EILMELDUNG! Medienbericht: Iran soll Ermordung von Josef Schuster und Volker Beck geplant haben

Nürnberg

Tora auf Hitlers Tribüne

Die Siegesfeier der amerikanischen Truppen – ein Triumph an der Stätte von Hitlers Parteitagen Foto: ullstein

In den Morgenstunden des 20. April 1945, dem 56. und letzten Geburtstag Adolf Hitlers, marschierten US-Truppen in die Stadt der Reichsparteitage ein. Schon am Abend wehten die amerikanischen Flaggen inmitten der Nürnberger
Ruinenlandschaft.

Hier, wo Albert Speer seinem Führer einen bombastischen Bau für seinen Größenwahn errichtet hatte, wo bis zu 150.000 brüllende Menschen Hitler zujubelten und Leni Riefenstahl ihre Propagandafilme drehte. Aus der provisorischen Holztribüne war mit einer Länge von 360 und einer Höhe von 20 Metern nach dem Vorbild des antiken Pergamonaltars eine Nazi-Kultstätte entstanden. Oberhalb der Sitzplätze lief eine doppelte Pfeilerreihe über die gesamte Breite, durch die die Tribüne ihre Gesamthöhe von 20 Metern erreichte.

Jetzt hatten sie die amerikanischen GIs in ihren Besitz genommen. Stolz paradierten sie über den Marktplatz der Stadt. Mit der 3. und 45. US-Infanteriedivision kam auch Rabbiner David Max Eichhorn nach Franken.

Stalag 13 Seit 1942 diente der Militärrabbiner bei den amerikanischen Streitkräften. Der damals 38-Jährige aus Columbia, Pennsylvania, nahm auch an der Befreiung des Nürnberger NS-Lagers STALAG 13 teil, Dort waren Tausende russische, englische und amerikanische Kriegsgefangene eingesperrt gewesen. Die Ersten, die hier inhaftiert worden waren, waren Soldaten aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich, die bei der sogenannten Blitzkrieginvasion von Frankreich 1940 gefangen genommen wurden.

1941 kamen Serben, Polen und Russen nach den Kampfhandlungen an der östlichen Front hinzu. Britische, australische und weitere Soldaten aus dem Commonwealth wurden bei den Kämpfen auf Kreta festgenommen und kamen 1941 in das Lager, das sich immer mehr füllte, je länger der Krieg dauerte. Unter ihnen befand sich 1945 auch eine Gruppe jüdischer Soldaten aus dem damals noch von England verwalteten Palästina.

Diese britischen Armeeangehörigen waren 1941 bei den Kämpfen um Griechenland von der deutschen Wehrmacht gefangen genommen worden. Am 24. April 1945 nahmen einige der nun befreiten Soldaten am vermutlich ersten jüdischen Gottesdienst im besetzten Nürnberg teil.

In seinen 1962 publizierten Erinnerungen The Capture of Nuremberg beschreibt Rabbiner Eichhorn, der auch zu den Befreiern des Konzentrationslagers Dachau gehörte, das denkwürdige Ereignis: »Sonntagnachmittag, den 22. April 1945, erreichten zwei amerikanische Jeeps das Reichsparteitagsgelände. Am ersten Fahrzeug prangten zwei weiße Davidsterne. Neben dem Rabbiner saßen sein Assistent und fünf aus dem Gefangenenlager befreite palästinensische Juden.«

Letzte Kämpfe Der zweite Wagen war mit weiteren fünf jüdischen Soldaten besetzt; Amerikaner, die an den Kämpfen um Nürnberg teilgenommen hatten. Im überfüllten Jeep des US-Militärkaplans befand sich zudem noch ein Holzkasten mit einer Torarolle.

Langsam näherte sich die kleine Wagenkolonne der Zeppelin-Tribüne. »Ich stoppte den Jeep vor der Rednerkanzel, über der ein glänzendes, mit Blattgold überzogenes Hakenkreuz angebracht war«, berichtet David M. Eichhorn. Die Soldaten stiegen aus ihren Fahrzeugen, bildeten eine Ehrenformation und trugen die Torarolle auf die Rednerplattform. Genau an dem Platz, wo Hitler mit seinen Hasstiraden den Weg in den Holocaust vorbereitet hatte, las der Rabbiner aus der Heiligen Schrift und zelebrierte einen jüdischen Gottesdienst.

Nachdem Lieder und Gebete verklungen waren, fassten sich die amerikanischen und die Juden aus Eretz Israel an den Händen und formten einen Kreis um den Rabbiner und die Torarolle. »Wir versprachen uns«, so erinnert sich David M. Eichhorn, »nicht eher zu ruhen, bis der Tyrann Hitler endgültig zerschmettert wäre und das Volk Israel einen eigenen Staat in Palästina gegründet hätte.«

Tapferkeitesmedaillen Etwas später marschierten Einheiten der 3. und 45. US-Division auf das Reichsparteitagsgelände. In einer Ansprache beglückwünschte der Kommandeur der 7. amerikanischen Armee, General Alexander M. Patch, seine Soldaten und zeichnete einige der Männer mit der höchsten Tapferkeitsmedaille aus.

Zum Abschluss der Siegesfeier legten GIs eine Dynamitladung an das riesige Hakenkreuz und sprengten das verhasste Nazisymbol in die Luft. Die Gefühle der zuschauenden Juden beschreibt Rabbiner Eichhorn so: »Von den Tausenden jubelnden Soldaten war sicherlich keiner emotional so aufgewühlt wie die sieben Amerikaner und die fünf Israelis, die sich um den Jeep mit den aufgemalten Davidsternen drängten.«

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Schawuot

Alles Käse

Ob Oreo-Cheesecake, israelischer Käsekuchen oder Napoleon-Torte: Familien verraten ihre Lieblingsrezepte und erzählen, warum milchige Desserts zum Fest unverzichtbar sind

von Christine Schmitt  21.05.2026

Jewrovision

Jung, laut, jüdisch

Eindrücke vom Wochenende in Stuttgart

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 21. Mai bis zum 3. Juni

 20.05.2026

Stuttgart

Sieg in Weiß mit »Gangsta’s Paradise«

Glitzer, Lampenfieber und große Botschaften: Bei der Jewrovision verwandelten Jugendliche aus ganz Deutschland Musik, Tanz und persönliche Geschichten in eine kraftvolle Show. JuJuBa holte den ersten Platz, gewonnen haben aber alle

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Meinung

Die Jewrovision sendet ein Signal

Bei dem Musikwettbewerb haben die Teilnehmer auch immer wieder den grassierenden Antisemitismus thematisiert. Die Politik muss die Angst jüdischer Kinder und Jugendlicher endlich ernst nehmen

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Konflikt

»Große Irritation« nach Gründung eines neuen liberalen Rabbinatsgericht

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin und die Union progressiver Juden haben ein Beit Din gegründet. Die Allgemeine Rabbinerkonferenz kritisiert den Schritt als »Spaltungsmanöver«

von Mascha Malburg  19.05.2026