WIZO Berlin

»Von ganzem Herzen geben«

Avia Shoshani will etwas zurückgeben. Spätestens seit ihrem Auftritt 2015 im Finale der Musikshow Hakochav haba (»Der nächste Star«) ist die zierliche Sängerin mit der blauen Strähne im Haar in Israel eine Berühmtheit. Doch bis dorthin war es ein weiter Weg.

»Dass ich heute meine Träume und mich selbst verwirklichen kann, verdanke ich in großem Maße der WIZO«, sagt Shoshani bescheiden. Die Gäste der jährlichen WIZO-Spendengala »One Night for Children« hören aufmerksam zu. »Ihr habt immer einen Platz in meinem Herzen«, sagt Avia. Und dann singt sie los. Mit einer Stimme, die die Gäste im Ballsaal des Grand Hyatt ebenso ergreift wie ihre Dankesworte zuvor.

Die junge Sängerin ist das beste Beispiel dafür, wie die Arbeit der Women’s International Zionist Organisation (WIZO) das Leben von Kindern grundlegend verändern kann. Denn so wie 14.000 Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien wurde auch Avia in einer Ganztagseinrichtung der WIZO betreut. »Ich bin ein WIZO-Kind«, bekennt die Künstlerin nach dem Song. »Hätte ich nicht die Chance bekommen, in meiner Heimatstadt Holon einen WIZO-Kindergarten zu besuchen, stünde ich heute wahrscheinlich nicht hier.«

stimmung Als mitreißender Auftakt zur diesjährigen Spendengala spiegelte der Auftritt der 23-jährigen Israelin genau die Stimmung wider, die WIZO-Ehrenpräsidentin Lala Süsskind später am Abend als »Glücksmoment« beschreibt: »Wenn man sich hier so umschaut und all die Menschen sieht – viele, die schon oft dabei waren, und viele, die zum ersten Mal dabei sind –, dann beruhigt es mich zu sehen, wie viele junge Menschen WIZO unterstützen, und dass wir ›alte Garde‹ es verstanden haben, unseren Kindern weiterzugeben, dass WIZO eine tolle Sache ist, die es zu unterstützen lohnt.«

Die »Kinder«, das sind an diesem Abend insbesondere die sechs Frauen vom WIZO-Team Berlin – Alexandra Cukierman, Revital Czarny, Shoshana Feingold-Studnik, Sylvia Hagen, Nicole Schauder-Shani und Sharon Back. Es die dritte Gala unter ihrer Ägide und auch die bislang entspannteste, wie alle sechs Frauen von Anfang an bemerken: Die Stimmung ist locker und ausgelassen – die festlich gekleideten Gäste unterhalten sich angeregt, und die Vorspeise ist gerade serviert, als die ersten Paare bereits zu Pop-Versionen von Klassikern wie Hava Nagila und Am Israel Chai die Tanzfläche stürmen.

zuhause Unter ihnen sind auffallend viele junge Gesichter – so wie das von Carolina Gus. Auch sie ist ein WIZO-Kind. Anders allerdings als Avia Shoshani, denn dank ihrer engagierten Mutter ist die gebürtige Brasilianerin in ihrer Heimat mit WIZO-Veranstaltungen aufgewachsen. WIZO sei für sie »ein Stück Zuhause«.

Dieses Gefühl erlebe sie nun hier wieder, schwärmt sie. Denn als Carolina vor ein paar Monaten der Liebe wegen in die deutsche Hauptstadt kam, sei WIZO ihre erste Anlaufstelle gewesen – so habe sie auch von der Gala erfahren.

So wie auch ihr Freund Moritz Schulze, der zum ersten Mal dabei ist, ist sie besonders »von dem Gemeinschaftsgefühl« angetan – und von der Musik, dem Tanz und der Show. Carolina kann sich gut vorstellen, die Berliner WIZO ehrenamtlich zu unterstützen. Ideen hat sie auch schon: Am liebsten würde sie sich dafür einsetzen, mehr junge Frauen und Mädchen für die WIZO-Arbeit zu gewinnen.

tradition Mehr als 250.000 Frauen in 50 Ländern sind ehrenamtlich für die WIZO tätig. Das sei eine beeindruckende Zahl, findet Michaela Mumm-von Oldenburg. Die Rechtsanwältin hat selbst vor anderthalb Jahren eine gemeinnützige Charity-Organisation gegründet. WIZO sei für sie ein großes Vorbild, deren Projekte sie zudem gerne unterstützt.

