Bundeswehr

Hitlergruß in Kaserne

Bundeswehrkaserne nahe dem französischen Straßburg: Hier war der terrorverdächtige Franco A. stationiert. Foto: dpa

Es sind nicht viele, aber es gibt sie: Auch in der Bundeswehr arbeiten und kämpfen Juden und Jüdinnen. 2013, aktuellere Zahlen gibt es nicht, waren es nach Angaben des Wehrbeauftragten 250. Sie dienen in einer Armee, die ihre Wurzeln in der Wehrmacht hat, die an der Schoa maßgeblichen Anteil hatte.

Möglich ist das nur, weil die Bundeswehr sich von diesen Wurzeln distanziert hat und die Wehrmacht, ebenso wie die Nationale Volksarmee der DDR, nicht als traditionsfähig ansieht. In ihren Traditionsrichtlinien setzt sich die Bundeswehr deutlich von der Wehrmacht ab: »Der verbrecherische NS-Staat kann Tradi-tion nicht begründen. Für die Streitkräfte eines demokratischen Rechtsstaates ist die Wehrmacht als Institution nicht traditionswürdig.«

TRADITION Doch Richtlinien sind das eine, die Wirklichkeit etwas anderes: Auch wenn die Zeiten, in denen Bundeswehrkasernen häufig nach Nazi-Offizieren benannt waren, zum größten Teil vorbei sind – die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf ist mittlerweile eher die Ausnahme, welche die Regel bestätigt –, bei Gedenkfeiern wie der zu Ehren gefallener Fallschirmjäger erinnern Bundeswehrsoldaten immer noch an gefallene Wehrmachtssoldaten, wie jene 3914, die beim Überfall auf Kreta starben.

18 Soldaten schieden 2018 wegen rechtsextremer Äußerungen aus dem Dienst.

Und auch im Alltag in den Kasernen zeigt sich, dass die Distanz von Teilen der Truppe zur Wehrmacht und den Nazis nicht allzu groß ist. Wie seit Bestehen der Bundeswehr üblich, finden sich auch im aktuellen Bericht des Wehrbeauftragten des Bundestags zahlreiche Beispiele rechtsradikaler und antisemitischer Zwischenfälle: Ein Hauptgefreiter spielte seinen Kameraden Nazimusik vor und schwärmte davon, wie es wäre, »Nafris« mit einem Tigerpanzer zu überfahren; ein Stabsgefreiter tat kund, er würde gerne in Argentinien leben, weil dort noch richtige Nazis existieren würden; Soldaten begrüßten sich mit »Sieg Heil« und Hitlergruß; zehn Offiziere tauschten in einer WhatsApp-Gruppe rechtsradikales Gedankengut und antisemitische Witze aus – dort hieß es dann »Der Zweitjob der Zahnfee? Das Gold aus den Judenzähnen kratzen.«

ENTLASSUNG 18 Soldaten mussten 2018, heißt es in dem Bericht, »wegen ihrer extremistischen Einstellung vorzeitig aus dem Dienst der Bundeswehr ausscheiden«. Ob es dabei bleibt, ist noch unklar; nicht in allen Fällen sind die Entlassungen bereits rechtskräftig. Zu diesen Fällen kamen 2018 noch 270 Verdachtsfälle gegen sogenannte Reichsbürger sowie 50 gegen Islamisten – alle in der Bundeswehr.

2018 wurden bei der Bundeswehr 150 Vorfälle in den Meldekategorien mit »Verdacht auf Gefährdung des demokratischen Rechtsstaates, unzulässige politische Betätigung oder Volksverhetzung« gemeldet. 2016 und 2017 waren 63 und 167 einschlägige »meldepflichtige Ereignisse« zu verzeichnen. Hinzu kamen 20 Verdachtsfälle, die gemeldet wurden – mit entsprechenden rechtsextremistischen Inhalten zu weiteren Kategorien wie etwa »Diskriminierung«.

Der Bundeswehr, sagt der Wehrbeauftragte, der SPD-Abgeordnete Hans-Peter Bartels, sei die Vermittlung demokratischer Werte schon in der Ausbildung wichtig: »Die Bundeswehr hat ein Konzept zur politischen und historischen Bildung, das unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung in den Mittelpunkt stellt. Dass Diskriminierungen, egal welcher Art, nicht in den Streitkräften geduldet werden, lernt jeder Rekrut somit bereits in seinen ersten Tagen in der Grundausbildung. Darüber hinaus befürworte ich, dass bundeswehrinterne Bildungsangebote, etwa vom Militärhistorischen Museum in Dresden, verstärkt genutzt werden. Dort lassen sich die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte, aber auch die modernen Grundsätze der Bundeswehr vielleicht leichter begreifen als in einem Hörsaalunterricht.«

NETZWERKE Bei der Vorstellung seines jüngsten Berichts nahm Bartels auch zu den Hinweisen auf rechtsradikale Netzwerke bei der Bundeswehr Stellung, die Ende 2018 von der Berliner »tageszeitung« aufgedeckt wurden: »Ob es rechtsextreme Netzwerke in der Bundeswehr gibt, kann der Wehrbeauftragtenbericht nicht klären, hier sind andere Behörden gefragt. Ich stelle aber fest, dass weiterhin regelmäßig Soldaten wegen extremistischer Vorfälle die Bundeswehr verlassen müssen. Kameraden melden, Vorgesetzte ahnden. Das ist für viele eine Frage der Ehre.«

Noch immer nicht aufgeklärt ist der Fall Franco A.. Der Bundeswehrsoldat war 2017 in Wien festgenommen worden, nachdem er am dortigen Flughafen mit einer Waffe samt Munition aufgefallen war. A. hatte sich zuvor unter falschen Identitäten als syrischer Flüchtling ausgegeben. Der Rechtsextremist, der auch Mitglied einer Nazi-Chatgruppe von Bundeswehrangehörigen war, plante offenbar Anschläge unter seinen falschen syrischen Identitäten. Der Militärische Abschirmdienst (MAD), der Geheimdienst der Bundeswehr, ermittelt nach wie vor gegen A..

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert