Würzburg

Zwei Koffer mehr

Marat Gerchikov, stellvertretender Vorsitzender der Würzburger Gemeinde mit Schülern des Matthias-Grünewald-Gymnasiums neben dem Koffer in der Würzburger Innenstadt Foto: Stefan W. Römmelt

Würzburg

Zwei Koffer mehr

Das Deportationsdenkmal in der Innenstadt wurde erweitert

von Stefan W. Römmelt  05.11.2020 08:50 Uhr

Seit Kurzem ist der »DenkOrt Deportationen«, das von Zentralratspräsident Josef Schuster mitkonzipierte Mahnmal für die Deportation von 2069 unterfränkischen Juden, um zwei Koffer erweitert worden. Somit sind 47 unterfränkische Gemeinden mit einem Koffer im zentralen Mahnmal auf dem Würzburger Bahnhofsvorplatz vertreten. Hinzu kommt jeweils ein Koffer in den beteiligten Gemeinden – insgesamt existierten vor 1933 in Unterfranken 109 jüdische Gemeinden.

Im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld, in der Nähe des ehemaligen Standorts der prächtigen Barocksynagoge, erinnert ein Koffer aus Beton an 700 Jahre jüdische Geschichte im »Städtle«. Gefertigt hatten ihn Schüler der Berufsschule »Josef Greising«. Schulleiter Joseph Schweiger wies bei der Präsentation darauf hin, dass die Vermittlung des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte durch solche Objekte für die nächste Generation greifbarer werde.

Oberrabbinat Wie Schuster bei der Präsentation betonte, war die Heidingsfelder Gemeinde sogar lange die bedeutendere der beiden Gemeinden im Stadtgebiet: Dort hatte das Oberrabbinat seinen Sitz. Zur Hochzeit der jüdischen Gemeinde war rund ein Fünftel der Heidingsfelder Juden.

Der neue Koffer wurde von Schülern des Würzburger Matthias-Grünewald-Gymnasiums entworfen.

Auf die bevorstehende Präsentation des zweiten, von Schülern des Würzburger Matthias-Grünewald-Gymnasiums entworfenen Koffers in der Würzburger Innenstadt wies Schuster in seiner Ansprache ebenfalls hin: »Die zwei jüdischen Gemeinden in Heidingsfeld und Würzburg waren damals räumlich getrennt voneinander. Die Deportationen haben also in der Stadt und in Heidingsfeld stattgefunden, deswegen finde ich es richtig und historisch korrekt, wenn ein symbolisches Gepäckstück sowohl in Heidingsfeld als auch in der Innenstadt daran erinnert.«

Widerstand Bei der Veranstaltung im Würzburger Stadtzentrum am 29. Oktober vertrat Marat Gerchikov von der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken den Zentralratspräsidenten. In seiner von Gerchikov verlesenen Ansprache wies Schuster darauf hin, dass nur sehr wenige jüdische Würzburger die Schoa überlebten und es kaum Widerstand in der Würzburger Bevölkerung gab.

»Aber 75 Jahre nach dem Ende der Schoa stellen wir fest, dass es wieder jüdisches Leben in Würzburg und in Deutschland gibt«, konstatierte Schuster. Die Juden seien ein anerkannter Teil der Gesellschaft, es sei den Nazis nicht gelungen, das Judentum zu vernichten. »Wir sind da! Wir gehören dazu, und das wird auch so bleiben. Das ist ein Grund zur Freude!«

Er wies auf den »unerträglich steigenden Antisemitismus in den vergangenen Jahren« hin. »Der alte Sündenbock ist wieder da und Zielscheibe für Anschläge und Hass.« Schuster dankte Benita Stolz, Vorsitzende des Vereins »DenkOrt Deportationen«, der Stadt Würzburg und ihrem Oberbürgermeister für ihr Engagement. »Dieses Denkmal fällt auf, ohne eine Botschaft sozusagen mit der Faust aufs Auge zu haben«, betonte Schuster. »Es schockiert nicht, einen Koffer zu sehen. Aber es regt zum Nachdenken und hoffentlich auch zur Neugierde an.«

Hessen

Brandanschlag auf Gießener Synagoge: Was bislang bekannt ist

Ein 32-jähriger Mann hat am Dienstag vor der Beith-Jaakov-Synagoge einen Papiercontainer in Brand gesetzt und den Hitlergruß gezeigt. Die Jüdische Gemeinde zu Gießen vermutet einen antisemitischen Hintergrund

von Michael Thaidigsmann  14.01.2026

Thüringen

Juden fordern klare Haltung zu Iran-Protesten

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, zeigt sich solidarisch mit den Demonstranten im Iran und wirbt für deren Unterstützung

 14.01.2026

Programm

Lesung, Führung, Erinnerung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 15. Januar bis zum 22. Januar

 14.01.2026

Berlin

»Wie es wirklich war«: Schoa-Überlebende als Hologramme  

Wie es mit dem Erinnern an die NS-Verbrechen weitergeht, wenn diejenigen, die aus erster Hand berichten können, nicht mehr da sind, wird bei einer Konferenz in Berlin erörtert

von Leticia Witte  14.01.2026

Ignatz-Bubis-Preis

»Den Menschen und dem Leben zugewandt«

Salomon Korn hat die Auszeichnung der Stadt Frankfurt am Main erhalten. Wir dokumentieren hier die Laudatio seines langjährigen Weggefährten Dieter Graumann

von Dieter Graumann  13.01.2026

ZWST

»Wir müssen wütender werden«

Ricarda Theiss, Leiterin des Fachbereichs Frauen, über die Praxis Sozialer Arbeit, Alltagserleben und patriarchalische Machtverhältnisse

von Katrin Richter  13.01.2026

Erinnerungskultur

Bund fördert Projekte zu NS-Zeit und deutscher Teilung

Der Bund fördert in den kommenden Jahren neue Projekte in Gedenkstätten

 13.01.2026

Auszeichnung

Vier Deutsche mit Obermayer Awards ausgezeichnet

Seit dem Jahr 2000 verleiht die amerikanische Obermayer-Stiftung jährlich einen Geschichtspreis an Heimatforscher und Gedenk- und Aufarbeitungsprojekte in Deutschland. In diesem Jahr werden vier Personen und eine Initiative geehrt

 13.01.2026

Bergen-Belsen

Bahn-Neubau: KZ-Gedenkstätte mahnt Abstand zu Gedenkort an

Die Bahn will voraussichtlich mit einem Neubau die Strecke zwischen Hamburg und Hannover ertüchtigen. An den Plänen gibt es auch Kritik. Die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen sieht einen historischen Erinnerungsort in Gefahr

von Karen Miether  13.01.2026