Kulturmäzene

Freunde und Förderer

von Bernhard Schulz

James Simon war vergessen – jahrzehntelang. Nur eine kleine Messingplakette in der Berliner Gemäldegalerie, damals noch in Dahlem, erinnerte an den größten Mäzen, den die Berliner Museen je gehabt hatten. Inzwischen gedenkt man in der Hauptstadt wieder des großen Kunstförderers. Das künftige Eingangsgebäude zur Museumsinsel wird den Namen »James-Simon-Galerie« tragen.
Doch was ist mit den anderen jüdischen Mäzenen, die vor allem im Deutschland der späten Kaiserzeit Geld für Kunst, Kultur und Wissenschaft gaben? An Jüdische Mäzene in der deutschen Gesellschaft erinnert jetzt eine Publikation der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste Magdeburg, einer Institution, die sich vor allem um die Auffindung und Rückgabe von »arisiertem« Kulturgut bemüht. Das Buch umfasst die Vorträge eines Berliner Kolloquiums von Ende 2006, das die Behörde des Kulturstaatsministers veranstaltet hatte.
Berlin als Reichshauptstadt hatte den größten Anteil jüdischer Kunstmäzene aufzuweisen. Aber auch in Frankfurt am Main, in Dresden, Breslau oder München gab es herausragende Stifter. Das Bürgertum des Wilhelminischen Obrigkeitsstaates suchte seinen gesellschaftlichen Rang nicht zuletzt durch Sammeln und Schenken zu verbessern. Umso mehr galt dies für wohlhabende Juden, die sich durchs Sammeln Sozialprestige und durchs Schenken sichtbare Anerkennung erhofften. Oft wurden sie deshalb als »Kaiserjuden« abschätzig beschrieben, wie Annette Weber in ihrem höchst lesenswerten Beitrag ausführt, der das »Sammeln als Inbegriff bürgerlicher Selbstverwirklichung« im Gefolge des deutschen Bildungsidealismus» beschreibt.
James Simon, Rudolf Mosse, Ludwig Darmstaedter in Berlin, die Rothschilds in Frankfurt, Georg Arnhold in Dresden, Ismar Littmann in Breslau und Heinrich Thannhauser in München waren die herausragenden Protagonisten dieser vom NS-Regime ausgetilgten Schicht des gebildeten deutsch-jüdischen Großbürgertums. Ihre Leistungen kehren erst allmählich ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zurück. Es ist das Verdienst des Buches, dass es diese Leistungen nicht isoliert abhandelt, sondern sie in den Zusammenhang der – mittlerweile in den Fokus der Forschung gelangten – Geschichte des deutschen Bürgertums und seiner Wertvorstellungen und Ideale stellt. Zusammenfassungen zumindest der meisten Beiträge auf Englisch und Hebräisch (!) lassen auf eine internationale Verbreitung des Buches hoffen. Denn die «Zivilgesellschaft», von der in jüngerer Zeit so viel die Rede ist, bedarf auch der Mäzene, die sie einst besaß.

sammeln, stiften, fördern.
jüdische mäzene in der deutschen gesellschaft
Herausgegeben von der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste Magdeburg, 320 S., 24,90 €

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026