Berlin

Alle unter einem Dach

Pfarrer Gregor Hohberg, Rabbiner Tovia Ben-Chorin und Imam Kadir Sanci (v.l.) Foto: Uwe Steinert

Der Pfarrer nennt es »das noch nicht Gewagte«, der Rabbiner spricht von einem »Statement des Geistes«, der Imam freut sich aufs Kennenlernen: In Berlin wollen Christen, Juden und Muslime ein gemeinsames Bet- und Lehrhaus errichten. Spenden sollen den Bau finanzieren.

Die Initiatoren starteten am Dienstag eine sogenannte Crowdfunding-Kampagne. Unterstützer sollen symbolisch einen oder mehrere Ziegelsteine im Wert von zehn Euro für das einzigartige Projekt kaufen. Mit dem Bau auf dem Petriplatz wird voraussichtlich 2016 begonnen. Die Kosten betragen 43,5 Millionen Euro, die Bauzeit wird auf zwei Jahre geschätzt.

Gottesdienste In dem Gebäude sollen alle drei Religionen eigene sakrale Räume haben. Diese münden in der Mitte in einen gemeinsamen Bereich. Neben Gottesdiensten sind vor allem Lehr- und Informationsveranstaltungen geplant, die das gegenseitige Verständnis fördern. Ausdrücklich betonten die Initiatoren, auch Nichtgläubige und Atheisten seien eingeladen, mit den Religionsvertretern zu diskutieren.

Die Bauarbeiten sollen erst beginnen, wenn die ersten zehn Millionen Euro beisammen sind, wie Pfarrer Gregor Hohberg von der Gemeinde St. Petri und St. Marien sagte. Die evangelische Kirchengemeinde, der das Bauland gehört, ist eine der Initiatoren des Projekts. Zudem beteiligen sich die Jüdische Gemeinde zu Berlin und das Abraham Geiger Kolleg sowie das muslimische Forum für interkulturellen Dialog, das sich zur Gülen-Bewegung bekennt.

Um der Gefahr einer Einflussnahme von Großspendern entgegenzuwirken, werden bei der Kampagne keine Spenden über 430.000 Euro angenommen, ein Prozent der geschätzten Baukosten. Werden dennoch größere Beträge gegeben, soll das Geld in eine Stiftung fließen. Diese kümmert sich später um den Unterhalt des Gebäudes.

kennenlernen Hohberg sagte, seine Gemeinde stehe voll hinter dem Projekt. Auch Kirchenkreis und Landeskirche stünden dem Vorhaben positiv gegenüber. Die katholische Kirche ist nicht beteiligt. Rabbiner Tovia Ben-Chorin bezeichnete das geplante Bet- und Lehrhaus als »Statement des Geistes« der evangelischen Kirchengemeinde, die das historische Gelände zur Verfügung stelle. Imam Kadir Sanci betonte, das Gebäude solle dazu dienen, einander besser kennenzulernen. Die Wahrnehmung von Muslimen sei zu sehr von religiös motivierten Gewalttaten geprägt.

Der Petriplatz im Süden der Spreeinsel in Berlin-Mitte gehört zu den ältesten Plätzen der heutigen Hauptstadt. Archäologen hatten dort Reste der über die Jahrhunderte entstandenen verschiedenen Petrikirchen und einer Lateinschule entdeckt. Diese sollen durch das Bauprojekt begehbar gemacht werden. Die erste Petrikirche entstand zu Beginn des 13. Jahrhunderts und gehörte damit zu den frühesten Bauwerken Berlins. epd

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Berlin

»Ein leuchtendes Beispiel«

Jüdische Gemeinde Chabad zeichnet die First Lady Elke Büdenbender für ihr Engagement zur Stärkung jüdisches Lebens in Deutschland aus

 20.05.2026

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026

Baden-Württemberg

»Voices of Hope« - Stuttgart ist Bühne für Jewrovision

Die Veranstalter sprechen vom größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas: Am Freitag startet die Jewrovision in Stuttgart. Vorbild ist der ESC, der parallel in Wien stattfindet - jedoch mit anderen Tönen

von Leticia Witte  12.05.2026

Anschlag

Hakenkreuz an Synagoge in Cottbus

Innerhalb weniger Tage ist die Cottbuser Synagoge zweimal von Unbekannten beschmiert worden. In der Nacht zum Montag wurde an der Fassade ein Hakenkreuz entdeckt. Zeitgleich wurde ein alternatives Wohnprojekt mit einer Rauchbombe attackiert

 27.04.2026

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

Sicherheit

»Keine jüdische Veranstaltung soll je abgesagt werden müssen«

Nach dem Massaker von Sydney wendet sich Zentralratspräsident Josef Schuster in einer persönlichen Botschaft an alle Juden in Deutschland: Lasst euch die Freude an Chanukka nicht nehmen!

von Josef Schuster  17.12.2025