Meinung

Nein, und nochmals nein!

Esther Schapira Foto: Chris Hartung

Meinung

Nein, und nochmals nein!

Der rechtsextreme Minister Itamar Ben-Gvir sagt, das Gesetz zur Todesstrafe werde dem Volk Israel »den Stolz zurückbringen«. Dabei steht es im Widerspruch zu fundamentalen Werten des Judentums

von Esther Schapira  31.03.2026 16:14 Uhr

Nein, und nochmals nein. Es gibt viele Begründungen für das neue Gesetz zur Todesstrafe. Sie sind alle falsch. Wer die Todesstrafe für palästinensische Terroristen vorsieht, der versündigt sich am Rechtsstaat, und da der in Israel noch funktioniert, wird der oberste Gerichtshof dieses rechtsextreme Wahlkampfgetöse hoffentlich einkassieren. Dieses Gesetz zielt auf die niedersten Instinkte von Rache und entfesselter Wut zutiefst traumatisierter Menschen, denen der rechtsextremistische Minister Itamar Ben-Gvir Sicherheit verspricht.

»Abschreckend« soll es wirken – aber welcher Terrorist, der davon träumt, Märtyrer zu werden, lässt sich ausgerechnet durch die Todesstrafe abschrecken? »Gerechtigkeit für die Opfer« verspricht Ben-Gvir und ein Gesetz, das dem Volk Israel »den Stolz zurückbringen« werde. Was für eine Anmaßung!

Das Überleben des zionistischen Traums wird nicht militärisch entschieden, sondern moralisch.

Stolz ist das israelische Volk auf seine Demokratie, die es bereits vor den Hamas-Angriffen vom 7. Oktober 2023 gegen die eigene Regierung auf der Straße verteidigt hat. Woche für Woche. Der Zionismus ist das Versprechen, ein freies jüdisches Volk in einem freien, demokratischen Land Israel zu sein. Am 8. Mai 1948 wurde dieses Versprechen erfüllt. Auch den Opfern der Schoa widerfuhr damit Gerechtigkeit. Dieses Land gegen alle Angriffe von außen und innen zu verteidigen und gegen alle Widerstände und Feinde, eine lebendige, freie, streitbare Gesellschaft und ein blühendes Land aufgebaut zu haben, das macht Juden in aller Welt stolz.

Der 7. Oktober wurde zur größten Bewährungsprobe seit der Staatsgründung. Das Volk hat sie grandios bestanden. Mit Mut, mit Resilienz, mit der bedingungslosen Liebe zum Leben. Das Volk, nicht Politiker, die mit einem Henkersknoten am Revers die Würde des Menschen verhöhnen. Die entscheidende Schlacht zum Überleben des zionistischen Traums nämlich wird nicht militärisch gewonnen, sondern moralisch.

Lesen Sie auch

Wer zweierlei Recht auf Leben einführt, der versündigt sich am Rechtsstaat und zugleich an den fundamentalen Werten des Judentums. Die Verrohung unserer Feinde darf niemals zur Vorlage unseres Handelns werden.

Die Autorin ist Journalistin, Preisträgerin der Buber-Rosenzweig-Medaille und lebt in Frankfurt.

Beirut

Israel: Haben hochrangigen Hisbollah-Kommandeur getötet

Im Krieg zwischen Israel und der libanesischen Terrororganisation ist keine Deeskalation in Sicht. In der Nacht trifft ein heftiger israelischer Angriff erneut Ziele in Beirut

 01.04.2026

Ramallah

Generalstreik: Palästinenser protestieren gegen israelisches Todesstrafe-Gesetz

Ein Generalstreik legt das Westjordanland und Ost-Jerusalem lahm. Palästinenser protestieren gegen das neue israelische Gesetz zur Todesstrafe für Terroristen

 01.04.2026

Wahlkampf in Israel

Opposition stellt Netanjahus Kriegsbilanz infrage

Der Ministerpräsident sei »nicht in der Lage, eine strategische Lösung zu erreichen«, sagt Oppositionsführer Jair Lapid

 01.04.2026

Nahost

11-jähriges Mädchen bei iranischem Streubombenangriff schwer verletzt

Die Lage im Überblick

 01.04.2026

Meinung

Hauptsache, Israel steht am Pranger!

Palmsonntag in Jerusalem und auf Social Media: Ein Rückblick

von Wolf J. Reuter  01.04.2026

Standpunkt

Die Militäroperation gegen das Mullah-Regime ist die Chance für den Nahen und Mittleren Osten

Ein Gastbeitrag von Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter (CDU) und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses

von Roderich Kiesewetter  31.03.2026

Krieg

Israel geht von Sturz der iranischen Führung aus

Vom Iran geht laut Israels Regierungschef Netanjahu derzeit keine existenzielle Bedrohung mehr für Israel aus. Er sagt, Irans Führung sei »schwächer denn je«

 31.03.2026

Faktencheck

Gerüchte über Netanjahus Tod werden unbelegt verbreitet

Im Iran-Krieg wird immer wieder behauptet, der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sei tot. Aktuelle Videos von ihm sollen KI-generiert sein. Doch dafür gibt es keinen Beleg

 31.03.2026

Analyse

Ist das wirklich nicht unser Krieg?

Ein atomar bewaffneter Iran wäre nicht nur ein Albtraum für Israel, sondern auch eine reale Bedrohung für Europa

von Roman Haller  31.03.2026