7. Oktober

Solidarität auf dem Odeonsplatz

Für ihre israelsolidarische Haltung bekannt: Schauspielerin Uschi Glas Foto: IKG München und Oberbayern/Astrid Schmidhuber

Es ist ein knappes Jahr her, dass eine Öffentlichkeit in Schockstarre die Ereignisse des 7. Oktober 2023 verarbeiten musste. Nach dem beispiellosen Terror gegen die israelische Zivilbevölkerung mit fast 1200 Todesopfern und um die 240 Verschleppten erlebte die jüdische Gemeinschaft auch in Deutschland zunächst eine Welle der Solidarität. Jahrzehntelange Vorurteile und Vorbehalte gegenüber Israel schienen zunächst in den Hintergrund zu treten.

Ein Jahr später ist der Status quo ante vielerorts zurück. Längst steht Israel für seine Selbstverteidigung wieder am Pranger, und während der jüdische Staat an mehreren Fronten um die Sicherheit seiner Bürger kämpft, erlebt die jüdische Gemeinschaft in der Diaspora einen Antisemitismus, der infolge der größten antijüdischen Ausschreitung seit 1945 nicht etwa nachgelassen hat, sondern massiv angewachsen ist.

Um all das ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und das Andenken der Opfer in Ehren zu halten, finden in München rund um den Jahrestag mehrere Gedenkveranstaltungen statt. Den Anfang macht das Bündnis »München gegen Antisemitismus«, das am Nachmittag des 6. Oktober zur Großdemonstration auf dem Odeonsplatz aufruft. Die Veranstalter, die mit der Demonstration an die wöchentlichen »Run for Their Lives«-Kundgebungen des letzten Jahres anknüpfen, laden nach Reden unter anderem von Ministerpräsident Markus Söder und Zentralratspräsident Josef Schuster zum bekannten 18-minütigen Gedenklauf durch die Münchner Innenstadt ein.

Am Montagabend richten die IKG und die Landeshauptstadt München einen gemeinsamen Gedenkakt aus.

Über 90 weitere Vereine, Parteien und Initiativen haben sich dem Bündnis bereits angeschlossen, das in seinem Aufruf die sofortige Freilassung aller Geiseln sowie »klare Haltung und Maßnahmen gegen Antisemitismus in Deutschland« fordert. Die Schirmherrin der Kundgebung, Charlotte Knobloch, wird auch am Jahrestag des Massakers am darauffolgenden Montagabend eine zentrale Rolle spielen, wenn die Kultusgemeinde und die Landeshauptstadt München in der Hauptsynagoge Ohel Jakob einen gemeinsamen Gedenkakt ausrichten.

Neben der IKG-Präsidentin, Landtagspräsidentin Aigner, Ministerpräsident Söder und dem Münchner Oberbürgermeister Reiter sprechen hier auch die Generalkonsuln Israels und der USA, Talya Lador-Fresher und James Miller, dazu die Oberhäupter der großen christlichen Konfessionen in München, Reinhard Kardinal Marx und Christian Kopp. Den Abschluss bildet der Vortrag von Dafna Gerstner, die den 7. Oktober im Kibbuz Be’eri überlebt hat.

Mit dem Gedenkakt, so Knobloch, »zeigen wir in der jüdischen Gemeinschaft, aber auch die Landeshauptstadt, dass keiner der Ermordeten und keine einzige Geisel vergessen sind«. Die Veranstaltung ist nicht öffentlich zugänglich, wird aber live im BR-Hörfunk übertragen.

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