Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Steffen Seibert Foto: picture alliance/dpa

Ein Lied, ein Ausblick, ein Gewürzladen, ein Friedhof, eine Lieblingsspeise und vor allem die Menschen der israelischen Gesellschaft. Das alles wird dem deutschen Botschafter in Israel, Steffen Seibert, bald fehlen, wie er selbst sagt. Denn er sitzt auf gepackten Koffern. In einigen Tagen geht es nach vier Jahren Israel zurück in die alte Heimat, nach Berlin.

In einem Post auf X zählte der scheidende Botschafter kurz vor seiner Abreise in die alte Heimat 25 Gründe auf, warum er Israel vermissen werde:

1. Das legendäre Lied von Arik Einstein »Sa Leat« (Fahr langsam), das »mir niemals aus dem Kopf ging«.

2. Der Trumpeldor-Friedhof, auf dem neben Einstein auch andere israelische Größen begraben liegen.

3. Die Dessertspeise Malabi (auf Hebräisch) oder Muhallebi (auf Arabisch). »Wir werden uns jetzt nicht darüber streiten, woher es ursprünglich kommt«, fügt er augenzwinkernd hinzu.  

4. Der »beste Gewürzladen der Welt«, Havshush  

5. Die »mutigen Israelis und Palästinenser des Parents Circle«

6. Der Kibbuz Be’eri und dessen Einwohnerinnen und Einwohner

7. Die Kunst von Eli Petel

8. Der »schöne und exzentrische Wiedehopf«.

9. Die Judokämpferin Raz Hershko

10. Der Israel-Pfad, »der mir so viel Freude bereitete«. Der Botschafter ist den Wanderweg komplett abgewandert – insgesamt mehr als 1000 Kilometer. Jeden Abschnitt wanderte er an der Seite eines Israeli oder einer Israelin.  

11. Kaffee in der Nacht an einer Tankstelle irgendwo in der Arawa.

12. Die Schwestern des Hospizes St. Charles in Jerusalem

13. Der Blick vom Almagor am Kinneret

14. Poyke, »das Stunden auf dem Feuer war«.

15. Die israelisch-arabischen Pfadfinder mit ihren Dudelsäcken.

16. Shtisel »konnte ich einfach nicht aufhören zu schauen«.

17. Die Liebe und Energie auf dem Platz der Geiseln.

18. Café Mocha in Herzlia

19. »Die beste Klassik-Radiostation der Welt«, Kol Ha’Musika.

20. Die israelischen Aktivisten vom Jordantal, die im Westjordanland als Beschützer fungieren.

21. Das »wundervolle« Buch von Shai Agnon, Only Yesterday, »das ich «natürlich auf Englisch gelesen habe».

22. «Hapoel Jeruschalaim – ich liebe euch.»

23. Das «schöne und traurige» Gedicht «Spring is so fleeting» von David Grossman

24. Die beduinische Gastfreundschaft

25. Das Lied von Shoshana Damari, in dem sie von der «Sonne singt, die in dir ist».

Seibert schließt mit der Sonne im Herzen und einem: «Toda al hakol» – Danke für alles!

Vor rund einer Woche verabschiedete er sich auch bei einem Publikumsgespräch in der Heinrich-Böll-Stiftung in Tel Aviv. Da machte Seibert ganz klar, dass seine vier Jahre als deutscher Botschafter «ihm eine tiefe Zuneigung zu diesem Land» vermittelt hätten.

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Er geht mit «viel Hoffnung für Israel»

Rückblickend auf seine Amtszeit meint er, der Titel der Diskussion, der suggerierte, er habe sich in Israel «verliebt», bevor ihm das Herz gebrochen wurde, sei nur teilweise zutreffend gewesen. «Das Verlieben stimmt», sagt er, «und diese Liebe ist immer noch da».

Obwohl er einräumt, dass sich Israel seit seiner Ankunft, insbesondere nach dem 7. Oktober, dramatisch verändert hat, sieht er immer noch «alles, was ich in diesem Land sah, als ich hierherkam und was mich, wenn man so will, in es verlieben ließ». Trotz seiner Besorgnis über politische Entwicklungen betont er, dass er «viel Hoffnung für Israel» mitnehme.

Steffen Seibert: «Das Verlieben stimmt. Und diese Liebe ist immer noch da.»

Gleichermaßen lehnt Seibert vereinfachende Darstellungen des Landes ab. Obwohl es Politiker gebe, «mit denen ich meine Werte nicht teile», sagt er, gebe es «eine sehr lebendige und dynamische Zivilgesellschaft, die mich jedes Mal aufs Neue ermutigt, wenn ich diese Menschen treffe. Die Welt ist einfach nicht schwarz-weiß. Sie ist sehr komplex.»

Seibert sagt, das Leben in Israel habe ihn persönlich verändert. Die Ereignisse vom 7. Oktober und ihre Folgen hätten ihn tief berührt, und er erinnere sich daran, wie er von der israelischen Tradition der Kondolenzbesuche während der Schiwa erfahren habe. Anfangs sei er unsicher gewesen, ob es angebracht sei, ihm unbekannte Familien zu besuchen. Doch man habe ihm gesagt: «Sie können ruhig hingehen und einfach Anteilnahme zeigen.»

Diese Besuche hätten ihm den Mut gegeben, trauernde Familien zu trösten, was zu «einigen sehr bedeutungsvollen Gesprächen geführt habe, an die ich mich für immer erinnern werde».

Zurück in Berlin habe er vor, sich im ersten Jahr «zu orientieren und schauen, was ich als nächstes mache», sagt er. «Doch dann werde ich wieder nach Israel kommen – und zwar regelmäßig. Denn ein großer Teil meines Herzens wird hierbleiben.»

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