Nicole Faktor

»Die WIZO ist wichtiger denn je«

WIZO-Deutschland-Präsidentin Nicole Faktor Foto: privat

Nicole Faktor

»Die WIZO ist wichtiger denn je«

Die Präsidentin von WIZO Deutschland über Empowerment für Frauen, eine Hotline für Männer und einen Festakt zum 100-jährigen Bestehen

von Heide Sobotka  16.01.2020 10:04 Uhr

Frau Faktor, die WIZO feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Wie wichtig ist sie heute noch im sozialen Gefüge Israels?
Ich denke, wichtiger denn je. Die Gewichtung hat sich vielleicht etwas verschoben, weil das Empowerment der Frauen sehr viel stärker geworden ist als zu Zeiten der Entstehung der WIZO. Damals standen natürlich die Kinder und Mütter im Vordergrund. Heute geht es auch um die Karriere der Frauen, um die Stärkung von Frauenrechten. In diesem Punkt ist die WIZO sogar an der Gesetzgebung beteiligt. Die Männer sind ebenfalls in den Fokus gerückt, wir haben spezielle Hotlines eingerichtet. WIZO ist eine der großen Wohltätigkeitsorganisationen in Is­rael und weltweit die größte Frauenorganisation. Wir – also rund 50 Föderationen weltweit – betreuen rund 800 Projekte in Israel.

Welche Rolle spielt WIZO Deutschland im Rahmen der weltweit agierenden WIZO?
Was die finanzielle Unterstützung angeht, rangierten wir im vergangenen Jahr auf Platz drei und hoffen, dass wir das wieder erreichen. Die Gewichtung richtet sich nach dem finanziellen Beitrag, den wir geleistet haben. Wir betreuen insgesamt circa 15 Projekte. Es gibt andere Föderationen, die vielleicht mehr Programme fördern, aber möglicherweise finanziell weniger investieren können.

Hat sich damit auch das Standing der deutschen Gruppe innerhalb der WIZO verändert?
WIZO Deutschland hatte eigentlich immer ein hohes Ansehen weltweit. Und die Tatsache, dass wir den Platz auch über viele Jahre gehalten haben, ist beachtenswert. Das ist nicht überall so, es hat natürlich auch damit zu tun, dass Deutschland einfach wirtschaftlich gut dasteht. Die Südamerikaner waren früher einmal stark, aber wenn es dem Land schlecht geht, geht es den Leuten schlecht. Insofern ist dann auch das Spendenaufkommen ein anderes.

Gibt es Projekte, die WIZO Deutschland in diesem Jubiläumsjahr angeht?
Zum Jubiläum planen wir zwei größere Veranstaltungen, die sehr wichtig sind und deutschlandweit wirken sollen. Da ist zum einen die Ausstellung »100 Jahre WIZO«, die ihren Auftakt im neu gestalteten Jüdischen Museum in Frankfurt haben wird. Dazu gehört dann auch der Festakt für WIZO Deutschland. Das Datum steht wegen der Bauverzögerung beim Museum noch nicht fest. Es wird gegen Ende des Jahres sein. Die Ausstellung soll dann auf Wanderschaft gehen und in möglichst vielen Städten zu sehen sein.

Vor welche Aufgaben wird die WIZO in den kommenden Jahren gestellt werden?
Was schon jetzt viel Anklang findet und was wir weiter fördern möchten, ist die Stärkung von Frauen aus Randgruppen. Dann gibt es drusische Frauen, die wir durch Workshops und Leadership-Programme unterstützen möchten, damit sie vielleicht ein kleines Geschäft aufnehmen oder ansatzweise eine Karriere beginnen können. Ein großes Thema sind auch orthodoxe Frauen, die unsere Hilfe benötigen, wenn sie beispielsweise Schwierigkeiten in der Familie haben oder im Falle einer Scheidung. Ich möchte sagen: Wir versuchen, die gesamte Bandbreite der israelischen Gesellschaft zu bedienen. Wir sind gerade auch in Deutschland sehr erfolgreich, weil wir eben nicht auf die Religion oder die Herkunft achten. Und ich denke, es gibt sehr viele Beispiele an Koexistenz, Aufklärung und Miteinander, die hier übernommen werden könnten. Ich hoffe, dass es diesbezüglich weitergehen wird.

Mit der Präsidentin von WIZO Deutschland sprach Heide Sobotka.

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