Berlin

»Wir sind stolz auf Sie«

Die russischsprachigen Zuwanderer haben der jüdischen Gemeinschaft Deutschlands nicht nur mehr Dynamik, Substanz und Vitalität gebracht. Sie haben auch deren Sichtweise deutlich verändert. Dies sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, am Mittwoch beim Jahrestreffen des Veteranenverbandes in Berlin.

Vor den rund 40 ehemaligen Rotarmisten und Schoa-Überlebenden betonte Graumann: »Wir, die wir hier schon waren, haben uns immer nur als Opfer des Zweiten Weltkriegs gesehen. Sie haben uns eine andere Perspektive gezeigt: Juden sind auch Sieger über den Faschismus«. Ohne diesen Sieg gebe es heute weder eine jüdische Gemeinschaft in Deutschland oder Europa noch den Staat Israel.

Gleichwohl gelte es daran zu erinnern, dass jüdisches Leben nicht für alle Zeit sicher sei. Doch die Veteranen hätten deutlich gemacht, dass, wer Juden angreift, am Ende scheitern wird. »Das jüdische Volk ist stark«, so Graumann. Er unterstrich, dass 500.000 jüdische Soldaten in der Roten Armee gekämpft haben, viele wurden mit Orden und Medaillen ausgezeichnet.

Rote Armee Heute seien einige von ihnen Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Deutschland und erleben, wie Familienbiografien hier zusammenlaufen, sagte Graumann. Seine Mutter habe die Befreiung aus einem Konzentrationslager erlebt. Sie wurde am 9. Mai 1945 befreit – von der Roten Armee. »Wir wissen, was wir Ihnen zu verdanken haben. Wir sind stolz auf das, was Sie geleistet haben«, sagte der Zentralratspräsident den Veteranen.

Die wiederum bedankten sich, dass er eigens für diese Begegnung aus Frankfurt angereist war und ernannten ihn zum Ehrenmitglied des Bundesverbandes der Veteranen, Ghetto- und KZ-Gefangenen sowie der Überlebenden der Leningrader Blockade. Dessen Vorsitzender, Petro Feldman, lobte, dass Graumann die Belange der Zuwanderer sehr gut verstehe: »Er tut als Zentralratspräsident sehr viel für die Integration.«

Die Teilnehmer des Jahrestreffens halten sich noch bis Freitag in Berlin auf. Neben ihrer Tagung im Gemeindehaus an der Fasanenstraße stehen auch Besuche der russischen und der ukrainischen Botschaft auf dem Programm.

Mehr dazu in der kommenden Printausgabe der Jüdischen Allgemeinen

Dresden

Jüdisches Leben: Gefühl von Unsicherheit im Alltag

In Sachsen gestalten Jüdinnen und Juden das kulturelle und gesellschaftliche Leben entscheidend mit. Dennoch bleibt Antisemitismus ein präsentes Problem

 23.06.2026

Meinung

Essen mit Beigeschmack

Katrin Richter kritisiert, dass jüdische und israelische Küche zunehmend nur noch mit Schutzkonzept serviert werden kann

 23.06.2026

Berlin

Zusammen genießen

Zum fünften Mal fand das Koschere Streetfood-Festival statt – mit Geschmäckern von fast überall

von Katrin Richter  23.06.2026

Jubiläum

Fünf Jahre jüdische Seelsorge der Bundeswehr: Militärrabbiner Zsolt Balla zieht Bilanz

Seit dem Start der jüdischen Militärseelsorge vor fünf Jahren wächst ihre Bedeutung in der Truppe. Sieben Militärrabbiner tun inzwischen Dienst. Ein Fazit - mit Blick auf Zeitenwende und deutsche Geschichte

von Karin Wollschläger  23.06.2026

Bildung

»Die jüdische Sicht stärken«

Eduard Steinberg über den neu gegründeten Verband jüdischer Pädagogen, Ausbildung von Lehrern und Fakten statt Meinungen

von Katrin Richter  22.06.2026

Maccabi

Eine Feier für den jüdischen Sport

Der Verein lud zum traditionellen Sommerfest im Vereinsgelände an der Riemer Straße

von Luis Gruhler  21.06.2026

München

Ganz im Vertrauen

Seit rund sechs Wochen ist Dominik Krause als Oberbürgermeister im Amt. Nun traf er sich mit Vertretern des Vorstandes der IKG zum Gespräch

von Luis Gruhler  21.06.2026

Porträt der Woche

Flucht und Farben

Alexander Glinkin ist Maler. Im Frühjahr 2022 verließ er Kyjiw und lebt heute in Berlin

von Matthias Messmer  21.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026