stuttgart

Starkes Bekenntnis

Viele Zuhörer verfolgten die Ausführungen von Dermer (l.), Diplomat und Politikberater. Foto: Antonio Lovrincevic-Steege

Keren Hayesod rief, nahezu 200 Spenderinnen und Spender kamen und erlebten einen interessanten Abend mit Ron Dermer in Stuttgart im Gemeindesaal der Israelitischen Religionsgemeinschafts Württembergs (IRGW).

Dermer, der von sich sagt: »Ich bin zu einem Viertel deutsch«, kam als starke Stimme für Keren Hayesod nach Stuttgart. Nachdem er Benjamin Netanjahus enger strategischer Berater war, wurde er von 2013 bis 2021 als Botschafter des Staates Israel in die USA berufen.

Diplomatie Bei den Verhandlungen zum »Abraham-Abkommen« nahm er eine Schlüsselrolle ein, wofür er im selben Jahr gemeinsam mit anderen für den alternativen Friedensnobelpreis nominiert wurde. Das »Abraham-Abkommen« – am 15. September 2020 durch Vertreter Israels und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) vor dem Weißen Haus unterzeichnet – sollte der Auftakt zu einem neuen Nahen Osten sein. Später folgten dem Vertrag für Frieden und Aufnahme diplomatischer Beziehungen auch Bahrain, Marokko und der Sudan.

Die Palästinenser allerdings protestierten, da sie für sich keine Fortschritte sahen. Offenbar einer der Gründe, warum die EU und auch Deutschland als zögernde Zuschauer gegenüber dem Abkommen auftreten. Dennoch: Seit dem Abschluss des Abkommens ist das Handelsvolumen zwischen Israel und den Emiraten auf drei Milliarden Dollar gestiegen. Zudem gibt es einen regen Austausch in Kultur, Sport und anderen Bereichen.

Politikberater Ron Dermer hält ein leidenschaftlichen Plädoyer für Frieden im Nahen Osten.

In seinem leidenschaftlichen Plädoyer für Frieden im Nahen Osten kritisierte Ron Dermer, studierter Finanz- und Managementfachmann, die zurückhaltende Rolle der deutschen Bundesregierung. »Je mehr Deutschland zum Abraham-Abkommen steht, umso mehr gibt es Frieden in der Region«, so Dermer. Auch wenn in Brüssel und Washington Zweifel an der Strategie der Atomverhandlungen mit dem Iran wüchsen, halte die Bundesregierung an den Atomverhandlungen fest.

Die religiösen Führer des Iran wollten »uns in frühere Jahrhunderte zurückschicken« und brandmarkten selbst die aktuellen Proteste im Land als »ausländische Verschwörung, vor allem der USA und Israels«, so Dermer. Seitdem der israelische Diplomat in den USA 2021 sein öffentliches Amt niedergelegt hat, leitet er die strategischen Investitionen von Exigent Capital, einer Investment-Management-Firma in der Golfregion mit Sitz in Jerusalem. Dermer darf also zu Recht als profunder Kenner der Region gelten.

Beifall »Solange Teheran öffentlich dazu aufruft, Israel zu zerstören, sollte sich kein Vertreter Deutschlands mit Vertretern des Iran treffen. Punkt. Basta«, machte Dermer in Stuttgart seine entschiedene Haltung klar. Und er erinnerte an die Haltung des Iran zur Ausrottung der Juden Europas. Die Ajatollahs leugneten auch den Holocaust, warum werde dann in Deutschland Handel mit dem Iran betrieben? Völlig sinnlos sei auch, Israel zu boykottieren. Israel sei ein weltweites Zentrum für Innovation und Investitionen, so Dermer selbstbewusst.

»Euer deutscher Kanzler und der Präsident der USA müssen zusammenstehen, statt dass Scholz im Atomdeal beschwichtigt«, sagte Dermer, der dafür in der Zuhörerschaft heftigen Beifall bekam. Im Gespräch mit Gottfried Bühler, Vorsitzender der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalems (ICEJ) Deutschland, würdigte Ron Dermer »eine neue Zeit für jüdisch-christliche Beziehungen«, gerade weil »der alte Antisemitismus zurückgekehrt« sei. Doch nach 18 Jahrhunderten Feindschaft entstünden auch Freundschaften. Das sei »ein starkes Signal von Christen an Juden«. Dermer warb dafür, Israel zu besuchen. »Es ist besser, in Israel zu stehen und zu sehen, wohin euer Spendengeld gegangen ist.«

Keren Hayesod wurde vor 102 Jahren gegründet und hat 60 Vertretungen in 45 Ländern.

Keren Hayesod, die Vereinigte Israel Aktion, ist die zentrale Organisation der Spendensammlung für wohltätige Projekte in Israel. Die Spenden unterstützen strukturschwache Gemeinden, benachteiligte Jugendliche, den Ausbau der Alija und Rettungsaktionen. Vor 102 Jahren gegründet, hat Keren Hayesod 60 Vertretungen in 45 Ländern.

»Warum braucht man noch Keren Hayesod, wo Israel doch ein so starker Staat geworden ist?«, fragte Martin Meir Widerker als Gastgeber in die Stuttgarter Runde. Und gab gleich selbst die Antwort. »Der Krieg in der Ukraine hat zu einer riesigen Flüchtlingsbewegung geführt, wir erwarten zudem eine weitere Einwanderungswelle aus Russland«, so der Unternehmer. Doch auch in Deutschland ist Keren Hayesod tätig. »Die Verstärkung der Synagogentür in Halle nach dem Anschlag im Jahr 2019 ist aus Spendengeldern von Keren Hayesod finanziert worden«, so Widerker.

zusammenleben Mit konkreten Beispielen beschrieb er von ihm beobachtete Situationen im Zusammenleben von jüdischen und arabischstämmigen Israelis. »Sie verweigern Israel die Treue, indem sie Steuern zurückhalten. Und wenn jüdische Mitbürger durch Terrorakte umkommen, feiern sie«, empörte er sich. Die Zeit sei gekommen, Israel zu verändern, so der Vorsitzende von Keren Hayesod Baden-Württemberg.

Mit einer symbolischen Spendenzeichnung von über 15.000 Euro gab Michael Kashi, Mitglied im Vorstand der IRGW, später den Auftakt des Magbit-Abends für Keren Hayesod. »Willkommen im jüdischen Herzen Württembergs«, sagte er.

Mit Sam Grundwerg, dem Weltvorsitzenden von Keren Hayesod, Carmela Shamir, Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland, Stella Syrkin, Gesandte des Staates Israel in Württemberg, Udi Lehavi, Repräsentant von Keren Hayesod, und deutschen Vertretern aus Wirtschaft und Politik war der Abend ein starkes Bekenntnis für Israel und seine Menschen.

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