Nea Weissberg-Bob

Lautes Schweigen

Nea Weissberg-Bob schreibt an einen deutschen Freund

04.06.2009 – von Alice LanzkeAlice Lanzke

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Wie schreibt man über das Schweigen? Mit vielen Worten, die die Stille durchbrechen, oder mit wenigen, die sie illustrieren? In ihrem Buch Das Glück hat mich umarmt geht Nea Weissberg-Bob beide Wege: In Briefen an einen deutschen Freund beschreibt sie das Schweigen ihrer Eltern, die als polnische Juden die Schoa überlebten, zunächst nur in Fragmenten. Langsam nähert sich der Roman dieser Wortlosigkeit, bevor es immer mehr fließt. Das Zögern liegt auch am Adressaten. Der anonyme Brieffreund ist ein Nichtjude, vielleicht ein Täterkind. Indem sie immer mehr über das Aufwachsen in ihrer Familie berichtet, über die tiefen und doch un-
ausgesprochenen Verletzungen, begeht Nejusch, das Pseudonym, unter dem Weiss
berg-Bob ihr Buch veröffentlicht hat, einen Tabubruch.
Die Geschichte, die Weissberg-Bob erzählt, ist authentisch und dennoch Literatur: „Die Figur: Das bin ich und bin es doch nicht“, sagt die Autorin und Gründerin des Lichtig-Verlags dazu. Immer wieder sei sie gefragt worden, ob ihre Eltern im Konzentrationslager gewesen seien. „Ich wollte zeigen, dass es auch ohne KZ gereicht hat.“ In nur neun Monaten sei das Buch aus ihr herausgeflossen, das Schreiben habe wie eine Katharsis gewirkt.
Tatsächlich ist es schmerzhaft, die Zweifel und Zerrissenheit der Briefeschreiberin zu verfolgen. Die Nähe, mit der sie immer größere Teile ihrer Geschichte offenbart, nimmt den Leser gefangen, weil sie schonungslos ehrlichwirkt. Weissberg-Bob betont, dass sie lange überlegt habe, was sie preisgebe, Namen und Orte wurden geändert, um ihre Familie zu schützen. Für den Leser wünsche sie sich, dass er die Perspektive des nichtjüdischen Brieffreundes einnähme. Als dieser liest, was Nejuschs Vater von dem Pogrom in Lemberg erzählt, ist er vollends überfordert – sie solle nicht mehr in der „braunen Brühe herumstochern“. Mit diesem Bruch endet das Buch. Dennoch hat Weissberg-Bob keine Anklageschrift verfasst: „Es ging mir nicht um Abrechnung, sondern darum zu sagen: Passt auf, da sind diese Wunde und dieser Schmerz.“ Das ist ihr gelungen. Alice Lanzke

nea weissberg-bob, nejusch:
„das glück hat mich umarmt.
ein briefroman“
Lichtig Verlag, Berlin 2008, 170 S,, 21,50 €

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