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Geschafft: Am besten sollte man schon im Urlaub an den Festtagseinkauf denken. Foto: imago

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Süddeutschland hat noch Ferien – und die Feiertage stehen vor der Tür

von Elke Wittich  23.08.2010 13:54 Uhr

Gespannt schauen die jüdischen Gemeinden in Deutschland Jahr für Jahr auf die Termine für die Schulferien. Denn schließlich verschieben sich nicht nur die jüdischen Feiertage, auch die Ferien variieren – und so kann es passieren, dass ein hoher jüdischer Feiertag in die Urlaubszeit fällt.

So wie in diesem Jahr: Rosch Haschana beginnt am 8. September, doch erst drei Tage später enden in Baden-Württemberg die Schulferien. Die jüdischen Gemeinden in Bayern trifft es noch härter. Hier enden die großen Sommerferien erst am 13. September. Es bleibt also wenig Zeit, die Festtage vorzubereiten. Denn nicht nur die Schulkinder machen Urlaub, auch ihre Eltern, sprich die Mitarbeiter in den Gemeinden.

»Das jüdische Leben war noch nie leicht, das jetzt sind aber doch nur Peanuts« erklärt Benjamin Vazaman vom Vorstand der jüdischen Gemeinde im baden-württembergischen Baden-Baden. Der jüdische Kalender habe halt immer »Schwingungen von ein paar Wochen. Und nun müssen wir den etwas ungünstigeren Termin genauso hinnehmen, wie wir uns sonst über andere, günstigere Zeitpunkte freuen.« Doch er sieht das entspannt. Religionslehrer Vazaman selbst hatte seinen Haupturlaub bereits Ende Mai genommen.

Service Auch Astrid Yehudith Pöschke, erste Vorsitzende der Baden-Badener Gemeinde, sieht die Zeitsituation eher entspannt. »Wir haben uns auf die Schulferien eingestellt, wie sich jeder, der Interesse am jüdischen Leben und damit automatisch auch an den Feiertagen hat, darauf hat einstellen müssen«, sagt sie. Und fügt lachend hinzu, es sei auch noch keiner plötzlich über die Daten gestolpert und verzweifelt angekommen, und hat gesagt: »Oh, ich hab nicht gewusst, dass die Feiertage anstehen.« Was auch daran liegen dürfte, dass die Gemeinde ihren Mitgliedern einen Service bietet: »Zu Beginn des neuen Jahres verteilen wir den von Chabad herausgegebenen Feiertage-Kalender.«

Die Vorbereitungen auf die Feiertage werden hauptsächlich vom Vorstand erledigt, »viele Mitglieder sind schon sehr alt, und von den jungen sind eben die meisten berufstätig, die kann man auch nicht so ohne Weiteres zum Helfen heranziehen. Aber das Schmücken der Synagoge geht schnell, die Vorhänge werden gewechselt, es ist ja nicht wie zu Schawuot, wo mit vielen Blumen dekoriert wird«, erklärt Pöschke. Man sei ein gutes Team: »Wir haben keine Sommerferien in der Gemeinde, ich arbeite zu Hause und bin meine eigene Sekretärin«, erzählt die Vorsitzende. Der Vorbeter, der zu den Hohen Feiertagen aus Israel kommt, »steht schon in den Startlöchern und freut sich sehr auf uns«. Und »wir fahren wie in jedem Jahr in den Schulferien nach Straßburg, um koscheres Essen einzukaufen. Wenn man Schleichwege kennt, ist man von Baden-Baden aus in einer halben Stunde da.«

Geduld Und im nächsten Jahr liegen die Schulferien in Baden-Württemberg ja auch vielleicht ein wenig günstiger. »Ich habe noch nicht auf den Kalender fürs nächste Jahr geguckt«, gibt Pöschke zu. »Jetzt bloß nicht stressen lassen, sondern alles Schritt für Schritt angehen.« Und außerdem sei es »viel aufregender« gewesen, »als Erew Pessach im Anschluss an Schabbat war. Es war viel aufwendiger, das alles zu schaffen, weil wir ja nur eine kleine Gemeinde sind und nicht so viel Platz haben, die ganzen Lebensmittel vorrätig zu halten.«

Dass für Bayern die Schulferien ungünstig liegen, sieht nicht jeder so. Arno Hamburger, Vorsitzender der Gemeinde in Nürnberg, meint kurz und knapp: »Wir sind eine praktische Gemeinde, wir haben keine Probleme mit den Terminen. An Helfern wird es nicht mangeln, und außerdem steht uns die Küche des jüdischen Altenheims zur Verfügung. Nein, ungünstig würde ich das alles nicht nennen.«

Vorteil Für Rabbiner David Goldberg aus dem bayrischen Hof, der auch in Bayreuth und im thüringischen Erfurt als Gastrabbiner tätig ist, sind die diesjährigen Termine ebenfalls kein großes Problem: »Rosch Haschana fällt noch in die Ferien, da versäumen die Kinder wenigstens keinen Unterricht«, sagt er. In Hof und Umgebung gibt es keine jüdische Schule. Die Kinder der Gemeinde besuchen daher staatliche Bildungseinrichtungen. »Für Feiertage können die Eltern sie vom Unterricht befreien lassen, aber viele Zuwanderer nehmen diese Möglichkeit nur zögernd wahr. Für sie ist die Schule wichtiger als alles anderes – und das kann man verstehen, denn sie wollen ihren Kindern den bestmöglichen Start ins Leben bieten.« Während Sukkot gehen beispielsweise vier Tage Unterricht verloren, »das ist viel.« Es sei zwar schade, dass man die Kinder nicht im Religionsunterricht in der Schule auf das jüdische Neujahrsfest vorbereiten könne. »Man kann das Thema auch nachträglich besprechen.«

Das Leben in der Diaspora sei eben nicht so einfach wie in Israel, bedauert Goldberg. »Die Athmosphäre fehlt, man hat kein Gefühl von Feiertagen. Man tritt aus der Synagoge und alles ist vorbei, weil auf der Straße der ganz normale Alltag herrscht. Früher lebten die Juden rund um die Synagoge und auf dem Weg nach Hause roch man die zubereiteten Speisen.«

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