Hebraica

»Was für ein Buchschatz!«

Stefan Wimmer

Hebraica

»Was für ein Buchschatz!«

Stefan Wimmer über die Münchner Handschrift des Babylonischen Talmuds als UNESCO-Weltkulturerbe

von Ayala Goldmann  23.11.2025 09:19 Uhr

Herr Wimmer, die Münchner Handschrift des Babylonischen Talmuds ist zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden. Darf man diesen Band in der Bayerischen Staatsbibliothek überhaupt in die Hand nehmen?
Nein, das ist einer der wertvollsten Buchschätze der Welt. Er wird nur zu seltenen Gelegenheiten angefasst. Aber er ist vollständig digitalisiert. Um ihn einzusehen, muss man gar nicht nach München kommen, sondern das geht im Internet weltweit und kostenfrei.

Was ist das Besondere an diesem Werk?
Es ist die weltweit einzige erhaltene Handschrift, die den vollständigen Babylonischen Talmud enthält. Vor dem Buchdruck hat man den Talmud in der Regel nicht vollständig in einem Band kopiert, sondern einzelne Traktate oder einzelne Ordnungen. Es ist ein seltenes Glück, dass eine vollständige Handschrift überlebt hat.

Wie konnte das gelingen?
Diese Handschrift von 1342 gehörte zunächst der Familie des Oberrabbiners von Paris. Bei der Vertreibung der Juden aus Frankreich nahm sie das Buch nach Italien mit. Als dort im großen Stil Talmudverbrennungen stattfanden, war das Buch bereits nach nördlich der Alpen verkauft worden. Schließlich gelangte es an das Augustiner Chorherrenstift Polling bei Weilheim in Oberbayern. Mit der Säkularisation in Bayern 1803 kamen die wertvollsten Bestände aus allen Klosterbibliotheken an die Hofbibliothek in München. Weil es staatlicher Besitz war, haben die Nazi-Barbaren die hebräischen Schriften der Bayerischen Staatsbibliothek nicht angetastet.

Wer sind die Menschen, die sich die Handschrift online ansehen?
Bei Jüdinnen und Juden, die sich mit dem Talmud befassen, ist diese Handschrift sehr bekannt. Wenn ich zu Kongressen nach Israel oder nach Amerika fahre und sage, dass ich von der Bayerischen Staatsbibliothek komme, dann erstarren manche vor Ehrfurcht. Für die Talmudwissenschaft ist diese Handschrift die wichtigste Quelle, weil sie enorm viele Textvarianten bewahrt hat.

Was bedeutet die Aufnahme ins Weltkulturerbe, die jetzt offiziell gefeiert wurde?
Es ist eine schöne und angemessene Würdigung. Was ich mir konkret erhoffe: dass nicht nur in der Fachwelt, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird, was wir hier für einen Buchschatz haben. Und dass man sich damit beschäftigt, was der Talmud ist und was er nicht ist. Jahrhundertelang wurde er gezielt verfälscht und verzerrt dargestellt, es stünden darin angeblich anstößige Dinge über das Christentum. Aufrichtige Auseinandersetzung mit dem Talmud setzt ein lebenslanges Studium voraus. Das kann man nicht von jedem erwarten. Aber man sollte doch offen und aufrichtig mit dem umgehen, was anderen Menschen heilig ist.

Mit dem Referenten für Hebraica und Alter Orient der Bayerischen Staatsbibliothek in München sprach Ayala Goldmann.

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026

Nach der Wahl

Grüne und SPD in Berlin stellen Bedingung für Sondierungen

Linke, Grüne und SPD in der Hauptstadt wollen an diesem Donnerstag erstmals über eine Regierungsbildung sprechen. Es soll sich aber noch nicht um formelle Sondierungsgespräche handeln

 28.09.2026

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026