnissen beeindruckt. Foto: JA

Wie bringt man Kinder dazu, ein Buch zur Hand zu nehmen, wenn doch auch Playstation, Computer und Fernseher locken? Autorin Dagmar Chidolue (65) setzt auf ihre Figur Millie. Die ist fünf Jahre alt, neugierig, gelegentlich ein bisschen ängstlich und entdeckt zusammen mit ihrer Mutter und der kleinen Schwester immer neue Länder – und deren Eigentümlichkeiten.

Zur bundesweiten Bibliothekswoche kam Dagmar Chidolue jetzt nach Düsseldorf in die Bücherei der Yitzhak-Rabin-Schule. Doch zuerst muss sie den Kindern Rede und Antwort stehen. »Hast du das ganz alleine geschrieben? Wie bist du auf die Ideen gekommen?«, wollen die Erst- und Zweitklässler gleich von ihrer Besucherin wissen. »Ja, geschrieben habe ich das tatsächlich ganz alleine«, entgegnet die Frankfurterin lächelnd. Aber erfunden seien die Begebenheiten nicht. »Es muss alles schon einmal passiert sein, mir oder anderen. Es sind alles wahre Geschichten.«

Eigenes Weltbild
Dagmar Chidolue liest einige Seiten aus Millie in Moskau vor und fragt schließlich ihrerseits die Kinder, ob sie denn die Worte »Njet« und »Babuschka« kennen. Fast alle Kinder wissen Bescheid, viele kommen aus russischsprachigen Zuwandererfamilien. Einige erklären auch stolz, schon einmal in der russischen Hauptstadt gewesen zu sein. Die kleine Millie macht sich bei ihrem Besuch ein ganz eigenes Bild von der Welt: Die kyrillische Schrift kommt ihr »korallisch« vor, der Gorki-Park wird zum »Gurken-Park« und der Kreml wird bei ihr zum Krümel. Damit hat sie die Lacher auf ihrer Seite, die gebannt zuhören, als Millie zu einer Aufführung des russischen Staatszirkus’ geht.

ungezogener Löwe Dort sieht die Fünfjährige nämlich einen Löwen, dessen Urin schon mal bis in die vorderen Besucherreihen spritzt. Das gefällt ihr gar nicht. Gebannt und immer wieder kichernd hört das junge Publikum zu, wie Millie das stolze Raubtier auf seinem Podest minutenlang argwöhnisch beobachtet – und was sie anstellt, um nur ja nichts abzubekommen, wenn der Löwe sich denn wieder Richtung Zuschauer erleichtern sollte..

»Das war wirklich super. Die Geschichte mit dem Löwen war das beste«, sagen anschließend Morris und Dennis, beide 6 Jahre alt, strahlend. Auch in den Klassen 3 und 4 liest Dagmar Chidolue. »Viele Schüler sind richtig im Millie-Fieber«, meint Schulleiterin Natscha Knoll.

Die Grundschüler hatten sich sorgfältig auf den Besuch der Autorin vorbereitet: Sie hatten Millie-Bücher gelesen, sie mit eigenen Worten zusammengefasst und die Orte der Handlung (etwa London, Ägypten oder New York) auf einer Weltkarte gesucht und eingezeichnet. Das alles passierte im Rahmen der Bibliothekswoche, die in der Schule und international rund um den Welttag des Buches gefeiert wird. Neben der Lesung von Dagmar Chidolue gab es dazu an der Rabinschule täglich zwei Lesungen von Lehrern oder Lesepaten auch zu speziell jüdischen Themen. Die von den Lehrern eigens hierfür gestalteten Eintrittskarten waren heiß begehrt.

lieblingsbücher Außerdem interviewten die Schüler ihre Lehrer zu deren Lieblingsbüchern und fassten das Ergebnis auf Blättern zusammen, die in der Bücherei ausgehängt wurden. Darüber hinaus beteiligten sie sich an einem Bibliotheksquiz und einem Lesewettbewerb und konnten in einer Buchbinderei sehen, wie aus einzelnen Seiten ein schönes Kinderbuch entsteht. Ganz nebenbei lernten die Schüler dabei auch, dass es – nicht nur – in der Welt der Kinderbücher viel Lesenswertes zu entdecken gibt.

Pünktlich zur Bibliothekswoche bekam die Schulbücherei Nachschub. Die Besteller bewiesen dabei ein erstaunliches Gespür für aktuelle Themen: Ganz oben auf dem Stapel der neuen Bücher liegt ein Sachbuch – über Vulkane.

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