Berlin

Zu Gast bei Freunden

Mit einigen Tagen Verspätung hat die israelische Botschaft gestern Abend zum Empfang anlässlich des 65. Unabhängigkeitstages des Staates Israel ins Berliner Hotel Intercontinental geladen. Der Ehrengast war in diesem Jahr der deutsch-israelische Starkoch Tom Franz, Gewinner der Fernsehshow »Masterchef«. Er war gemeinsam mit seiner Frau Dana gekommen und signierte am Eingang einen von der Botschaft herausgegebenen Sonderdruck mit Kostproben seiner Rezepte. Zahlreiche, vor allem weibliche, Gäste standen Schlange, um sich mit dem fast zwei Meter großen Blonden fotografieren zu lassen.

Unter den Gästen waren neben Politikern, Diplomaten und Militärs auch Zentralratspräsident Dieter Graumann, der ehemalige israelische Botschafter Shimon Stein, die Verlegerin Friede Springer, der Schriftsteller Rafael Seligmann, Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und die Rabbiner Walter Rothschild und Yitshak Ehrenberg.

Für Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman war es der zweite Botschaftsempfang zum Jom Haazmaut während seiner Berliner Amtszeit. In der Begrüßungsrede würdigte er die stabilen und engen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, die sich unter Bundeskanzlerin Angela Merkel noch weiter verbessert hätten. Dass die Kontakte zwischen beiden Ländern so gut sind, so Hadas-Handelsman weiter, sei auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zu verdanken, der gleich nach dem Botschafter das Podium im Veranstaltungssaal des Interconti betrat.

DEBATTEN Westerwelle betonte als Erstes, »bei Freunden zu Gast« zu sein. Die deutsch-israelische Freundschaft, so der Minister, sei jedoch »mehr als das Ergebnis unserer Geschichte«. Sie beruhe vielmehr auf gemeinsamen demokratischen Werten. In Anspielung auf das berüchtigte Gedicht von Günter Grass, in dem der Literaturnobelpreisträger dem jüdischen Staat vorwarf, den Weltfrieden zu gefährden, sagte Westerwelle, ihn habe daran vor allem der Gestus »Das wird man doch wohl sagen dürfen« geärgert. Wer die Debatten in der Knesset und in der israelischen Öffentlichkeit verfolge, der wisse, dass dort offen und unzensiert über alles debattiert werde, betonte der Außenminister.

Westerwelle appellierte an die Deutschen, sich in die Situation der Israelis hineinzuversetzen. »Deutschlands Jugend kennt keinen Krieg mehr, für ihre israelischen Altersgenossen ist er Realität.« Man solle sich einmal vorstellen, »was es für die eigenen Kinder bedeuten würde, ständig beschossen zu werden«. Der Außenminister schloss, nun wieder ganz diplomatisch, mit einem Bekenntnis zu einem »gerechten Frieden« und zur Zwei-Staaten-Lösung.

SCHAKSCHUKA Auf Westerwelle folgte die Schauspielerin Veronica Ferres, die in ihrer Funktion als Botschafterin von Hadassah International eingeladen war und in einer kurzen Rede an die ungarische Widerstandskämpferin Hannah Szenes erinnerte, die bereits nach Eretz Israel emigriert war und 1943 freiwillig nach Europa zurückkehrte, um Juden zu retten. Das offizielle Programm wurde musikalisch umrahmt vom A-cappella-Trio »Die drei Kantoren«, bestehend aus Amnon Seelig und zwei weiteren Kantorenstudenten des Abraham Geiger Kollegs, die die Hatikva sowie Lieder aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges sangen.

Anschließend wurde das koschere Buffet eröffnet. Besonderheit war in diesem Jahr die von Tom Franz zubereitete Schakschuka, die reißenden Absatz fand. Warum er nicht sein berühmtes Reibekuchenrezept mitgebracht hat, mit dem er die Jury der israelischen Kochshow überzeugte? »Ich wollte zum Unabhängigkeitstag etwas traditionell Israelisches kochen«, so der Masterchef, »und was könnte israelischer sein als Schakschuka?«

Dresden

Tora-Projekt wird verlängert

Mitten in Dresden wird derzeit in aller Öffentlichkeit eine Tora-Rolle geschrieben. Das Projekt soll jüdisches Leben sichtbar machen. Die Schreiberin sitzt in einem gläsernen Pavillon

 14.10.2026

Gedenken

Vier Stolpersteine erinnern in Erfurt an Familie Rosenblüth

Ein Poesiealbum bewahrte die Erinnerung an eine jüdische Mitschülerin über Generationen. Am 9. November werden in Erfurt vier Stolpersteine für Sara Rosenblüth und ihre drei Töchter verlegt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Meilenstein

Endlich Batmizwa

Unsere Autorin hatte vor Kurzem ihren großen Tag. Wie sie sich darauf vorbereitet hat, was ihr Dvar Tora war und wie das Motto ihrer Party lautete, das hat sie uns erzählt

von Madeleine Prinz  13.10.2026

München

Einstimmige Zwiesprache

Kunstexperte Konrad Bernheimer stellte seine Familiengeschichte zwischen Südamerika und Deutschland in Briefen an den Vater vor

von Vivian Rosen  13.10.2026

9. November

Bautzen erinnert an Novemberpogrome 1938

Der Bautzener Kornmarkt war Schauplatz der Novemberpogrome von 1938. Eine temporäre Installation soll am authentischen Ort an NS-Opfer erinnern

 13.10.2026

Berlin

Guy Katz mit Margot-Friedländer-Preis ausgezeichnet

Geehrt wurden neben dem Hochschullehrer, eine Europaschule und ein Projekt des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend

 13.10.2026

Frankfurt

Vielfalt an Stimmen

Erstmals wurde der Georg-Stefan-Troller-Preis vergeben - auch an zwei Journalisten der Jüdischen Allgemeinen

von Anja Baumgart-Pietsch  12.10.2026

Berlin

Jüdische Kulturtage müssen Hauptausstellung absagen

Wegen einer Finanzierungslücke fällt die Ausstellung aus. Die Jüdische Gemeinde kritisiert die Förderentscheidung des Senats

 12.10.2026