Frankfurt

Tanzen macht Spaß – vor allem gemeinsam

Ausdruck von Lebensfreude Foto: Rafael Herlich

»Erez Israel jaffa« bedeutet »Das Land Israel ist schön«. Das israelische Volkslied diente am vergangenen Sonntag als Motto für ein deutschlandweites Tanzfestival. Etwa 350 Teilnehmer aus 25 jüdischen Gemeinden kamen nach Frankfurt, um miteinander zu singen und zu tanzen. Mit einem großen Applaus begrüßten die bunt bekleideten Gruppen Tanzlegende und -lehrerin Tirza Hodes. Von Lucy Maman unterstützt, leitet sie seit Jahren die Tanzseminare der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST). Zum zweiten Mal organisierte das ZWST-Sozialreferat das große Festival.

»Tanz und Gesang sind tragende Komponenten des jüdischen Volkes.« Aron Schuster

»Man kann mit Stolz behaupten, dass Tanz und Gesang tragende Komponenten des jüdischen Volkes sind«, sagte ZWST-Direktor Aron Schuster zur Begrüßung. Die Zentralwohlfahrtsstelle werde im jährlichen Wechsel Festivals für Chöre und Tanzgruppen ausrichten, kündigte er an. Schuster betonte die wichtige Rolle dieser Kulturangebote für die Integration jüdischer Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Tanzgruppen und Chöre seien ein erster Anker, um mit Israel und Judentum in Berührung zu kommen.

Gedenken Der ZWST-Direktor würdigte die Verdienste seines Vorgängers Benjamin Bloch und bat um eine Schweigeminute für den im April Verstorbenen. Dankesworte richtete Schuster an Tirza Hodes und Moishele Gerstein, der auch diesmal sein Akkordeon und viele israelische Volkslieder mitgebracht hatte. Das Festival sei bewusst nicht als Wettbewerb angelegt, sagte Schuster. Es gehe vielmehr darum, gemeinsam zu feiern und voneinander zu lernen.

Die Gruppen gedachten in einer Schweigeminute dem im April verstorbenen Benjamin Bloch.

Durch das Programm führte Ilja Cinciper, der als Moderator der »Jewrovision« in diesem Jahr bekannt wurde. Zur Einstimmung spielte Moishele Gerstein einige Volkslieder. Die Teilnehmer klatschten und sangen erst eher zaghaft mit. Spätestens beim Klassiker »Hava Nagila« zeigten sie sich textsicher. Zum Brodeln brachte Gerstein den Saal aber erst mit dem russischen Volkslied »Kalinka«.

Schließlich trauten sich die Teilnehmer dann endlich, selbst zur Tat zu schreiten. Sie kamen in die Mitte des Saals und begannen gemeinsam im Kreis zu tanzen. Schwungvoll und ausgelassen bewegten sie sich im vertrauten Rhythmus. Mittendrin, Arm in Arm mit den Teilnehmern, tanzte auch Tirza Hodes. Die Tänzer, zumeist Tänzerinnen, harmonierten unabhängig von Alter und Herkunft miteinander. Die verbindende Wirkung israelischer Volkstänze zeigte sich an diesem Tag einmal mehr.

Auftritte Am Nachmittag folgten die Auftritte der insgesamt 25 Tanzgruppen. Cottbus, Dortmund, Baden-Baden, Wiesbaden, Hamburg, Bamberg, Bonn, Augsburg und Karlsruhe. Nach einem kurzen Zwischenspiel mit gemeinsamem Gesang traten Gruppen aus Dortmund (»Yachad«), Köln (»Neshama«), Würzburg, Aachen, Oberhausen, Bochum, Chemnitz und Mainz auf. Die Tanzgruppen aus Marburg, München, Frankfurt am Main, Erfurt, Wuppertal, Köln (»TARI«), Hannover und Darmstadt beschlossen diesen Teil des Festivals.

Regelmäßig bringt die Darmstädterin Iris Lazimi neue Tänze aus Israel mit.

Schon während der Mittagspause war den Teilnehmern eine Portion Anspannung, aber auch Vorfreude anzumerken. Die aus Wuppertal angereiste Gruppe »Tikwatejnu« kann auf ein 14-jähriges Bestehen zurückblicken. Sie wird von der Choreografin Ludmila Ilina geleitet. Die russischsprachigen Damen schätzen die ZWST-Tanzseminare und das Festival als Begegnungsort. Das Tanzen bringe ihnen Freude und Austausch, sagen sie. »Wir vergessen unser Alter und fühlen uns jung«, freuen sich die Wuppertalerinnen.

Repertoire Frauen aus der gesamten Rhein-Main-Region zieht die Darmstädter Tanzgruppe »Jovel« an. Von Iris Lazimi geleitet, besteht sie schon seit mehr als 25 Jahren. »Unsere Tänze sind lebendig und energiegeladen«, sagen die Darmstädter Damen. Zu ihrem Repertoire zählen chassidische Tänze, aber auch Tänze der israelischen Pioniere. Regelmäßig bringe Iris Lazimi neue Tänze aus Israel mit, erzählen die Darmstädterinnen. Sie wissen: »Der israelische Tanz ist ein Tanz der Lebensfreude.«

Einen besonders umjubelten Festivalauftritt hatten diesmal die Jüngsten. Die Dortmunder Tanzgruppe »Harimon« besteht aus sechs Mädchen im Alter von zehn und elf Jahren. Die Choreografin Marina Evel übt mit ihnen die Tänze ein. Mit ihrer Darbietung ernteten die Harimon- Kids viele »Bravo«-Rufe.

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