Regensburg

Zurück ins Gedächtnis

Josef Schuster (M.) schaltet das Portal frei. Foto: Harald Raab

»Das jüdische Bayern gewinnt sein Gesicht wieder.« Mit dieser Feststellung wies Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle gemeinsam mit Zentralratspräsident Josef Schuster einem umfangreichen Online-Projekt des Hauses der Bayerischen Geschichte hohen Stellenwert zu. Es gehe darum, wachsendem Antisemitismus durch Erinnerung und Wissen den Boden für Hetze und Verbreitung von Hassbotschaften zu entziehen. Gestärkt werden soll das Bewusstsein: Das reichhaltige Wirken jüdischer Gemeinden, großer Rabbiner, Wissenschaftler und Gelehrter ist ein untrennbarer Teil der deutschen Geschichte.

Bevor der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland das Portal »Jüdisches Leben in Bayern« am vergangenen Freitag in der »Bavariathek« des Regensburger Museums freischaltete, betonte er: »Jüdisches Leben war und ist vielfältig.« Es sei, so Schuster, »eine Jahrhunderte währende Geschichte von einerseits Verfolgung, Ausgrenzung und Pogromen bis zum größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte im 20. Jahrhundert«. »Es ist aber nicht nur eine Opfergeschichte. Juden waren nicht in allen Phasen Opfer.«

BRÜCKE Das Haus der Bayerischen Geschichte habe mit dem »einmaligen Online-Projekt« das Leben der Juden Bayerns zurück ins heutige Gedächtnis der Menschen gebracht. Mit dem Projekt werde eine Brücke zwischen Juden und Nichtjuden gebaut und es trage damit »ganz wesentlich zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft« bei. »Dafür mein aufrichtiger Dank.« Josef Schuster dankte vor allem Ludwig Spaenle. Der Beauftragte der bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus habe die Initiative zu dem Vorhaben ergriffen und das historische Archivmaterial der jüdischen Gemeinden Deutschlands, das in Jerusalem aufbewahrt wird, dafür zugänglich gemacht.

Das Portal stellt mehr als 300 Synagogen und ihre Gemeinden, 110 Friedhöfe und 90 Gedenkstätten vor.

Das Onlineportal ist ein Beitrag zum Festjahr »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«. Es wurde mit Rückgriff auf vorherige Arbeiten des Hauses der Bayerischen Geschichte und auf das fünfbändige Werk des emeritierten Theologieprofessors Wolfgang Kraus zur Geschichte der Synagogen in Bayern in nur einem Jahr auf den Weg gebracht. Das Portal ist zu zwei Drittel fertiggestellt, wie Projektleiter Wolfgang Jahn erläuterte.

Insgesamt werden mehr als 300 Synagogen und ihre Gemeinden, 110 Friedhöfe und 90 Gedenkstätten vorgestellt. Auf einer Bayern-Karte werden jüdische Orte von A wie Abensberg bis Z wie Zirndorf vorgestellt. In fünf Modulen können Informationen zu Gemeinden, Synagogen, Friedhöfen, Gedenktafeln und Zeitzeugen abgerufen werden.

BEGEGNUNG Für Zentralratspräsident Josef Schuster gab es dabei eine besonders erinnerungsträchtige Begegnung: Sein Vater, David Schuster, tritt unter den 50 Zeitzeugen auf. Er berichtet von der Beschlagnahmung des Bad Brückenauer Familien­hotels 1933 durch die Nationalsozialisten und die Rückerstattung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Allen Zeitzeugen ist gemeinsam: Sie berichten prägende Erlebnisse vom alltäglichen Antisemitismus in der Zeit der Weimarer Republik über das Grauen der Pogrome in den zwölf Jahren der NS-Diktatur bis zum mutigen Entschluss jüdischer Menschen, Deutschland trotz alledem wieder zu ihrer Heimat zu machen.

Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, ist unterdessen sicher, dass von dem neuen Onlineportal Impulse für Aktivitäten in anderen Bundesländern ausgehen könnten. Mit dem Jüdischen Museum Berlin, das ein ähnliches Vorhaben auf den Weg gebracht hat, stehe man in engem Austausch.

78 Jahre Israel

Masal Tow

Auf den Gedenktag Jom Hasikaron folgt der Unabhängigkeitstag Jom Haazmaut. Wir haben Jüdinnen und Juden gefragt, was sie dem Land wünschen

von Katrin Richter  21.04.2026

Gesellschaft

»Ich lasse das nicht in mein Leben«

Yuval Amshalem zieht der Liebe wegen nach Berlin. Bei der Online-Wohnungssuche sah der 24-Jährige sich mit einem antisemitischen Shitstorm konfrontiert, auf den der AI-Experte entspannt reagiert. Ein Gespräch über Ziele im Leben

von Sophie Albers Ben Chamo  21.04.2026

Berlin

Abbruch nach Antisemitismus bei Makkabi-Spiel

Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts der antisemitischen Volksverhetzung und Beleidigung

 20.04.2026

Essay

Darf es mir gut gehen …?

Die Welt brennt an allen Ecken und Enden. Unsere Autorin Barbara Bišický-Ehrlich plädiert für die Hoffnung als Lebensprinzip in dunklen Zeiten

von Barbara Bišický-Ehrlich  20.04.2026

Porträt der Woche

Der Klang eines neuen Lebens

Hannah Katz stammt aus Boston und fühlt sich, auch wegen der Musik, in Berlin zu Hause

von Alicia Rust  19.04.2026

Gedenken

Das Buch der Erinnerung

Zu Jom Haschoa las Ilan Birnbaum aus den Schilderungen seines Vaters

von Luis Gruhler  19.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Wir Juden sollten uns nicht verstecken. Wir sollten offen, laut und stolz sein - auch und insbesondere auf den jüdischen Staat

von Daniel Neumann  17.04.2026

Gedenken

Chemnitz erhält 19 weitere Stolpersteine

Die Stolpersteinverlegung beginnt am Mittwoch, 6. Mai

 17.04.2026

»Paul-Spiegel-Filmfestival«

Sieben gute Filme

In Düsseldorf beginnen das Festival unter dem Motto »Jüdische Welten« mit einem besonderen Gast vor jedem Film

 16.04.2026