Viele ihrer Freundinnen seien ebenfalls hier, sagt die Juristin, darunter die Designerin Lana Mueller, die die WIZO unterstützt und sie auf die Organisation aufmerksam gemacht hat. »Was die WIZO alles auf die Beine stellt – und das seit 1920! –, macht mir Mut.« Seit sie vor einem Jahr zum ersten Mal dabei war, ist die Spendengala fest eingeplant in ihrem Terminkalender.

Gregor Wahl versäumt seit 15 Jahren keine Gala. Der Arzt erinnert sich noch an die ersten Veranstaltungen im Hotel Savoy in der Fasanenstraße. »Es ist viel weltläufiger geworden, viel eleganter, urbaner«, fasst Wahl 15 Jahre Gala-Erfahrungen zusammen. Die Unterstützung sei die gleiche geblieben, die Nachfrage, dabei zu sein, sei jedoch »rasant gewachsen«.

charme Die zunehmende Popularität der Veranstaltungen führe dazu, dass »mehr Menschen daran teilnehmen wollen«. Und populär, wie Wahl es ausdrückt, seien die WIZO-Events vor allem wegen der Organisation, mit der die Veranstalter zunehmend jüngere Leute ins Boot holen – durch die Unterhaltung, die Atmosphäre und den »authentischen Charme des Unperfekten«: »Das Berliner Team ist so flexibel, dass es Stimmungen und Bedürfnisse aufgreift und dann im Handumdrehen umorganisiert.«

Lothar Schwarzer ist zwar ein WIZO-Urgestein, und manchmal vermisst er die »ruhigeren, gesetzteren Bälle«, auf denen es noch nicht »so laut« zuging. Dennoch kann er den Wunsch nach »moderner Party« gut verstehen. Die WIZO müsse sich schließlich den »modernen Zeiten anpassen«, da sei die Organisation »auf dem richtigen Weg«, findet der Druckerei-Inhaber, der die Charity-Organisation seit Jahrzehnten unterstützt. »Die jungen Leute sind hier angekommen«, freut er sich – ein Kompliment, das auch dem WIZO-Team Berlin gilt.

patenschaften Es sei ein Abend »ganz im Sinne von WIZO – für Kinder, mit wunderbaren internationalen Gästen, generationsübergreifend, mit mehr als 300 Patenschaften, gegeben von ganzem Herzen – so soll es sein, so macht es Spaß, so machen wir weiter«, lautet das Fazit der Frauen.

Zu der Veranstaltung waren mehr als 200 Gäste gekommen, darunter der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman, der – neben dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller – Schirmherr der Berliner Charity-Gala war. Für ihn gehörte der Abend vor den Hohen Feiertagen zu einem »WIZO-Marathon«, der ihm sehr am Herzen liege.

So hatte Hadas-Handelsman bereits am Vorabend die Gala in Frankfurt besucht. »Alle Juden – und ich möchte hinzufügen: alle Menschen – sind füreinander verantwortlich«, betonte der Botschafter. Daher sei es so wichtig, Kinder in Not zu unterstützen.

chance Die WIZO-Einrichtungen würden »Hoffnung und Zuversicht« geben, sagte Ehrengast Christina Rau in ihrem Grußwort. Die Witwe des ehemaligen Bundespräsidenten schilderte ihre Eindrücke von einem gemeinsamen Besuch mit WIZO-Ehrenpräsidentin Lala Süsskind in einem WIZO-Kindergarten im Juli in Rischon LeZion. »Das Geld, das Sie heute Abend spenden, wird gut verwendet«, versicherte die ehemalige First Lady den Gästen.

Denn der Kindergarten sei, wie alle WIZO-Einrichtungen, ein beeindruckendes Beispiel für Israels »enorme Integrationsleistung«. »Er liegt in einem Stadtteil, in dem die Lebenssituation vieler Familien prekär ist. Doch das Team kümmerte sich mit so viel Liebe um die Kinder, dass ich dachte: ›Was für eine Chance, in solch einem Kindergarten die ersten Schritte zur Selbstständigkeit zu machen‹«, so Rau.

Avia Shoshani hat ihre Chance genutzt. Bevor das Showprogramm auf Tombola, Auktion, Tanz und Dessert zusteuert, rufen die Gäste spontan nach einer Zugabe. Und da das WIZO-Team flexibel reagiert, begeistert das ehemalige »WIZO-Kind« den Ballsaal des Grand Hyatt an diesem Abend ein weiteres Mal mit seinen Liedern über die Liebe.

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