Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

Eine US-Air Force-Maschine am Ben-Gurion-Flughafen Foto: Flash90

Der Sommer hat noch nicht einmal begonnen – und am Ben-Gurion-Flughafen herrscht bereits Ausnahmezustand. Doch nicht etwa wegen Massen von Touristen, die durch Israels Drehkreuz drängen. Der Grund ist ein anderer: Es fehlt schlicht an Parkplätzen. Allerdings nicht für Autos, sondern für die Flugzeuge. Große Teile des Flughafens sind seit dem Krieg von Israel und den USA gegen den Iran durch die Präsenz des US-Militärs blockiert. Dutzende amerikanische Tankflugzeuge und Armeemaschinen stehen auf dem Gelände oder in unmittelbarer Nähe und so arbeitet der Flughafen nur mit einem Bruchteil seiner Kapazität.

Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Krieg gegen die Hamas und Hisbollah und später gegen den Iran ist der internationale Flugverkehr nach Israel massiv eingeschränkt. Viele ausländische Airlines haben ihre Verbindungen bis heute nicht wieder aufgenommen oder fliegen Israel nur sporadisch an. Zwar werben heimische Fluggesellschaften damit, den Betrieb aufrechtzuerhalten, doch inzwischen streichen selbst sie regelmäßig Verbindungen.

So sagt die zweitgrößte Airline des Landes, Israir, schon gebuchte Flüge nach Europa ab. Und auch Blue Bird Airways, eine griechische Gesellschaft mit israelischen Eigentümern, gibt bereits gekaufte Tickets zurück. Für Passagiere bedeutet das Chaos: schwierige und teure Umbuchungen und Unsicherheit bis kurz vor dem Abflug.

Flughafenbehörde verliert Millionen

Der Generaldirektor der israelischen Flughafenbehörde, Sharon Kedmi, zeichnete nun in einem Interview ein dramatisches Bild der Lage. »Wir nutzen derzeit nur ein Drittel der Kapazität des Flughafens«, sagte Kedmi im israelischen Radiosender Reshet Bet. Grund dafür seien die Flächen und Ressourcen, die durch die amerikanische Militärpräsenz gebunden würden. »70 Prozent der Aktivitäten am Flughafen sind eingeschränkt«, erklärte er weiter.

Die Folgen seien bereits jetzt enorm. Innerhalb von nur zwei Monaten habe die Flughafenbehörde rund 700 Millionen Schekel, umgerechnet rund 220 Millionen Euro, verloren. Sollte die Situation anhalten, könnten sich die Verluste »auf Milliarden summieren«, warnte Kedmi laut Reshet Bet. Ursprünglich seien für dieses Jahr etwa 18 Millionen Passagiere erwartet worden. »Im Moment sieht es aber so aus, als würden wir nicht einmal 15 Millionen erreichen.«

Besonders problematisch: Niemand weiß offenbar, wie lange die US-Militäraktivitäten am Flughafen noch andauern werden. »Wir haben keine Informationen darüber, wann es enden wird. Auch wir befinden uns in einem ständigen Zustand der Unsicherheit«, so Kedmi.

Generaldirektor der israelischen Flughafenbehörde, Sharon Kedmi: »Wir nutzen derzeit nur ein Drittel der Kapazität des Flughafens.«

Bereits Anfang des Monats hatte auch der Leiter der israelischen Zivilluftfahrtbehörde, Shmuel Zakay, Alarm geschlagen. Israelische Medien zitierten ihn mit den Worten, Ben-Gurion habe sich faktisch »in einen Militärflugplatz mit eingeschränkter ziviler Aktivität verwandelt«. Dies schade nicht nur Passagieren, sondern auch den israelischen Fluggesellschaften selbst.

Hinzu kommt: Viele Maschinen israelischer Airlines wurden zu Beginn des Krieges ins Ausland verlegt, damit sie im Falle von Raketeneinschlägen nicht zerstört werden – und sind bis heute nicht vollständig zurückgekehrt. Gleichzeitig meiden zahlreiche internationale Airlines Israel weiterhin aus Sicherheitsgründen. Für Reisende entsteht dadurch eine paradoxe Situation: Einerseits ist der Flughafen vergleichsweise leer, andererseits fehlen Slots, Abstellflächen für die Maschinen und operative Kapazitäten.

Ein kleines Licht am Ende des Tunnels scheint es aber derzeit zu geben: Hintergrund ist ein mögliches Abkommen zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Krieges. Laut Berichten der »Jerusalem Post« bereite sich der Flughafen bereits auf einen raschen Abzug amerikanischer Militärmaschinen vor.

Israelische Behörden seien informiert worden, dass die US-Flugzeuge unmittelbar nach Unterzeichnung eines entsprechenden Abkommens den Flughafen verlassen würden. Geplant sei eine Verlegung innerhalb von 72 Stunden auf Stützpunkte in Europa.

Unklarheit, wann die US-Maschinen verlegt werden

Ein Teil der Maschinen sei bereits auf den nahegelegenen Militärstützpunkt Lod im Süden Israels verlegt worden, der eigens dafür wiedereröffnet worden sein soll.

Gleichzeitig berichten israelische Medien jedoch, dass amerikanische Tankflugzeuge möglicherweise noch bis Ende 2027 in der Region stationiert bleiben könnten. Denn wie konkret ein mögliches Abkommen zwischen Washington und Teheran ist, ist völlig offen. Zwar laufen laut internationalen Berichten weiterhin intensive Gespräche hinter den Kulissen, von einer endgültigen Einigung kann derzeit jedoch noch keine Rede sein. Zu zentralen Fragen, darunter Sicherheitsgarantien, Sanktionen und militärische Präsenz, bestehen offenbar weiterhin erhebliche Differenzen.

Für Reisende von und nach Israel bedeutet dies, dass die Unsicherheit vorerst bleiben dürfte, obwohl die Sommerferien kurz vor der Tür stehen. Denn nun fehlt es nicht mehr nur an Flügen – sondern buchstäblich an Parkplatz.

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