München

Besuch vom Kardinal

Abi Pitum, Charlotte Knobloch, Henry und Sheila Brandt sowie Reinhard Marx im Burda-Saal (v.l.) Foto: Marina Maisel

»Die Revolution der biblischen Botschaft« war das Thema, über das der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx am Montag vergangener Woche im Jüdischen Gemeindezentrum referierte. Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR) hatte ihn für einen Vortrag bei der Rabbiner-Brandt-Vorlesung gewinnen können.

Nach der Begrüßung durch den Evangelischen Präsidenten des DKR, Friedhelm Pieper, hieß Gastgeberin Präsidentin Charlotte Knobloch die Anwesenden im Hubert-Burda-Saal willkommen – unter ihnen auch Rabbiner Henry Brandt und seine Frau Sheila. Knobloch hob den Verstand und den unvergleichlichen Humor von Henry Brandt hervor, nach dem die Vorlesung für dessen Lebenswerk und unerlässlichen Impulse im interreligiösen Dialog seit 2007 benannt ist.

Freiheit Den diesjährigen Redner, den höchsten Repräsentanten der katholischen Kirche in Deutschland, Kardinal Marx, charakterisierte Knobloch als jemanden, der »auf das Beste jene zentralen, uns als geschwisterliche Religionen einenden Werte wie Nächstenliebe, Menschrechte, Freiheit, Frieden, gegenseitiger Respekt und gelebte Toleranz« verkörpere. Die Arbeit der DKR bezeichnete sie als fundamental wichtig für die Gesellschaft.

Abi Pitum vom Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit bekannte, dass er gehofft hatte, eines Tages werde die Arbeit der Institution nicht mehr nötig sein. Die Ereignisse nicht zuletzt dieses Sommers mit den antisemitischen Ausschreitungen jedoch zeigten, dass bis dahin noch viel zu tun sei.

Dass dabei gerade die biblische Botschaft zur Verbesserung des christlich-jüdischen Dialogs beitragen kann, zeigte dann Kardinal Marx in seiner Rede auf. Im Bündnis mit Gott und der Annahme seiner Gesetze haben die Israeliten Weltgeschichte geschrieben. Das gesamte Volk stand zu diesem Bündnis – für Marx revolutionär, modern und demokratisch. Er verwies auf den Satz »Wir sind ein Volk« der Bürgerrechtsbewegung beim Fall der Mauer 1989.

Hoffnung Dass das Volk Israel sich entschloss, aus Ägypten heraus in ein neues Land zu gehen, ist für Marx auch ein Zeichen für Hoffnung und Zukunft – und dafür, dass die Welt nicht bleiben muss, wie sie ist. Dass dies damals gelungen ist, bezeichnete Marx als »nicht minder revolutionär«.

Die biblische Botschaft habe nicht weniger als eine kulturgeschichtliche Umwälzung eingeleitet, führte Kardinal Marx weiter aus. Stichworte dafür seien Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit. Aber die Revolution der Bibel sei noch nicht abgeschlossen, so Marx weiter: »Unsere Aufgabe ist es, der Botschaft eine hörbare Stimme zu geben.«

Zum Schluss der Veranstaltung erinnerte Rabbiner Brandt »als Münchner Kindl« – er wurde 1927 in der Landeshauptstadt des Freistaates geboren – an seine Eltern. Mit ihnen hatte er nach der »Reichskristallnacht«, an deren Opfer am Vortag von Kardinal Marx’ Besuch erinnert worden war, als Elfjähriger seine Heimatstadt verlassen müssen.

Daniel Grossmann

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