Köln

Populistischer Protest

Wieder zuschütten? Archäologische Zone Foto: Alexander Stein

Köln

Populistischer Protest

Initiativen machen im Internet gegen Bau des Jüdischen Museums mobil

von Stefan Laurin  28.01.2013 17:44 Uhr

Seit Langem wird um ein Jüdisches Museum in Köln gestritten. Nachdem der Rat den Bau beschlossen hat, sammelt nun eine Initiative im Internet Unterschriften gegen das Projekt. Nach jahrzehntelangen Diskussionen hat der Kölner Rat mit den Stimmen von SPD, FDP und Grünen im vergangenen Jahr den Bau eines Jüdischen Museums als Teil der Archäologischen Zone, in der sich auch die Reste alter jüdischer Wohnbauten befinden, beschlossen.

Gegen das 50 Millionen Euro teure Vorhaben regt sich Widerstand. Gleich mehrere Initiativen haben sich zusammen getan, um das Projekt zu verhindern. Im Internet sammeln sie Unterschriften gegen den Bau des Jüdischen Museums und der Archäologischen Zone. Nach knapp 14 Tagen haben über 2000 Menschen ihre Petition gezeichnet. 50.000 Unterschriften sind das Ziel, die bis zum Ende der Aktion am 31. März zusammenkommen sollen.

Gegner Verwunderlich ist, wer hinter den Initiatoren der Aktion steht: Werner Peters ist Vorsitzender der »Partei der Nichtwähler« und betreibt ein Hotel im Belgischen Viertel, einer Art Kölner Prenzlauer Berg. Zu seinen Mitstreitern gehören Frank Deja von der Initiative »Köln kann auch anders« und Walter Pütz, Manager des Anti-Nazi-Festivals »Arsch huh, Zäng ussenander«, bei dem 1992, 2008 und 2012 Kölner Bands gegen Rechtsradikalismus auftraten.

Ebenfalls abgelehnt wird das Museum von der CDU und der rechtsradikalen Partei Pro Köln, die allerdings bislang nicht zur Unterstützung der Petition gegen das Museum aufgerufen haben. Das Hauptargument der Museumsgegner ist Kölns Finanznot. In der Stadtkasse fehlen allein für den Haushalt 2013 über 300 Millionen Euro. Für »Arsch-huh«-Organisator Pütz steht der Zusammenhalt der Stadtgesellschaft auf dem Spiel: »Im Sozial- und Jugendbereich wird gekürzt, weil das Geld fehlt. Da haben wir kein Geld für Großprojekte wie das Jüdische Museum.

Moratorium Ein Auseinanderbrechen der Stadtgesellschaft müssen all jene verhindern, die gegen Rechtsradikalismus sind.« Nichtwähler Peters ist der Ansicht, dass eine Stadt nur so viel Geld ausgeben soll, wie sie einnimmt, und Frank Deja fordert ein Moratorium: Das Konzept für das Museum sei nicht überzeugend und solle in Ruhe nachgebessert werden. So lange, lautet sein Vorschlag, sollen die Ausgrabungsstätten vorsichtig zugeschüttet und konserviert werden.

Abraham Lehrer, Mitglied im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Köln, hält nichts von der Kritik an den Museumsplänen: »An den Sozialausgaben wird unabhängig von dem Museumsbau gekürzt; kommt er nicht, wird sich daran nichts ändern. Die Stadt soll endlich der Mehrheit des Rates folgen und anfangen, das Museum zu planen und zu bauen.« Die Online-Unterschriftensammlung hält Lehrer für ein Risiko: »Der Protest ist populistisch. Das ist kein Fischen am rechten Rand, aber es könnte eine Plattform für alle Rechten und Ewiggestrigen sein. Es wird nicht lange dauern, bis Pro Köln auf diesen Zug aufspringen wird.«

Andreas Hupke (Grüne), der Bezirksbürgermeister von Köln-Mitte, ist ebenfalls skeptisch: »Immer mehr Menschen treten an mich heran und sagen, dass die Internetaktion gegen das Jüdische Museen den politischen und religiösen Fanatikern eine Steilvorlage gibt, deren Folgen noch gar nicht abzusehen sind. Und ich befürchte, der Bewegung ›Arsch huh‹ wird durch die Teilnahme an dem Protest die Strahlkraft genommen.«

Alan Meltzer

»Die Demokratie ist robust«

Am 4. Juli werden die USA 250 Jahre alt. Ein Gespräch mit dem Chargé d’Affaires der amerikanischen Botschaft in Berlin, über Freiheit, Kritik und Hoffnung

von Katrin Richter  03.07.2026

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Sport

Maccabiah Chai!

170 Athletinnen und Athleten sind in Israel beim größten jüdischen Sportevent – Wir stellen Ihnen sechs vor

von Katrin Richter, Helmut Kuhn  01.07.2026

Sachsen-Anhalt

»Eine offene Tür ist unsere Antwort«

Landesverbands-Geschäftsführerin Rimma Fil über wachsenden Antisemitismus, Sorgen vor der Landtagswahl und den festen Willen der jüdischen Gemeinden, sichtbar zu bleiben

von Christine Schmitt  01.07.2026

Verlegung

Magdeburg erhält 900. Stolperstein

Seit 2007 wird in Magdeburg mit Stolpersteinen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die nunmehr 47. Verlegung wurde auf zwei Tage verteilt

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026