Meinung

Taten statt Worte

Makkabi-Präsident Alon Meyer Foto: Rafael Herlich

Meinung

Taten statt Worte

Makkabi-Präsident Alon Meyer findet, dass der FSV Mainz 05 konsequent gehandelt hat

von Alon Meyer  18.10.2023 13:14 Uhr

Unsere Herzen sind schwer. Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich die Welt nicht nur für Jüdinnen und Juden drastisch verändert. Viele von uns haben Freunde oder Bekannte in Israel, die ermordet wurden, vermisst sind oder in großer Angst leben. Wir reden vom schlimmsten Terror gegen Jüdinnen und Juden seit 1945.

Zwar hat die Solidarität mit Israel im Sport seit dem grauenhaften Angriff der Hamas zugenommen. Auch wird es am kommenden Bundesliga-Spieltag eine Schweigeminute geben, um der Opfer zu gedenken. Allerdings gibt es auch immer wieder Profispieler, die öffentlich ihre Unterstützung für die menschenverachtende Ideologie der Hamas mit dem Ziel der Auslöschung des jüdischen Staates zum Ausdruck bringen.

Lassen Sie uns die aktuellen Zustände vergegenwärtigen: In Berlin, in der Hauptstadt des Rechtsnachfolgers des NS-Regimes, und anderen deutschen Städten finden israelfeindliche Demonstrationen statt, bei denen tausende Teilnehmende die Terroraktivitäten der Hamas verherrlichen. Sie setzen sich gewaltsam über Versammlungsverbote hinweg. Tiefpunkt: Gestern Nacht wurde in Berlin-Mitte eine Synagoge mit Molotowcocktails angegriffen. Hier muss der Rechtsstaat konsequent einschreiten. Aber auch im Sportbereich muss entschieden gehandelt werden. Und zwar jetzt!

Kürzlich teilte Bayern-Spieler Noussair Mazraoui in seiner Instagram-Story ein Video, in dem er seinen »Brüdern in Palästina (…) den Sieg« wünscht. Ich bin schockiert über diese propagandistischen Mittel, in deren Folge der Nährboden für Antisemitismus auf deutschen Sportplätzen und darüber hinaus immer fruchtbarer wird. Aber auch über die ausbleibenden Reaktionen des FC Bayern, der Antisemitismus damit indirekt freien Lauf gibt.

Wir von MAKKABI Deutschland erwarten von den Verantwortlichen des FC Bayern eine klare Haltung. Die Verbreitung antisemitischer Hassbotschaften hat besonders im Profisport, der nicht zuletzt aufgrund seiner breiten Reichweite eine Vorbildfunktion hat, nichts verloren.

Ich fordere die Funktionäre des FC Bayern nachdrücklich auf, konsequent zu handeln. Der FSV Mainz 05 ist mit sehr gutem Beispiel vorangegangen, indem der Spieler Anwar El Ghazi, der sich ebenfalls im Netz antiisraelisch geäußert hatte, nach einem klärenden Gespräch mit sofortiger Wirkung vom Trainings- und Spielbetrieb suspendiert wurde.  

Wer die antisemitischen Hassbotschaften durch Parolen, Bildern, Likes oder Repostings unterstützt, verlässt den Boden unserer demokratischen Grundordnung. Die Vereine müssen gut aufgestellt sein, um in solchen Fällen unmittelbar handlungsfähig zu sein und die Spieler zu sanktionieren.

Am 9.11. werden wir - wie jedes Jahr - zahlreiche Mahnwachen sehen und viele Reden über die Verurteilung der antisemitischen Gewalt der Novemberpogrome hören. Doch wir benötigen keine bloßen Sonntagsreden, sondern Taten: »Nie wieder« ist jetzt!

Kommentar

Und nun?

Bloße Empörung über den Wahlsieg der rechtsextremen AfD ist billig und wohlfeil. Es sollte endlich auch über die Gründe ihrer Popularität gesprochen werden. Die Parteien der Mitte müssen endlich aufwachen

von Philipp Peyman Engel  07.09.2026

Reaktion

Zentralrat der Juden schockiert über AfD-Ergebnis

Josef Schuster ist entsetzt über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt. Besondere Gefahren sieht der Präsident des Zentralrats der Juden in der Bildungspolitik

 06.09.2026

München

Bayern erhöht Staatsleistungen für israelitische Kultusgemeinden

Seit 1997 gibt es in Bayern einen Staatsvertrag mit den jüdischen Gemeinden. Dieser muss immer wieder mal angepasst werden. Am Freitag war es wieder soweit. Ein Signal der Wertschätzung

 06.09.2026

Porträt der Woche

Meisterin des Spagats

Naama Freedman vereint Kunst, Musik, Film und Sprache jenseits der Genregrenzen

von Lorenz Hartwig  06.09.2026

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Mode

»Die Kippa gehört zum Outfit«

Jonathan Hirsch über edle Stoffe zu den Feiertagen, stilistische Entgleisungen und die jüdische Kopfbedeckung als Accessoire

von Mascha Malburg  04.09.2026

Bildung

Neues ELES-Stipendium unterstützt jüdische Mediziner bei ihrer Promotion

Die Bewerbungsphase beginnt heute. Vorgesehen ist eine Förderung über zwölf Monate

 03.09.2026

Bad Sobernheim

Mit allen gemeinsam

Die Bildungsfreizeit ist für »Gesher« ein Höhepunkt des Jahres

von Leon Stork  03.09.2026

Und wenn ...

Am Sonntag wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Es steht viel auf dem Spiel. Katrin Richter und Stephan Pramme waren unterwegs in Magdeburg, Halle und Dessau

von Katrin Richter  03.09.2026