Raubkunst

Zukunft der Bührle-Sammlung ungewiss

Die Stiftung Sammlung E. G. Bührle hat im Oktober ihren Stiftungszweck angepasst: Der Passus, wonach die Stiftung »in der Stadt Zürich« tätig sei, wurde gestrichen. Damit entfällt die rechtliche Bindung, die bedeutende Privatsammlung dauerhaft in Zürich zu präsentieren. Der Schritt kommt inmitten einer intensiven Debatte um Provenienz, politische Verantwortung und den künftigen Ort dieser Kunst.

Die Stiftung begründet die Änderung mit einer »beispiellosen medialen und politischen Kontroverse« um ihre Herkunft und Präsentation. Man müsse prüfen, ob eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Zürich »noch möglich, angemessen und vertretbar« sei. Juristisch bleibt die Sammlung zwar weiterhin als Leihgabe bis 2034 im Kunsthaus ausgestellt, doch die Neuausrichtung verschiebt die Machtverhältnisse: Die Stiftung gewinnt Spielraum – Zürich verliert Planungssicherheit.

Provenienzforschung unter Druck

Seit Jahren steht die Sammlung, die auf den Waffenfabrikanten und Kunstmäzen Emil G. Bührle (1890–1956) zurückgeht, im Zentrum kritischer Provenienzdebatten. Der Unternehmer hatte während des Zweiten Weltkriegs mit Rüstungsgeschäften ein Vermögen gemacht und zahlreiche Kunstwerke erworben, deren Herkunft teilweise ungeklärt ist.

Nach dem viel beachteten Bericht des Historikers Raphael Gross von 2024, der erhebliche Forschungslücken attestierte, haben Stadt, Kanton und Kunstgesellschaft ein fünfjähriges Programm zur Provenienz- und Kontextualisierungsarbeit beschlossen. Dafür stellt der Zürcher Stadtrat rund drei Millionen Franken bereit. Ziel ist eine wissenschaftlich unabhängige Aufarbeitung, die zugleich eine neue Form der Präsentation im Kunsthaus vorbereiten soll.

Vertrauen wieder herstellen

Die Zürcher Kunstgesellschaft bemüht sich um Schadensbegrenzung. Sie betont, die Zusammenarbeit mit der Stiftung laufe geordnet weiter; der bestehende Leihvertrag bleibe in Kraft. Gleichwohl wird hinter den Kulissen über Alternativen nachgedacht – etwa über eine stärker eigenständige Bührle-Präsentation mit erweitertem historischem Kontext oder über eine mögliche Auslagerung der Sammlung.

Lesen Sie auch

Politisch hat die Stadt Zürich inzwischen Fehler eingeräumt. Man habe die öffentliche Debatte um die Sammlung und deren Integration ins Kunsthaus unterschätzt, sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch im Sommer. Nun soll die neue Forschungsoffensive das Vertrauen der Öffentlichkeit wiederherstellen.

Sammlung zwischen Weltruhm und Verantwortung

Die Bührle-Sammlung gilt als eine der wichtigsten privaten Sammlungen impressionistischer Kunst weltweit. Werke von Cézanne, Monet, van Gogh oder Degas ziehen Publikum aus aller Welt an. Doch ihr Glanz ist untrennbar mit Fragen nach Verantwortung, Transparenz und historischem Bewusstsein verbunden.

Ob Zürich der Sammlung langfristig eine Heimat bleibt, ist offen. Der neue Stiftungszweck lässt alle Optionen zu – von einer verstärkten Internationalisierung bis zu einem möglichen Abzug. Die kommenden Jahre dürften entscheiden, ob die Stadt, das Kunsthaus und die Stiftung einen gemeinsamen Weg finden oder ob der Name Bührle erneut zum Symbol unaufgearbeiteter Vergangenheit wird.

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026