Münster

Porträt einer Gemeinde

Sharon Fehr, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster Foto: screenshot

Wie leben, feiern und beten eigentlich Juden in Deutschland? Wie gestalten sie das Gemeindeleben, und welche Schwierigkeiten begegnen ihnen bei der Ausübung ihrer Religion? Diesen Fragen sind die beiden Filmemacher Axel Linnenberg und Lynn Bürger nachgegangen. In ihrem Dokumentarfilm Jüdisch leben heute. Aus dem Gemeindeleben in Münster begleiten die beiden jungen Regisseure der Universität Münster Mitglieder der jüdischen Gemeinde in ihrem Alltag.

Sie sprechen mit dem Rabbiner über Gott und die Welt, unterhalten sich mit dem Vorsitzenden über Struktur und Organisation der Gemeinde und schauen der Gemeindeköchin und der Leiterin des Gemeinde­chors über die Schultern. Herausgekommen ist ein überaus lebendiges Porträt einer jüdischen Gemeinde.

premiere Am Mittwoch vergangener Woche feierte der Dokumentarfilm, der aus der zweijährigen Zusammenarbeit der Gemeinde mit dem FilmLab der Universität Münster entstanden ist, seine Premiere – aufgrund der Corona-Pandemie digital. Organisiert hat sie die Begegnungsstätte »Alte Synagoge Wuppertal« im Rahmen des Jubiläumsjahres »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«.

»Mit dem Film wollen wir zeigen, dass jüdisches Leben in Münster und im Münsterland ein aktuelles Thema ist«, sagte Regisseur Axel Linnenberg. »Die Idee war, die Gemeinde zum Subjekt zu machen und die Gemeindemitglieder selbst über ihr Leben berichten zu lassen.« Der rund 60-minütige Dokumentarfilm gliedert sich in sieben unterschiedlich lange Episoden – darunter die Punkte »Riten und Rituale«, »Hatikva – Jugend in der Gemeinde« und »Die Gemeinde in der Stadt«.

Auch der Gemeindevorsitzende Sharon Fehr ist von der Dokumentation über sein Haus begeistert.

Auch die wechselvolle Geschichte der Gemeinde wird anhand des alten jüdischen Friedhofs in Münster beleuchtet. Außerdem erfährt der Zuschauer Wissenswertes über den schwierigen Neuanfang der Gemeinde nach der Schoa, über Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindestruktur und darüber, wie sich die 600 Mitglieder zählende Gemeinde mit ihren verschiedenen Angeboten wie Jugendgruppen und Chor organisiert.

workshops »Ich bin von dem wirklich gut gemachten Film begeistert«, sagt die Leiterin der Begegnungsstätte »Alte Synagoge«, Ulrike Schrader. »Er zeigt eine zugwandte, Begeisterung weckende Gemeinde.« Sie hoffe, dass der Film künftig etwa bei Leh­rerfortbildungen oder Workshops mit Jugendlichen gezeigt werde.

Auch der Gemeindevorsitzende Sharon Fehr ist von der Dokumentation über sein Haus begeistert. »Ich freue mich sehr über das Engagement der Filmcrew und die außergewöhnlich gute Kooperation«, sagte Fehr. Der Film sei in seiner Gemeinde auf ein durchweg positives Echo gestoßen. »Alle Beteiligten fühlten sich mitgenommen.«

Er spreche wichtige Fragen zum jüdischen Gemeindeleben an. »Ich finde es sehr gut, dass der Fokus des Films auf dem Hier und Jetzt liegt, stets eingebettet in den geschichtlichen Kontext.« Fehr hofft für die Zukunft auf eine weite Verbreitung des Films. »Ich würde mir sehr wünschen, dass insbesondere die jüngere Generation mehr über das heutige jüdische Leben in Deutschland lernt, damit die jungen Menschen sehen können, wie bunt und vielfältig die Gemeinden sind«, sagte Fehr.

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Andenken

Vier Schulen und mehrere Plätze nach Margot Friedländer benannt

Vor einem Jahr - am 9. Mai - starb die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit 103 Jahren. Für viele war sie ein Vorbild. Inzwischen tragen immer mehr Schulen, Straßen und Plätze ihren Namen. Eine Übersicht

von Karin Wollschläger  08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Andenken

Berlin hat jetzt einen Margot-Friedländer-Platz

Bei der Einweihungszeremonie sagt Cornelia Seibeld (CDU), die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, die »Herzkammer der Demokratie« habe nun eine neue Adresse

 07.05.2026

Deutschland

»Die Jüdische Allgemeine gehört einfach dazu«

Seit drei Generationen ist die Jüdische Allgemeine ein Kompass für die jüdische Welt. Prominente Leserinnen und Leser erzählen, warum ihnen die Zeitung wichtig ist

 07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026

Programm

Urbane Ästhetik, cineastische Architektur und späte Aufklärung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 7. Mai bis zum 14. Mai

 06.05.2026

Kino

Am Puls der Zeit

Gegen Polarisierung und Boykott: Das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg will den Blick weiten

von Ayala Goldmann  06.05.2026