Geiseln

Idan ist endlich zu Hause

Idan Shtivi Foto: Sabine Brandes

Geiseln

Idan ist endlich zu Hause

Die Leiche von Idan Shtivi, den die Hamas vom Nova-Festival entführte, wurde von der IDF in Gaza geborgen und zurückgeführt

von Sabine Brandes  31.08.2025 09:48 Uhr

Idan Shtivi, der junge Mann mit dem einnehmenden Lächeln, ist endlich nach Hause zurückgekehrt – und seine Familie kann Abschied nehmen. Am Samstag gaben die Sicherheitskräfte in Israel bekannt, dass es sich bei der zweiten in Gaza geborgenen Geisel um den 28-Jährigen handele. Die Armee hatte seinen und den Leichnam von Idan Weiss am Freitag in der Palästinenserenklave geborgen und nach Hause überführt.

Beide Männer seien wahrscheinlich bereits am 7. Oktober 2023 ermordet worden, als die Terrororganisation Hamas in einem verheerenden Angriff südliche Gemeinden in Israel überfiel, mehr als 1200 Menschen tötete und 251 als Geiseln nach Gaza verschleppte.

Idan Shtivi kam nie wieder bei seiner Freundin an

Im Chaos des Angriffs verkörperte Idan Shtivi stillen Heldenmut. Er besuchte das Nova-Musikfestival in der Nähe von Re’im, um Freunde zu fotografieren, die dort Workshops veranstalteten. Doch nach nur einer Stunde begann der Raketenhagel aus Gaza, gefolgt von mordenden Massen, die das Festival überfielen. Shtivi rief seine Freundin an und sagte ihr, dass er sich auf den Rückweg mache. Doch er kam nie an.

Lesen Sie auch

Inmitten von Schüssen und Panik habe Shtivi alles unternommen, um Menschen aus der Gefahrenzone in Richtung Norden zu bringen, berichteten Augenzeugen später. Sein Fahrzeug wurde von Terroristen angegriffen, Tage später wurden die Leichen zweier Freunde entdeckt, die er zu retten versuchte. Er selbst verschwand, wurde zunächst als vermisst gemeldet.

Am 7. Oktober 2024, genau ein Jahr nach dem Angriff, gab die IDF bekannt, dass Shtivi während des ersten Angriffs getötet worden war und seine Leiche von der Hamas als Verhandlungsmasse festgehalten werde.

Premier Netanjahu: »Idan war ein mutiger Mann.«

Der Student der Umwelt- und Politikwissenschaften lebte in Tel Aviv und hatte vor, mit seiner Freundin und seinem Hund in eine neue Wohnung zu ziehen. Shtivi war großer Naturliebhaber, Camping- und Musikfan und wurde von seinen Angehörigen als einfallsreicher Mensch beschrieben, der ein riesengroßes Herz habe. Er habe geplant, im Energiesektor zu arbeiten, um den Klimawandel zu bekämpfen, und wollte sich einem Freiwilligenprogramm in Afrika anschließen.

Nach seiner Entführung sagte seine Familie, das Leben sei wie ein nicht enden wollender Albtraum geworden. Idan Shtivi hinterlässt seine Eltern Eli und Dalit, drei Geschwister und seine Partnerin Stav.

Premierminister Benjamin Netanjahu verkündete die Bergung mit den Worten: »Im Rahmen einer Sonderoperation der israelischen Streitkräfte und des Schin Bet in Gaza haben wir Idan Shtivis Leiche nach Hause gebracht. Nach der Identifizierung durch das Institut für Rechtsmedizin wurde seine Rückführung heute Abend zur Veröffentlichung freigegeben.«

Auch die Leiche von Ilan Weiss wurde zurückgeführt

»Idan war ein mutiger Mann. Am 7. Oktober 2023 besuchte er das Nova-Musikfestival. Als der Terroranschlag begann, handelte er, um viele der Teilnehmer zu evakuieren und zu retten. Im Zuge seiner Aktionen wurde er ermordet, und seine Leiche wurde von der Terrororganisation Hamas nach Gaza entführt«, so der Premier weiter.

Shtivi ist das zweite Entführungsopfer, dessen Leichnam bei der IDF-Aktion in Gaza geborgen wurde. Einen Tag zuvor bereits war der von Ilan Weiss aus dem Kibbuz Be‘eri nach Hause zur Beerdigung gebracht worden. 48 Geiseln befinden sich weiterhin in der Gewalt der Hamas Gaza, 20 davon sollen nach israelischen Einschätzungen noch am Leben sein.

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  10.01.2026

Knesset

In den Startlöchern

Israels Parteien bereiten sich auf die Wahl vor

von Sabine Brandes  10.01.2026

Nachrichten

Wetter, Katargate, Bevölkerung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  10.01.2026

Kommentar

Ärzte mit Grenzen

Die Waffen schweigen weitgehend in Gaza, der Informationskrieg tobt weiter. Ein besonders niederträchtiges Beispiel liefert »Ärzte ohne Grenzen«

von Wolf J. Reuter  10.01.2026 Aktualisiert

Kommentar

Die Proteste im Iran und die blamable Berichterstattung von ARD und ZDF

Die Mullahs sollen weg, der Schah soll kommen: Dafür hat die Linke gerade keine Erklärung parat - und mit ihr auch nicht die links geprägten Redaktionen des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks

von Christoph Lemmer  10.01.2026

Gesellschaft

»Habaita« – das Wort des Jahres in Israel

Ein simpler hebräischer Ausdruck aus drei Silben bezeichnet das Gefühl eines ganzen Landes

von Sabine Brandes  10.01.2026

Iran

Netanjahu zu den Protesten im Iran: »Wir stehen an eurer Seite«

Jerusalem beobachtet genau, wie das Regime in Teheran auf die Demonstrationen reagiert

von Sabine Brandes  10.01.2026 Aktualisiert

Belgien

Außerhalb des Völkerrechts

Die belgische Regierung verweigert einer Staatsangehörigen die konsularische Betreuung, weil sie in einer von Brüssel nicht anerkannten israelischen Siedlung lebt

 09.01.2026

Westjordanland

Israelische Siedler attackieren Palästinenser bei Deir Scharaf

Israelische Sicherheitskräfte nehmen Tatverdächtige fest

 09.01.2026