Frankfurt am Main

100.000 Euro für zwei Jahre

Besucher des Treffpunkts Foto: Rafael Herlich

»Es tut gut, sich mit Menschen zu treffen, die dasselbe Schicksal haben. Man fühlt sich umgeben von freundlichen Leuten, weil die Atmosphäre sehr warm ist.« So erklärt Zosia Wysocki, warum sie regelmäßig zum Kaffee-Nachmittag im »Treffpunkt« kommt. Andere Besucher beschreiben ihn als »sicheren Hafen, in dem jeder sein ›Päckl‹, seine Geschichte abladen, wo jeder ›Held‹ seine Ängste aufdecken kann und wo ihm zugehört und dabei geholfen wird, die Ängste aufzuarbeiten und eine erfüllte Gegenwart leben zu dürfen«.

Der »Treffpunkt« ist eine Anlaufstelle für etwa 300 Juden in Frankfurt, die als Kinder oder junge Erwachsene die Schoa überlebt haben. Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) sagte unlängst zu, die Einrichtung der Zentralwohlfahrtsstelle (ZWST) zwei Jahre lang mit rund 100.000 Euro zu unterstützen.

Angebote »Weil wir die Erfahrung gemacht haben, wie wichtig und sinnvoll diese Institution und ihr Angebot ist«, erklärt Stiftungsmitarbeiterin Anja Kräutler. Der Treffpunkt bietet einmal in der Woche einen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen, regelmäßige Sprechstunden für Sozialberatung und psychotherapeutische Gespräche, Gedächtnistraining und Begleitung zu Ämtern an.

Zwischen 40 und 50 Überlebende kommen zum Café. Das Treffen im Westend sei für die Überlebenden ein wöchentliches Highlight, sagt Projektleiterin Noemi Staszewski, Sozialpädagogin und Therapeutin.

Die ZWST hatte den Treffpunkt vor elf Jahren als Pilotprojekt gegründet, »um der psychosozialen Versorgung und Unterstützung von Überlebenden der Schoa und ihren Angehörigen einen strukturierten Rahmen zu geben«. Die Erfahrungen in Frankfurt würden auch dafür genutzt, die Sozialarbeit mit den Überlebenden weiter zu professionalisieren, erklärt Staszewski. Nach dem Vorbild Frankfurts sind Anlaufstellen in weiteren neun Städten entstanden.

Bedürfnisse Die Arbeit im Treffpunkt beschreibt die Sozialpädagogin als einen Spagat; der Bedarf und die Bedürfnisse der Überlebenden unterscheide sich je nach Altersgruppe und Überlebenserfahrungen. Die sogenannten Child Survivors, die als Kinder meist mit gefälschten Identitäten überlebten, wollten ihre Geschichte erzählen, suchten das Gespräch, brauchten vor allem individuelle Psychotherapie. Die Älteren benötigten mehr Pflege und soziale Versorgung.

Unterstützt wird der Frankfurter Treffpunkt von wechselnden Institutionen, zuletzt von der »Aktion Mensch«. Die Stiftung EVZ hatte die Einrichtung bereits in den ersten drei Jahren gefördert und ist jetzt wieder eingesprungen. »Um ein zuverlässiger Projektpartner zu sein, Überlebenden ein stabiles Umfeld zu gewährleisten und auch, um bei anderen Geldgebern Interesse zu wecken«, so Kräutler. Es gibt keine kommunale Förderung.

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